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1.300 Besucherinnen und Besucher, 60 Aussteller und viele prominente Gäste kamen zum 5. Pflegetag Rheinland-Pfalz.
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1.300 Besucherinnen und Besucher, 60 Aussteller und viele prominente Gäste kamen zum 5. Pflegetag Rheinland-Pfalz.

RÜCKBLICK PFLEGETAG

Wo sich die starke Pflege trifft

Die Sessions und Gespräche auf dem 5. Pflegetag Rheinland-Pfalz inspirierten. Zwischen den Referenten und Teilnehmern ging es lebhaft hin und her. Das Leitmotiv der Vision 2030 „Pflege hat eine starke Stimme“, hier erstmals vorgestellt, lag deutlich hörbar in der Luft.

Pflegende müssen aktiver werden, hat Alexander Schweitzer, Staatsminister im Ministerium für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung in Rheinland-Pfalz, kürzlich gesagt. Wer sich am 29. November gegen halb neun morgens durch die Rheingoldhalle bewegte, bekam den Eindruck, dass Pflegefachpersonen in Rheinland-Pfalz doch ziemlich aktiv sind: Sie informierten sich an den 60 Ausstellungsständen, diskutierten mit den Ausstellern, warfen einen letzten Blick ins abwechslungsreiche Programm des 5. Pflegetags Rheinland-Pfalz und strömten dann in den Kongress-Saal. Es war so voll, dass man auf dem Weg dorthin immer wieder stehen bleiben musste. Kein Wunder: Über 1.300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen in der Rheingoldhalle zusammen – Aussteller und prominente Gäste nicht mitgezählt.

Kämpferischer Sozialminister

In der Eröffnung brachte Andrea Bergsträßer, Vizepräsident der Landespflegekammer, es auf den Punkt: „Dass unsere Profession dabei ist, selbstbestimmt anzupacken, zeigt sich auch auf diesem Pflegetag, wo man sich trifft, austauscht, inspirieren lässt – und nicht zuletzt: gemeinsam Ziele definiert.“ Ein starkes Miteinander sei wichtig, betonte auch Alexander Schweitzer in seinem Grußwort. Die Pflege ist für den Landessozialminister nicht irgendeine Branche: Mehrere Male wies er in seiner Rede daraufhin, dass sich am Umgang mit der Pflege zeige, ob eine Gesellschaft solidarisch und gegen Extremismus gewappnet sei – oder nicht. Der SPD-Politiker plädierte dafür, die Pflegeversicherung finanziell genauso auszustatten wie die Renten- und die Arbeitslosenversicherung. Die Frage danach, wie viel Sozialstaat sich Deutschland noch leisten könne, nannte er „wohlfeil“.

Vision 2030 enthüllt

Der Präsident der Landespflegekammer, Dr. Markus Mai, betonte die Bedeutung des Pflegeberufs für die Gesellschaft und die Notwendigkeit, Pflegefachpersonen angemessen zu unterstützen. „Die Diskussionen und der Austausch auf dem Pflegetag tragen dazu bei, Lösungen zu finden und die professionelle Pflege nachhaltig zu stärken.“ Wie genau eine solche Stärkung aussehen kann, zeigte sich am Ende der Rede von Markus Mai: Auf der Bühne standen im Hintergrund bereits die ganze Zeit fünf längliche Aufsteller, verhüllt von Tüchern, die nacheinander enthüllt wurden: Es zeigte sich die fünf Kernforderungen der Vision 2030. Die Vertreterversammlung hatte sie am Tag zuvor verabschiedet.

Alles, was die Redner zuvor gerade gefordert hatten (und noch viel mehr), fand sich auch auf den Aufstellern. Ein Beispiel: In großen Lettern stand auf dem ersten: „Keine Entscheidung ohne uns!“ Da klang ganz deutlich die Forderung von Minister Schweitzer an nach einem Sitz für die Pflege im Gemeinsamen Bundesausschuss, dem höchsten Entscheidungsgremium des selbstverwalteten Gesundheitssystems (mehr über die Vision 2030 erfahren Sie hier).

Songs von den Beatles und Alicia Keys

Das Leitmotiv der Vision 2030 lautet: „Pflege hat eine starke Stimme – im Land und Bund“. Bestätigt wird dieses Statement für die Pflege in Rheinland-Pfalz schon dadurch, dass der Pflegetag im größten Veranstaltungsort des Bundeslandes stattgefunden hat. Die starke Stimme war aber auch in den vielen Veranstaltungen zu hören – beispielsweise beim öffentlichen Gelöbnis: Der Gutenberg-Saal II war wie im vorigen Jahr bis auf den letzten Stuhl besetzt, alle sprachen gemeinsam die „Deklaration der rheinland-pfälzischen Pflegefachpersonen – Feierliches Versprechen“, die der Berufsordnung der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz vorangestellt ist: „Ich verspreche meinen Beruf gewissenhaft unter Einsatz meiner pflegerischen Fähigkeiten auszuüben. Die Betreuung der mir anvertrauten Menschen ist für mich der Fokus meiner Tätigkeit …“ Eine Studentin (Gesang) und ein Student (Gitarre) von der Musikhochschule Mainz verliehen mit den Liedern „Black Bird“ (Beatles) und „Good Job“ (Alicia Keys) dem Gelöbnis einen feierlichen Rahmen.

Kammer vor Ort, kurz erklärt

Ganz pragmatisch ging es unterdessen am Stand der Landespflegekammer zu. Dort erfuhren die Mitglieder im Gespräch mit Marcel Schäfer aus dem Vorstand, was es mit der Regionalisierung und der „Kammer vor Ort“ auf sich hat: mehr Gespräche zwischen denen, die in der Kammer aktiv sind, und denen, die sich mehr Nähe wünschen zu ihrer Interessenvertretung, die erfahren möchten, was die Kammer konkret bewirkt und was sie für jedes einzelne Mitglied tun kann. Es geht um Transparenz und Niederschwelligkeit: für alle, die selbst in der Kammer aktiv werden möchten, aber auch für jene, die ihre persönlichen Fragen zur Mitgliedschaft an Ort und Stelle klären möchten.

Echte Neuigkeiten: Visiten-Revolution

Der Pflegetag Rheinland-Pfalz war auch dieses Mal keine Veranstaltung von der Stange; die Referenten kamen zur Sache, versetzten ihr Publikum in echtes Erstaunen: So erfuhren die Teilnehmer beispielsweise von Visiten, die nicht im Patientenzimmer stattfinden (Session: Unsere Vision – Selbstorganisation in der Pflege), und von hochdramatischen ethischen Fallbesprechungen (Session: Die ethische Fallbesprechung: Praxis – Relevanz – Wertigkeit). Auch in allen anderen Sessions schilderten die Dozenten lebendig die Sachverhalte, kamen in guten Kontakt mit dem Publikum. Vor und hinter dem Rednerpult war die von Schweitzer angemahnte Aktivität zu spüren: im Eingehen auf die Zuhörer, in der Konzentration, mit der das Publikum den Vorträgen folgte.

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