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Thomas Gebhart

„Wir wollen Teilzeitkräfte und Aussteiger erreichen“

Thomas Gebhart (CDU) ist Südpfälzer und parlamentarischer Staatssekretär im Gesundheitsministerium. Höchste Zeit, dass wir ihn zum Interview bitten.

Sie sagten neulich im Bundestag: „Wir sind im Moment dabei, die Konzertierte Aktion Pflege durchzuführen. Es geht unter anderem um Fragen wie diese: Wie schaffen wir es, dass mehr Menschen sich entscheiden, den Pflegeberuf zu erlernen? Wie schaffen wir es, dass Menschen, die den Pflegeberuf erlernt haben, auch in der Pflege bleiben? Und wie schaffen wir es, dass Menschen, die den Pflegeberuf erlernt haben, aber aus der Pflege herausgegangen sind, wieder in die Pflege zurückkehren? Wir werden im Sommer 2019 die Ergebnisse auf dem Tisch haben.“ Worauf werden sich die Ergebnisse konkret beziehen? Laufen Auswertungen? Studien?

In der Konzertierten Aktion Pflege, der KAP, arbeiten die Bundesminister für Gesundheit, Arbeit und Familie mit allen relevanten Akteuren in der Pflege zusammen, also den Pflegeberufs- und Ausbildungsverbänden, den Verbänden der Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern, den Kirchen, den Pflege- und Krankenkassen, der Berufsgenossenschaft und der Bundesagentur für Arbeit sowie den Vertretern der Betroffenen.

Das Ziel ist die Vereinbarung möglichst vieler konkreter Maßnahmen. Für den Bereich der Ausbildung und Weiterbildung gibt es schon Vereinbarungen. Über andere Themen wie etwa Personalmanagement, Arbeitsschutz, Gesundheitsförderung, Pflegekräfte aus dem Ausland oder zu den Entlohnungsbedingungen werden in einigen Wochen Vereinbarungen vorliegen. Die Beratungen in den Arbeitsgruppen möchte ich nicht vorwegnehmen. Klar ist, dass die Arbeit nach Abschluss der KAP weitergehen wird, wenn nämlich die Vereinbarungen umgesetzt werden sollen.

Die „Stille Reserve“ ist in Rheinland-Pfalz immer wieder Thema. Was würde Ihrer Meinung nach am meisten helfen, diese zu mobilisieren? Und: Gibt es Schätzungen, wie groß diese überhaupt ist?

Uns geht es darum, den Pflegeberuf wieder attraktiver zu machen. Wir wollen die erreichen, die jetzt Teilzeit arbeiten, weil sie den Zeit- und Arbeitsdruck, der vor allem aus Personalmangel entsteht, in einer vollen Stelle auf Dauer nicht aushalten. Oder die Pflege ganz verlassen haben. Einiges ist schon geschehen: Seit dem 1. Januar können Krankenhäuser und Pflegeheime bereits neues Personal anstellen und Stellen aufstocken, was ihnen von der Krankenkasse komplett finanziert wird. Wir unterstützen Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen dabei, familienfreundlicher zu werden und ihren Mitarbeitern gute Angebote zur Gesundheitsförderung zu machen.

Wenn die Arbeitsbedingungen besser werden, weil wieder mehr Kolleginnen und Kollegen in einer Schicht arbeiten, wird der Pflegeberuf wieder attraktiver. Aussteiger werden hoffentlich zurückkehren und Teilzeitbeschäftigte wieder in einer Vollzeitstelle arbeiten wollen.

Sie planen in der Konzertierten Aktion auch, mehr Pflegehelfer zu Pflegefachkräften weiterzubilden – durch den Anreiz, das Pflegehelfer-Gehalt während der Ausbildung weiter zu beziehen. Wie viele haben bisher diese Ausbildung gemacht, mit wie vielen rechnen sie künftig?

Die Verbände der Pflegeeinrichtungen haben in der Konzertierten Aktion Pflege zugesagt, mindestens 5.000 Weiterbildungsplätze zur Nachqualifizierung vom Pflegehelfer zur Pflegefachkraft bereit zu stellen. Die Bundesagentur für Arbeit fördert diese Weiterbildungen. Es ist sogar möglich, dass diese Stellen von den Krankenkassen finanziert werden; diesen Weg haben wir mit dem Pflegestellen-Stärkungsgesetz geschaffen. Darüber hinaus können Pflegeeinrichtungen auch weiteren Pflegehelfern die Nachqualifizierung zur Fachkraft ermöglichen.

Wird die Weiterqualifizierung für Pflegehelfer ab 2020 im Rahmen der generalistischen Ausbildung stattfinden?

Die Ausbildung für Pflegehelfer bleibt Sache der Bundesländer. Die Reform der Pflegeausbildung sorgt allerdings für mehr Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Qualifikationsstufen.Wer künftig als Pflegehelferin oder Pflegehelfer eine Ausbildung zur Pflegefachkraft machen will, kann beantragen, dass die Helferausbildung auf die Fachkraftausbildung angerechnet wird. Dadurch verkürzt sich die Fachkraftausbildung um ein Drittel, für eine Vollzeitkraft also von drei auf zwei Jahre. Für Pflegehelfer wird es damit attraktiver, sich weiter zu qualifizieren.

WER IST THOMAS GEBHART?

Bereits seit 2009 sitzt der 47-jährige CDU-Politiker Im Bundestag – als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Südpfalz. Zuletzt, 2017, erzielte er dort ein Ergebnis von 40,3 Prozent. Gebhart hat Betriebswirtschaftslehre und Politikwissenschaft in Mannheim studiert und dort auch promoviert. Er arbeitete Ende der 90er Jahre als Assistent von Heiner Geißler und von 2002 bis 2003 bei BASF. Von 2003 bis 2009 war er Mitglied im Landtag von Rheinland-Pfalz.

Interview: Kirsten Gaede

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