Foto: Clemens Hess

Kommentar von Markus Mai

Wir brauchen weitere Pflegekammern!

Pflegefachpersonen in NRW haben ein deutliches Signal gesetzt. Doch damit dürfen die Forderungen an die Politik nicht aufhören.

Das Ergebnis aus Nordrhein-Westfalen (NRW) zeigt vor allem eins: Die Mehrheit der befragten professionell Pflegenden will eine Pflegekammer. Im bevölkerungsreichsten Bundesland sind also nach Ansicht der Pflegefachpersonen Verbesserungen in der Pflege nur mit einer gut organisierten Selbstverwaltung zu erreichen. Anderen Optionen, wie etwa der Errichtung eines Pflegerings, hat man eine klare Absage erteilt. Mit dem Signal aus NRW ist der Pflege damit ein guter Start ins neue Jahr gelungen.

Wegbereiter waren dabei die vielen Kolleginnen und Kollegen des Landespflegerates, des Fördervereines und der Berufsverbände, die mit hohem Einsatz viele Informationsveranstaltungen im Land durchführten.

Die Landesregierung ist am Zug

Auch dem Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann gilt ein besonderer Dank, da er sich erfolgreich gegen den Widerstand einiger politischer Lager durchgesetzt und die Kammerbewegung gestärkt hat. Jetzt liegt es an der Landesregierung, einen Gesetzesentwurf zur Errichtung einer Pflegekammer so schnell wie möglich einzureichen.

Doch wie geht es nun weiter? Auch aus Bundesländern wie Baden-Württemberg und Brandenburg kommen positive Signale. Dagegen sind die Entwicklungen in Hessen sehr zu bedauern, dort liegt man in mehrfacher Hinsicht einfach nur „genial daneben“. Durch eine wenig professionell umgesetzte Umfrage wurde so ein negatives Ergebnis erzielt, die Informationen im Vorfeld waren absolut nicht ausreichend, um die Befragten aufzuklären. Hier ist die Politik in Hessen aufgefordert, eine erneute Befragung mit wesentlich besseren Rahmenbedingungen durchzuführen.

Gründet mehr Pflegekammern!

Die Einführung des 2018 beschlossenen Pflegepersonalstärkungsgesetzes lässt uns ebenfalls optimistisch auf das Jahr 2019 blicken. Der Politik muss jedoch klar sein, dass 13.000 neue Stellen in der Altenpflege und Personaluntergrenzen nicht ausreichen. Genau deshalb brauchen wir weitere Pflegekammern, die die Interessen der professionell Pflegenden immer wieder deutlich formulieren! Die letzten Jahrzehnte haben uns gezeigt, dass ohne eine Selbstverwaltung in der Pflege keine Verbesserungen zu erwarten sind.

Die Befragung in NRW brachte eine weitere wichtige Tatsache ans Licht: Die beruflich Pflegenden sind davon überzeugt, dass nur eine Pflegekammer die Berufsgruppe richtig vertreten kann. Einen Pflegering nach bayerischem Modell, der größtenteils durch Arbeitgeberinteressen gesteuert wird, betrachten nur sieben Prozent als hilfreich.

Für das Jahr 2019 erhoffen wir uns somit, dass der Funke auf andere Bundesländer überspringt und weitere Pflegekammern folgen. Gemeinsam mit den Berufsverbänden und Gewerkschaften können wir so erreichen, dass die Politik die Belange der beruflich Pflegenden ernst nimmt und unsere Forderungen in die Praxis umsetzt. Der Weg ist das Ziel!

Autor: Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

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