Foto: PR

Straftaten in Pflege-Settings

Wie Helfer zu Tätern werden

Karl Beine verrät beim Pflegetag Rheinland-Pfalz, wie sich Kollegen verhalten, die Straftaten begehen.

Drei Altenpfleger im pfälzischen Lambrecht sollen Heimbewohner misshandelt und umgebracht haben. Ihr Motiv: Machtgier und Langeweile. Aktuell läuft der Mordprozess gegen die Angeklagten am Landgericht Frankenthal. Es wäre nicht das erste Mal, dass Helfer zu Tätern wurden. Wieso kommt es immer wieder zu Tötungsserien in Pflegeheimen und Kliniken? Welche Umstände begünstigen sie? Und warum werden Hinweise oft ignoriert? Diese Forschungsfragen bewegen Karl Beine, Chefarzt und Professor für Psychiatrie und Psychotherapie, seit der ihm bekannte Pfleger Wolfgang H. im Jahr 1990 in der Westfälischen Klinik Gütersloh zehn Patienten umbrachte. In seinem Vortrag beim Rheinland-Pfälzischen Pflegetag beleuchtet der Forscher die Persönlichkeitsprofile späterer Täter und deckt Zusammenhänge zwischen strukturell erzwungener Überforderung, einem kaschierenden Umgang mit Frühwarnzeichen und hohen Opferzahlen sowie langen Tatzeiträumen auf.

Mögliche Frühwarnzeichen bei Tötungsserien in Krankenhäusern oder Pflegeheimen identifizieren

Tipps von Karl Beine, Chefarzt und Professor für Psychiatrie und Psychotherapie

  • Verrohung der Sprache: Wenn etwa von "abkratzen", "abkacken" und den "Alten" die Rede ist

  • Verbale und körperliche Gewalt gegenüber Pflegebedürftigen: Ungeduld, Anschnauzen, auf die Finger hauen

  • Auffällige Prognosen: Aussagen wie "heute Nachmittag stirbt sie"

  • Persönlichkeitsveränderungen: Rückzug, innere Starre, Isolationstendenzen

  • Änderungen im Dokumentationsstil: Rechtfertigungen, Verteidigungen

  • Spitznamen: Wenn ein Mitarbeiter von den Kollegen "Todesengel" oder "Vollstrecker" genannt wird

Weitere Informationen rund um den Pflegetag Rheinland-Pfalz gibt es hier.

Autorin: Kati Borngräber

Mehr über Veranstaltungen rund um das Thema Gewalt in der Pflege lesen Sie hier im interaktiven Kammermagazin zum Blättern – viel Spaß bei der Lektüre!

Das könnte Sie auch interessieren...

Bundesverdienstkreuz

Edith – die Beharrliche

Edith Kellnhauser war Gründungsdekanin des Fachbereichs Pflege an der Kath. Fachhochschule Mainz und hat Deutschlands erster Pflegekammer den Weg bereitet. Jetzt hat sie das Bundesverdienstkreuz erhalten.

Fachtag Gewaltprävention

Der Gewalt vorbeugen

Über Gewalt in der Pflege spricht niemand gern. Ein Fachtag in Mainz am 9. November will helfen, durch gelungene Praxisbeispiele die Sprachlosigkeit zu überwinden.

Pflegekammer thematisiert Gewalt

Kleiner Hieb, große Wirkung

Gewalterlebnisse müssen nicht schweigend ertragen werden. Interview mit Hans-Josef Börsch, Vorstandsmitglied der Pflegekammer RL-P.

Kolumne

"Auf Augenhöhe kommunizieren ..."

Unser Kolumnist Matthias Prehm verwandelt sich diesmal in Hildegard Peplau, "Mutter der Psychiatrischen Pflege" und der "Theorie der interpersonalen Beziehung in der Pflege". Was würde diese heute wohl zur Situation in der Pflege sagen?