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Danny Petzoldt ist Intensivpfleger und Transplantationsbeauftragter an der Uniklinik Leipzig. Er und DSO-Koordinator Stefan Klinck haben
uns in langen Gesprächen viel Information für diesen Artikel geliefert.
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Danny Petzoldt ist Intensivpfleger und Transplantationsbeauftragter an der Uniklinik Leipzig. Er und DSO-Koordinator Stefan Klinck habenuns in langen Gesprächen viel Information für diesen Artikel geliefert.

Schwerpunkt

Wie gelingt ein empathischer Umgang mit den Angehörigen?

Eine Organspende ist eine extreme Stresssituation. Damit die trauernden Angehörigen dabei nicht aus dem Blickfeld geraten, hat die Deutsche Stiftung Organtransplantation Vorkehrungen getroffen.

Angehörige eines Organspenders trauern bereits, sie können kaum einen klaren Gedanken fassen. Und in einer solchen Situation müssen sie vielleicht noch über eine Organspende entscheiden. Aber selbst, wenn der Verstorbene zu Lebzeiten eine Entscheidung gefällt hat – sie befinden sich in absolutem Ausnahmezustand. Deshalb wird in jedem Fall ein Angehörigengespräch mit einem Arzt stattfinden, zu dem auf Wunsch ein Koordinator der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) hinzukommt.

Der DSO-Koordinator als Experte kann Fragen detailliert beantworten und die Angehörigen auch nach dem Gespräch ohne Zeitdruck begleiten. Dass die DSO diese Aufgabe übernehmen kann, ist seit 2019 sogar gesetzlich verankert.

Während DSO-Koordinatoren und auch Transplantationsbeauftragte den Umgang mit den Angehörigen bereits kennen, erlebt die Pflegefachperson, die in die Spende involviert ist, diese Ausnahmesituation vielleicht zum ersten Mal. Sie ist selbst psychisch stark gefordert und muss dazu die trauernden Angehörigen begleiten. Wie kann das gelingen? Empathie zeigen, behutsam sein, sicherlich – aber was bedeutet das genau? Dazu ein paar Beispiele:

  • „Wenn die Angehörigen im Gespräch mit dem Arzt vom Hirntod ihres Familienmitglieds erfahren haben, begleite ich sie in jedem Fall mit ans Bett“, sagt Danny Petzoldt, Transplantationsbeauftragter an der Uniklinik Leipzig. „Viele äußern dann ihr Erstaunen darüber, dass der Verstorbene noch warm ist und noch atmet. Dann erkläre ich Ihnen, woran das liegt, zeige ihnen das Beatmungsgerät, sage, dass wir den Kreislauf durch Medikamente unterstützen und, dass das Herz unabhängig vom Gehirn funktioniert. Ich lasse ihnen Zeit, das zu verstehen und wieder Fragen zu stellen.“
  • Für manche Angehörige können individuelle Abschiedsrituale hilfreich sein, sagt Danny Petzoldt, etwa: dem Verstorbenen eine Haarsträhne abschneiden oder einen Fingerabdruck nehmen.
  • „Man muss sehr genau auf seine Wortwahl achten: Nie darf man etwas sagen, was die Hoffnung wecken könnte, der Verstorbene sei doch noch am Leben“, sagt DSO-Koordinator Stefan Klinck.
  • Und nicht zuletzt: Wenn die Entscheidung des Verstorbenen noch nicht bekannt und die Angehörigen noch keine Entscheidung getroffen haben: niemals drängen! Darauf weist die DSO vor allem in Bezug auf das Angehörigengespräch hin: Es soll immer ergebnisoffen geführt werden.

DSO ist Angehörigenbetreuung wichtig

Die DSO bietet den Mitarbeitern in den Entnahmekrankenhäusern Fortbildungen zur Entscheidungsbegleitung für Angehörige (EfA) an. Sofern die Angehörigen damit einverstanden sind, erhalten sie von der DSO einen Brief darüber, wie es den Empfängern (anonym) der gespendeten Organe geht. Zudem lädt die DSO zu regionalen Angehörigentreffen ein. Auch eine bundesweite Veranstaltung zur öffentlichen Würdigung hat 2019 erstmals stattgefunden (im Park des Dankens, des Erinnerns und des Hoffens in Halle).

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