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Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz.
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Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz.

Kommentar

Wertschätzung sieht anders aus!

Die berufliche Pflege ist weiter am Limit. Zu wenig Personal, zu hohe Arbeitsbelastung, zu geringe Bezahlung. An der Situation der Pflegefachpersonen hat sich in den vergangenen Jahren kaum etwas verbessert, egal ob in Einrichtungen, Kliniken oder im ambulanten Dienst.

Die Pandemie hat diese Situation nicht hervorgerufen. Vielmehr wurden die bereits bestehenden Baustellen vergrößert. Das Thema Vergütung wollte die alte Bundesregierung schnell vom Tisch haben: Der Einsatz der größten Berufsgruppe im Gesundheitswesen sollte mit der einmaligen Auszahlung von Corona-Prämien honoriert werden. Nun wird bei der zweiten Auszahlung darüber diskutiert, welchen Pflegefachpersonen dieser Bonus zusteht und welchen nicht. Wertschätzung sieht anders aus!

Es fehlt eine Strategie zur Verbesserung in der beruflichen Pflege

Die Ampelkoalition steht gleich zu Beginn ihrer ersten Legislaturperiode vor großen Herausforderungen. Im Regierungsprogramm von SPD, Grünen und FDP fehlt jedoch eine konkrete Strategie zur Verbesserung in der beruflichen Pflege. Zu finden sind lediglich einzelne Bausteine. Wie möchte man den Pflegeberuf für junge Berufseinsteiger attraktiver gestalten? Sollen nun jedes Jahr Diskussionen über die Ausschüttung von Prämien geführt werden oder setzt man sich als Tarifpartner endlich für eine längerfristige und gerechtere und komplett refinanzierte Vergütungsstruktur ein? Wie soll der Personalbedarf in Heimen und Einrichtungen künftig ermittelt werden? Mit all diesen Fragen muss sich die neue Bundesregierung schleunigst befassen. Ansonsten ist zu befürchten, dass sich immer mehr Menschen gegen den Pflegeberuf entscheiden. Dies wäre für die pflegerisch Versorgung fatal – ganz gleich ob eine Pandemie vorherrscht oder nicht.

Etablierung eines Steuerfreibetrages

Dabei liegen viele Lösungen auf der Hand: Beim Thema Vergütung ist ein Mindesteinstiegsgehalt von 4.000 Euro für vollzeitbeschäftigte Pflegefachpersonen durchzusetzen. Dies fordert die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz bereits seit mehreren Jahren. Übergangsweise kann die Politik hier durch Etablierung eines Steuerfreibetrages in Höhe von mindestens 12.000 Euro im Jahr für Pflegefachpersonen unterstützen. Der Personalnotstand lässt sich längerfristig nur in den Griff bekommen, wenn es gelingt, die Belastung im Feld der Pflege deutlich zu senken. Wenn wir nicht noch mehr Kolleginnen und Kollegen verlieren wollen, müssen wir uns die Frage stellen, was mit dem vorhandenen Personal überhaupt noch verantwortlich möglich ist. Dazu müssen Strukturfragen im Gesundheits- und Pflegesystem nachhaltig angegangen werden. Das beinhaltet auch die Frage der Aufwertung des Pflegeberufs, beispielsweise durch die Übernahme von sogenannten ärztlichen Aufgabenkomplexen.

Anschluss in der Digitalisierung finden

Das deutsche Pflegewesen muss zudem den Anschluss in der Digitalisierung finden. Sonst beschäftigen sich Pflegefachpersonen auch in Zukunft viel zu sehr mit Bürokratie und nicht mit dem, wofür sie eigentlich ausgebildet wurden. Weiterhin ist es dringend notwendig, unsere Berufsgruppe in allepflegerelevanten Debatten miteinzubeziehen. Ein Platz am runden Tisch in Berlin muss eine Selbstverständlichkeit werden! Die erste Ampelregierung auf Bundesebene hat beim Thema berufliche Pflege einiges vor sich. Gerne stehen wir ihr als zuverlässiger Partner zur Seite, um unsere Berufsgruppe in allen Belangen dauerhaft zu stärken.

Dr. Markus Mai Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

Lesen Sie mehr über die Arbeit der Landespflegekammer in der Ausgabe #27 des Magazins PFLEGEKAMMER der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz:

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