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Was machen wir nur Silvester?

Sicherlich, Lärm und viel Juchhe sind nichts für Bewohner und Menschen mit Pflegebedarf. Doch sang- und klanglos verstreichen soll der Abend nun auch nicht. 5 Tipps, wie Pflegende in Heim und Krankenhaus für festliche Stimmung sorgen können.

„Silvester findet bei uns keine große Party statt“, sagt Sylvia Heinze, Pflegedienstleiterin des Stifts St. Irminen in Trier, „doch die Wohnbereiche sind natürlich dekoriert, und am frühen Abend bieten wir eine kleine Feier für interessierte Bewohner an. Dann stoßen wir mit Sekt an, dazu gibt es Knabbereien und Musik.“ Um dem Jahreswechsel in Heim und Krankenhaus eine besondere Note zu geben, braucht es kein großes Getöse. Was überhaupt möglich ist, hängt von der Verfassung der Pflegebedürftigen ab – aber auch von der Einstellung der Pflegefachpersonen. Im Idealfall arbeiten daher am Silvesterabend diejenigen, die wirklich Lust und Laune haben, ihre Bewohner oder Menschen mit Pflegebedarf besonders zu verwöhnen. Wir haben Ideen gesammelt, um auf Station und im Wohnbereich für Silvesterstimmung zu sorgen.

Silvesterglanz für die Station

Mit wenigen Handgriffen, mit Luftballons und Luftschlangen, Girlanden oder Lichterketten lassen sich Gemeinschaftsräume und der Bereich um das Stationszimmer herum ganz einfach schmücken. Gerade diejenigen im Team, die ohnehin ein Talent und Leidenschaft fürs Dekorieren haben, übernehmen diese Aufgabe meistens gern und schaffen es mit einfachen Kniffen, Patienten, Bewohnern und Kollegen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Im Pflegeheim können Bewohner auch gut in die Vorbereitungen eingebunden werden, indem sie gemeinsam ihren eigenen Silvesterschmuck basteln.

Ein Silvester- oder Neujahrsmenü planen

Ein festliches Mahl mit Vorspeise, Hauptgericht und Dessert hilft, Bewohner oder Menschen mit Pflegebedarf der Heim- oder Krankenhausroutine zu entheben. Die Pflegeheim-Küche kann beispielsweise ein Menü anbieten, das sich an den kulinarischen Vorlieben, traditionellen Silvestergerichten oder regionalen Spezialitäten orientiert. Aber auch in der Klinik helfen „spezielle Essensangebote, kleine Snacks und Aufmerksamkeiten wie Glücksschornsteinfeger oder Glücksschweine aus Schokolade“, die Patienten aufzumuntern, sagt Simone Gebauer, stellvertretende Pflegedirektorin im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier.

Gemeinsame Aktivitäten und Gespräche anbieten

Ein Quiz mit Fragen über Silvestertraditionen, ein Spieleabend, das Vorlesen von Silvestergedichten und -geschichten bringt Bewohner zusammen – bei einer gemeinsamen Feier können sie ihre Erinnerungen an frühere Feste austauschen, aber auch auf Schönes im ausklingenden Jahr zurückblicken. Dankbarkeit und Wünsche oder Hoffnungen für das kommende Jahr mit den Pflegenden zu teilen, stärkt das Zugehörigkeitsgefühl und trägt dazu bei, positiv in die Zukunft zu schauen.

Vielerorts sind zudem ehrenamtliche Helfer bereit, denjenigen Trost zu spenden, die Silvester keinen Besuch von Angehörigen bekommen. Pflegefachpersonen können bei ihren Patienten erfragen, ob sie sich über die Gesellschaft von Freiwilligen wie den „Grünen Damen“ freuen würden, und auf Wunsch solche Besuche auf Station organisieren. Vielleicht möchten Menschen mit Pflegebedarf auch um Mitternacht mit Freunden oder Familie ein Videotelefonat führen, brauchen dazu aber die Unterstützung der Pflegenden.

Neujahrstraditionen pflegen

In Pflegeeinrichtungen passt es manchmal auch besser, Neujahr statt Silvester zu feiern. „Heute ziehen ja eher die Menschen ins Heim, bei denen der Pflegebedarf sehr hoch ist. Wir haben daher vor einigen Jahren unsere abendlichen Silvesterfeiern aufgegeben und stattdessen eine Neujahrstradition etabliert. Am 1. Januar gibt es bei uns für jeden Bewohner vor dem Mittagessen ein Glas Sekt, mit oder ohne Alkohol. Dazu sind natürlich auch die Mitarbeitenden eingeladen. Die Pflegedienst- oder Heimleitung geht über alle Wohnbereiche, stößt mit den Bewohnern an und wünscht jedem persönlich ein gutes neues Jahr“, sagt Constanze Peil, Einrichtungsleiterin des Caritas-Altenzentrums Albertus- Stift in Gau-Algesheim.

Auch im Mutter-Rosa-Altenzentrum in Trier gestaltet sich Silvester eher ruhig. „Für unsere alten Menschen spielt dieser Tag keine wichtige Rolle mehr. Aus gesundheitlichen Gründen, demenz- oder mobilitätsbedingt, ist es ihnen kaum möglich, bis Mitternacht wach zu bleiben. Sie genießen besonders die besinnliche Adventszeit mit unseren Adventsfeiern sowie die Konzerte, die Messen und die große Bewohnerfeier in den Weihnachtstagen“, erklärt Pflegedienstleiterin Silke Becker. Um das vergangene Jahr zu verabschieden, werde aber auch in der Neujahrswoche mit allen Bewohnern im Foyer der Einrichtung gefeiert und auf das neue Jahr angestoßen.

Musiker einladen

Lokale Musiker oder Gruppen, die live auftreten, sind sowohl in Kliniken als auch in Heimen ein Highlight. Für die Menschen mit Pflegebedarf könnten beispielsweise Chöre auf den Stationen oder im Foyer singen, so Simone Gebauer. Auch Constanze Peil hat gute Erfahrungen mit solchen Auftritten gemacht. Im Albertus-Stift gab es bereits verschiedene Neujahrskonzerte: „Diese Konzerte sind aber nicht an den 1. Januar geknüpft, sondern finden etwas später im Monat statt. In den vergangenen Jahren haben wir entweder einen Geiger gebucht oder Chöre aus dem Ort eingeladen, die ehrenamtlich zu uns gekommen sind“, sagt Peil.

Ob nun aber Weihnachten, Silvester oder ein anderes Fest: Alles, was dazu dient, an solchen Tagen ein paar Minuten Zeit für den individuellen, persönlichen Kontakt mit einem Menschen mit Pflegebedarf oder Bewohner zu gewinnen, sollte Priorität haben. Es gehe auch darum, wo immer möglich, Geschwindigkeit rauszunehmen und so eine besinnliche Stimmung zu schaffen, weiß Pflegepädagogin Gabriele Schweller. Denn wenn Pflegende sich Zeit für ein echtes Gespräch nehmen können, muss niemand in Traurigkeit versinken – und an emotional aufgeladenen Tagen wie Silvester oder Neujahr hat jedes Wort umso mehr Gewicht.

Kontakt zu den „Grünen Damen“

Manche Ihrer Bewohner oder Patienten wirken Weihnachten und Silvester einsam? Das macht Ihnen immer wieder Kopfzerbrechen? Vielleicht ist das eine gute Gelegenheit, Kontakt zu den „Grünen Damen und Herren“ aufzunehmen (oder zunächst anzuregen), sofern dieser Freiwilligendienst in Ihrer Einrichtung noch nicht etabliert ist. Ausführliche Info und Kontakte finden Sie auf der Website der Evangelische Kranken- und Alten-Hilfe – Grüne Damen und Herren (www.ekh-deutschland.de).

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