Foto: Anne Orthen

Mutter-Rosa-Altenzentrum

Was heißt das: Sexuelle Bedürfnisse respektieren?

Pflegedienstleitung Birgit Hansen (Mutter-Rosa-Altenzentrum) im Interview

Der Ethik-Kodex des Mutter-Rosa-Altenzentrums umfasst einen Passus zum Thema Sexualität. Darin heißt es, dass die Mitarbeiter die sexuellen Bedürfnisse der Bewohner als selbstverständliche Grundbedürfnisse akzeptieren. Und dass sie die Bewohner beim Leben ihrer Sexualität unterstützen – etwa durch Beratung, beim Beschaffen von Hilfsmitteln und durch Sensibilität in intimen Situationen. Wir möchten erfahren, wie es gelingt, diese hohen Ansprüche in die Praxis umzusetzen.

Frau Hansen, wie sieht das Unterstützen der Bewohner beim Leben ihrer Sexualität konkret aus?

Es gibt Bewohner, die sich schwer verletzt haben, weil sie Zahnbürsten, Lockenwickler und Katheterschläuche zur Selbstbefriedigung benutzt hatten. Um das zu vermeiden, versuchen wir, ihren Bedürfnissen Raum zu geben. Wenn Mitarbeiter Verhaltensweisen mit Verletzungspotenzial bemerken, informieren sie mich. Wir besprechen das, beziehen die Angehörigen ein und beraten, empfehlen zum Beispiel geeignete Hilfsmittel wie Vibratoren oder eine künstliche Vagina. Wir schauen individuell nach Lösungen.

Wie kam dieser Passus in den Leitlinien zustande?

Bei einem Workshop zum Thema Gewalt wurde deutlich, dass sexualisierte Gewalt ein Problem darstellt und Sexualität in der Pflege gesondert besprochen werden sollte. Der Text ist das Ergebnis des daraufhin organisierten Fortbildungstags für alle Mitarbeiter.

In stationären Einrichtungen ist es für Bewohner schwierig, für sich zu sein. Ständig kommt jemand herein. Wie ermöglichen Sie Privatsphäre für das Leben von Sexualität?

Wenn unsere Mitarbeiter in eine intime Situation hineinplatzen, sagen sie: „Entschuldigung, lassen Sie sich nicht stören. Ich komme später noch einmal.“ So wird klar signalisiert, dass es sich um eine selbstverständliche Situation handelt und nicht um ein schambehaftetes Problem. Oder wir vereinbaren störungsfreie Zeiten.

Wie gehen Sie mit Schamgefühlen bei den Pflegekräften um? Wie ist das etwa für junge Schülerinnen, wenn sie beim Waschen eines Mannes die Vorhaut zurückziehen müssen?

Man sollte bedenken, dass dabei Berührungen passieren, die nicht beherrschbare Reaktionen hervorrufen können, zumal bei Demenzkranken. Die Not ist groß, für die Pflegekräfte und für die Bewohner. Berufsanfänger werden behutsam herangeführt. Unsere Mitarbeiter wissen, dass sie mit allem zu mir kommen können. Das funktioniert auch.

Das vollständige Interview lesen Sie in der digitalen Ausgabe des Kammermagazins.

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