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Foto: Illustrationen: Maren Schlenker

NEUE GESETZLICHE REGELUNGEN

Was ändert sich 2024 in der Pflege?

Mehr Leistungen und Rechte für Menschen mit Pflegebedarf und Angehörige, leichtere Anerkennungsverfahren für ausländische Pflegende, höherer Mindestlohn und Vergütung für das grundständige Pflegestudium – hier kommen die Details …

Pflegebedürftige und Angehörige

Die viel diskutierte Reform der Pflegeversicherung ist nun auf der Zielgeraden. Nachdem zum 1. Juli 2023 die Beiträge zur Pflegeversicherung angepasst wurden, geht es 2024 darum, die angekündigten Leistungsverbesserungen für Menschen mit Pflegebedarf und Angehörige umzusetzen. Das wird ab 2024 gelten:

Das Pflegegeld steigt zum 1. Januar 2024 um 5 Prozent und ist damit die erste Anpassung seit 2017. Eine weitere Erhöhung gibt es zum 1. Januar 2025 um 4,5 Prozent. Konkret erhöht sich 2024 das Pflegegeld bei

  • Pflegegrad 2von 316 Euro auf 332 Euro
  • Pflegegrad 3von 545 Euro auf 572 Euro
  • Pflegegrad 4von 728 Euro auf 764 Euro
  • Pflegegrad 5von 901 Euro auf 946 Euro.

Ebenfalls werden die Zuschläge für die Pflegekosten in stationärer Langzeitpflege für Heimbewohnerinnen und Heimbewohner zum 1. Januar 2024 angehoben. Dann gelten diese Sätze:

  • bis 12 Monate Aufenthalt:15 statt bisher 5 Prozent des Eigenanteils
  • ab 12 Monaten Aufenthalt:30 statt bisher 25 Prozent des Eigenanteils
  • ab 24 Monaten Aufenthalt:50 statt bisher 45 Prozent des Eigenanteils
  • ab 36 Monaten Aufenthalt:75 statt bisher 70 Prozent des Eigenanteils.

Auch die ambulanten Sachleistungsbeträge steigen zum Jahresbeginn um 5 Prozent. Und auch hier erhöhen sich die Beträge ab Januar 2025 um weitere 4,5 Prozent.

In Zukunft entfällt die sogenannte Vorpflegezeit von sechs Monaten. Bisher mussten Versicherte ab Pflegegrad 2 zuerst über einen Zeitraum von sechs Monaten gepflegt werden, bevor pflegende Angehörige finanziell entlastet wurden.

Das Pflegeunterstützungsgeld für berufstätige pflegende Angehörige kann nun nicht mehr nur einmal pro Pflegefall, sondern jedes Jahr aufs Neue für bis zu zehn Arbeitstage in Anspruch genommen werden.

Das Auskunftsrecht zu Pflegeleistungen wird erweitert. Für Pflegebedürftige gibt es ab 1. Januar 2024 mehr Möglichkeiten, Auskünfte über verbrauchte Leistungen und abgerechnete Kosten zu erhalten.

Sie können von der Pflegekasse Auskunft erwarten über:

  • die in einem Zeitraum von mindestens 18 Monaten in Anspruch genommenen Leistungen und deren Kosten
  • welche Leistungsbestandteile Pflegeanbieter wie ambulante Dienste erbringen.

Zum 1. Juli 2024 wird die Mitaufnahme von Menschen mit Pflegebedarf in stationären Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen auf Kosten der Pflegekasse erleichtert.

Um Familien mit pflegebedürftigen Kindern sofort zu unterstützen, wird der Anspruch auf den Gemeinsamen Jahresbetrag aus Verhinderungs- und Kurzzeitpflege für Menschen mit Pflegebedarf der Pflegegrade 4 und 5, die das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, zum 1. Januar 2024 eingeführt.

Pflegefachpersonen

Ab dem 1. Januar sind ambulante Pflegeeinrichtungen verpflichtet, sich an die Telematikinfrastruktur (TI) anzubinden. Das heißt für Pflegefachpersonen: Sie brauchen den elektronischen Heilberufsausweis (eHBA), um sich „eindeutig“ digital ausweisen zu können und somit Zugriff auf wichtige Gesundheitsdaten der Pflegebedürftigen zu bekommen. Kammermitglieder erhalten hierzu Informationen auf der Homepage der Pflegekammer. Arbeitgeber werden von ihren Arbeitgeberverbänden informiert oder können dies auf den Seiten des Gesundheitsberuferegisters in Münster erfahren.

Die Anerkennungsverfahren für ausländische Pflegefachkräfte werden nun vereinheitlicht und vereinfacht. Insbesondere werden der Umfang und die erforderliche Form der geforderten Unterlagen bundesrechtlich geregelt. Geplant ist auch die Möglichkeit, auf eine umfassende Gleichwertigkeitsprüfung – zugunsten einer Kenntnisprüfung oder eines Anpassungslehrgangs – zu verzichten.

Und auch das: Neben den bisherigen Berufsbezeichnungen „Pflegefachfrau“ und „Pflegefachmann“ kann zukünftig die geschlechtsneutrale Berufsbezeichnung „Pflegefachperson“ gewählt werden.

Anerkennungsverfahren und Berufsbezeichnung sind Teil des Pflegestudiumstärkungsgesetzes. Über das Herzstück des Gesetzes, der Reform des Studiums, berichten wir hier gesondert.

Außerdem wird der Pflegemindestlohn im Laufe des Jahres angehoben. Nach Empfehlung der Pflegekommission soll er in zwei Schritten steigen – zum 1. Mai 2024 und zum 1. Juli 2025. Dann gilt für Pflegehilfskräfte ein Stundenlohn von 16,10 Euro, für qualifizierte Pflegehilfskräfte von 17,35 Euro und für Pflegefachpersonen von 20,50 Euro. Für Beschäftigte in der Altenpflege empfiehlt die Pflegekommission überdies einen Anspruch auf zusätzlichen bezahlten Urlaub über den gesetzlichen Urlaubsanspruch (20 Tage bei einer 5-Tage-Woche) hinaus: Das bedeutet neun Tage mehr pro Jahr.

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