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Tamara Schlitter: Ihre Tochter starb mit 21 Jahren und hat ihre Organe gespendet.
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Tamara Schlitter: Ihre Tochter starb mit 21 Jahren und hat ihre Organe gespendet.

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Warum sich eine Mutter für Organspende engagiert

Es gibt so viele Details, Zahlen, Fachbegriffe, Differenzierungen und Diskussionen zur Organtransplantation – wo beginnen?

Beginnen wir mit einer Frau, die die gesamte Tragik, die dem Thema innewohnt, selbst erlebt hat. Würde Tamara Schlitter sagen, sie wollte nie mehr über Organspende und Organtransplantation reden – man hielte augenblicklich den Mund. Doch ganz im Gegenteil, sie möchte, es ist ihr ein Anliegen: Sie engagiert sich für den Spenderausweis, für die Widerspruchslösung, hält Vorträge für die Deutsche Stiftung Organtransplantation – und kommt dabei immer wieder auf das größte Unglück in ihrem Leben zu sprechen. Ein Gesprächsprotokoll.

Ich bin als Pflegefachperson schon lange mit dem Thema Hirntod und Organspende vertraut. Seit 33 Jahren arbeite ich in einer neurologischen Fachklinik in Hessen mit Stroke Unit und zwei großen Beatmungsstationen. Meine Tochter Hanna hat dort erst als Schülerin, nachher als Studentin gejobbt. So kam es, dass sie sich früh über das Thema Gedanken gemacht und einen Organspendeausweis ausgefüllt hat. Vor sieben Jahren, am 30. November, hatte sie dann mit 21 Jahren einen schweren Verkehrsunfall und kam in die Uniklinik Gießen. Körperlich war sie unversehrt. Aber mir war schon klar, worauf es hinauslaufen würde.

Wie hätte ich in dem Augenblick eine Entscheidung zur Organspende treffen können? Ich war nicht in der Lage, klar zu denken, ich war traumatisiert, ich habe nicht geschlafen und nicht gegessen. Ich war doch gar nicht geschäftsfähig. Wie geht es da erst Eltern und anderen Angehörigen, die sich noch nie mit Organspende beschäftigt haben? Wie können sie in dieser Situation zu einer wohlüberlegten Entscheidung kommen?

Für mich steht seitdem fest: Jeder sollte einen Organspendeausweis ausfüllen – selbst wenn er oder sie die Spende ablehnt. Denn auch das kann man im Ausweis dokumentieren. Aber die Klarheit, die der Ausweis schafft, erleichtert Angehörigen die Entscheidung enorm. Ich habe auch gespürt, wie erleichtert die Ärzte waren, als sie sahen, dass der Ausweis vorlag und sie offen mit uns über die Organspende sprechen konnten.

Geholfen hat uns auch der tolle Umgang der Pflegenden und der Ärzte mit uns. Sie haben richtig auf uns aufgepasst, haben zum Beispiel immer geschaut, dass wir genug zu trinken hatten. Und wie sie mit Hanna umgegangen sind und den Abschied gestaltet haben – das alles war sehr beruhigend für uns.

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