Foto: Julia Bernhard

Intimpflege

Schutz vor Scham

Intimpflege ist für Pflegefachpersonen und die zu Pflegenden eine unangenehme Situation. Ein Weg, diese zu entschärfen, führt über professionelle Distanz.

Jede Pflegefachperson wird damit konfrontiert, in die Intimzone eines anderen Menschen einzudringen, wobei eigene Erfahrungen mit Nacktheit in der Familie oder das eigene Sexualleben die Hemmschwelle im individuellen Fall senken oder erhöhen können. Vor allem während der Intimpflege kann eine unangenehme Situation für alle Beteiligten entstehen. Pflegebedürftige schämen sich etwa, wenn sie eingenässt haben, mit Kot beschmiert sind, unangenehm riechen und sich so vor anderen zeigen müssen. Schamauslösende Vorgänge sind ferner Toilettengänge im Beisein anderer Personen, das Tragen von Urinkollektoren, die Benutzung von Kathetern oder die Anwendung von Einlagen. Für ältere Menschen bedeuten solche Vorgänge auch das Überschreiten sexueller Tabus – sich nackt zu zeigen, Manipulationen an den Genitalien zulassen zu müssen, ist für sie häufig eine Qual. Ferner haben sie Angst, beim Waschen sexuell erregt zu werden oder sich beim Katheterisieren vergewaltigt zu fühlen.

Was in Schamsituationen helfen kann

Das Schamgefühl der Pflegefachperson überträgt sich auf die zu pflegende Person.

Es ist die Art der Berührungen, des Anfassens, die die Scham spürbar machen, so Kirstin Klause, Lehrerin an der AWO Altenpflegeschule in Potsdam. Entweder fasst die Pflegefachperson die zu pflegende Person zu vorsichtig an oder sie erledigt die Arbeitsschritte hektisch hintereinander weg. Scham lässt sich nur mit einer professionellen Distanz unter Kontrolle bringen. Allein das Tragen der Handschuhe kann als symbolische Barriere dienen und für beide Seiten Schutz bieten. Die Reihenfolge der Arbeitsschritte beim Waschen kann helfen: Anstatt im Bett anzufangen (Füße, Beine, Intimbereich) kann im Bad mit dem Gesicht und dem Oberkörper anfangen werden. So kann man Vertrauen aufbauen und Sicherheit gewinnen.

Autorin: Oksana Baitinger

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