Foto: Westpfalz-Klinikum

Weiterbildungsordnung

Rheinland-Pfalz ist Intensiv-Pionier

Neu geregelt: die Weiterbildungen für Intensivpflege und Pflege in der Anästhesie sowie für Neonatologische und Pädiatrische Intensivpflege.

1968 startete in der Universitätsmedizin Mainz die erste Fachweiterbildung für Intensivpflege, damals noch unter dem Dach der Intensivmedizin. Es war die Geburtsstunde der Intensivpflege in Deutschland. 1974 folgte die Fachweiterbildung Pädiatrische Intensivpflege – ebenfalls die erste im gesamten Bundesgebiet.

Jetzt führt Rheinland-Pfalz diese Tradition fort und ist wieder Vorreiter: Anfang dieses Jahres sind die neuen Rahmenvorgaben zur Weiterbildungsordnung (WBO) in Kraft getreten, die nunmehr die Fachweiterbildungen für Intensivpflege und Pflege in der Anästhesie sowie für Neonatologische und Pädiatrische Intensivpflege regeln.

Nun können auch Gesundheits- und Krankenpfleger für die Weiterbildung für Neonatologische und Pädiatrische Intensivpflege zugelassen werden, sofern sie die Voraussetzungen erfüllen. Altenpfleger haben wiederum die Möglichkeit, die Weiterbildung für Intensivpflege und Pflege in der Anästhesie zu absolvieren, wenn sie die besonderen Zulassungsvoraussetzungen erfüllen. Beides war nach altem Recht nicht möglich.

Die Pflegekammer ist eine Mitmach-Kammer

Das Besondere an der neuen Regelung: Sie wurde von Pflegenden für Pflegende verfasst, genauer von einer von der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz berufenen Expertengruppe. Sechzehn Pflegefachpersonen aus Weiterbildungsstätten, der klinischen Praxis und einer Fachgesellschaft haben unter der Leitung der Mitglieder des Ausschusses für die Weiterbildung und Fortbildung, Martina Gießen-Scheidel und Rüdiger Bohn, die Rahmenvorgaben entwickelt. Esther Ehrenstein begleitete den Prozess seitens des Vorstands der Pflegekammer.

In dieser Besetzung konnte die Expertengruppe die Perspektiven der Akteure berücksichtigen, von denen die erfolgreiche Umsetzung abhängt. „Es war und ist uns wichtig, die Pflegefachpersonen in der direkten Patientenversorgung ebenso an der Weiterbildungsordnung zu beteiligen wie die Pflegepädagogen in den Weiterbildungsstätten, die sie letztlich umsetzen“, sagt Esther Ehrenstein.

Weiterbildung: Kompetenzen statt Fächer

Die Experten haben den beiden Weiterbildungen eine vollkommen neue Form gegeben. „Wir haben uns vom fächerorientierten Unterricht gelöst und kompetenzfördernde Module entwickelt“, sagt Rüdiger Bohn, Mitglied des Ausschusses für die Weiterbildung und Fortbildung, Kammervertreter und Leiter des Weiterbildungszentrums des Westpfalz-Klinikums. Die veränderte Haltung spiegelt sich auch in den Modulnamen wieder, die etwa lauten: „Komplexe Versorgungsprozesse in der Intensivpflege bewältigen“ oder „Patientensicherheit in der neonatologischen und pädiatrischen Intensivpflege gewährleisten“.

Ausgerichtet am Bedarf der Pflegepraxis

Bei der Ausarbeitung wählte die Expertengruppe zunächst ein induktives Vorgehen. „Wir haben uns zum Beispiel vor Augen geführt, was Pflegefachpersonen brauchen, um Patienten und Angehörige in kritischen Lebenssituationen psychosozial zu begleiten“, sagt Martina Gießen-Scheidel, Mitglied des Ausschusses für die Weiterbildung und Fortbildung, Kammervertreterin, Pflegewissenschaftlerin und -pädagogin in der Weiterbildung in den Gesundheitsfachberufen der Universitätsmedizin Mainz. Die auf diese Weise identifizierten Bedarfe bildeten die Basis für die Module „Intensivpatientinnen und deren Bezugspersonen in kritischen Lebensereignissen begleiten“ sowie „Neonatologische und pädiatrische Intensivpatientinnen und deren Bezugspersonen in kritischen Lebenssituationen begleiten“.

Anschließend haben die Experten die Module mit übergeordneten Regelwerken für Weiterbildungen verglichen, beispielsweise mit dem Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR), der nationale Weiterbildungen europaweit verständlich macht. „Dabei stellten wir fest, dass unsere Regelungen die Vorgaben des Qualifikationsrahmens erfüllen – eine Punktlandung“, so Gießen-Scheidel. Außerdem gaben die Berufsverbände konstruktive Stellungnahmen zu den Entwürfen ab, die ebenfalls in die Rahmenvorgaben einflossen.

Wie es jetzt weitergeht mit den Weiterbildungen in der Intensivpflege

Derzeit können Pflegefachpersonen in RLP die Fachweiterbildungen für Intensivpflege und pädiatrische Intensivpflege noch nach dem „Landesgesetz über die Weiterbildung in den Gesundheitsfachberufen“ (GFBWBG) und den entsprechenden Durchführungsverordnungen absolvieren. Nach der Übergangsregelung werden ab Januar 2020 im Land nur noch die neu geregelten Fachweiterbildungen nach der WBO gestartet.

Eine zugelassene Weiterbildungsstätte kann die Zulassung der Weiterbildung bei der Pflegekammer beantragen. Neben dem Nachweis von fachlichen, personellen und räumlichen Vorgaben entwickelt die Weiterbildungsstätte dazu ein Modulhandbuch, in dem sie die Rahmenvorgaben inhaltlich und didaktisch umsetzt. Übrigens: Weiterbildungen, die nach der alten Regelung absolviert wurden, behalten natürlich auch in Zukunft ihre Gültigkeit.

Autor: Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

Expertengruppe Intensivpflege

© Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

Weiterbildungsstätten Intensivpflege

© Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

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