Foto: DSK-Lernstation / Corinna Waltz

Nachwuchs

Preis für innovative Lernstation

Ausgezeichnetes Ausbildungskonzept aus Speyer: Pflegeschüler können ihr theoretisches Wissen auf einer besonderen Lernstation vertiefen.

Der Pflegenotstand macht auch vor dem Nachwuchs nicht halt. Oft werden Pflegeschüler als vollwertige Arbeitskräfte eingesetzt. Kein Wunder, dass so mancher noch während der Ausbildung das Handtuch wirft.

Einer, der das ändern will, ist Simon Jäger. Der stellvertretende Pflegedirektor des Diakonissen-Stiftungs-Krankenhauses Speyer hat zusammen mit seiner Kollegin Miriam Maier, ebenfalls stellvertretende Pflegedirektorin, und den Pflegerischen Schulen der Klinik ein wissenschaftlich fundiertes Konzept für Praxiseinsätze in der Pflegeausbildung entwickelt. Dafür hat er beim Pflegemanagement Award 2019 den dritten Preis in der Kategorie Nachwuchs-Pflegemanager erhalten. Die Auszeichnung wird verliehen vom Bundesverband Pflegemanagement in Zusammenarbeit mit Springer Pflege

Interdisziplinäre Lernstation

Die Idee: Auf der Lernstation des Krankenhauses können die Pflegeschüler praktisch umsetzen, was sie zuvor in der Theorie gelernt haben. Damit das gelingt, stimmen sich die Praxisanleiter auf Station eng mit den Pflegepädagogen in der Ausbildungsstätte ab. Eigentlich selbstverständlich – doch die Realität sieht häufig anders aus. „Vielerorts werden Auszubildende intuitiv und ohne zielgerichtete Lernmethoden angeleitet, wodurch sie zum Teil fehlerhafte Handlungen übernehmen“, so Jäger.

Weil die Auszubildenden möglichst viele Bereiche kennenlernen sollen, bot sich die Wahlleistungsstation als Lernstation an, die von der Gynäkologie über die Innere Medizin bis hin zur Chirurgie verschiedene Disziplinen abdeckt. In drei Ausbildungsjahren absolvieren die Pflegeschüler hier drei achtwöchige Praxiseinsätze – das ist mehr als ein Drittel der geforderten Pflichtstunden. Auf der Station ist eine Pflegepädagogin in Vollzeit beschäftigt, die als Schnittstelle zwischen der Schule und der klinischen Praxis wirkt.

Ein Schülerbüro auf Station

Gemeinsam mit einer Praxisanleiterin oder einer pädagogisch geschulten Pflegefachperson ist ein Schüler mit auf der Lernstation für sieben bis neun Patienten zuständig. „Ihre Lernziele und Lernaufgaben dürfen die Auszubildenden auch während der Arbeitszeit in einem Schülerbüro bearbeiten – und können ihr Wissen dann direkt in der Praxis anwenden“, sagt Jäger. Anschließend reflektieren die Auszubildenden ihre Lernerfahrungen gemeinsam mit den Klassenleitern und den Stationsmitarbeitern in wöchentlichen Schülerreflexionsrunden.

Fester Bestandteil des Praxiseinsatzes ist unter anderem auch ein OP-Tag. „Die Pflegeschüler bereiten den Patienten vor, sind während des Eingriffs im Operationssaal dabei und kümmern sich um die Nachsorge“, berichtet Jäger. Auf diese Weise lernen die Auszubildenden im Diakonissen-Stiftungs-Krankenhauses Speyer nicht nur, wie sie einzelne Pflegehandlungen korrekt vollführen, sondern erhalten auch ein ganzheitliches Verständnis von Pflege. „Gerade in Zeiten immer komplexerer Anforderungen ist das sehr wichtig“, ist Jäger überzeugt.

Für die Zukunft schwebt dem Nachwuchs-Pflegemanager ein Ausbildungskonzept vor, das noch weiter geht: „Mein großes Ziel ist, dass wir die Lernstation so ausbauen, dass der Transfer von theoretischem Wissen in die klinische Praxis auf jeder Station möglich ist.“

Autorin: Kati Borngräber

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