Foto: Julia Bernhard

Berufsorientierung

Pflegeschüler: Zweifel an der Berufswahl?

Auszubildende werden in der Pflege oft als vollwertige Arbeitskräfte eingesetzt – kein Wunder, dass manche an ihrer Berufswahl zweifeln.

Warum entscheiden wir uns für oder gegen einen Beruf? Eines ist klar: Die Wahl eines beruflichen Werdegangs fällt nicht ausschließlich aufgrund der persönlichen Neigung. Was ebenfalls eine Rolle spielt:

• die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt (also die Chance, eine

Stelle zu finden),

• Rahmenbedingungen in Unternehmen und Einrichtungen,

• persönliche Vorstellungen und Erwartungen.

Beim ersten Punkt – den Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt – ist klar: Pflegefachpersonen werden händeringend gesucht. Im Gegensatz zu vielen Studierenden an Hochschulen müssen sie sich keine Sorgen machen, arbeitslos zu werden.

Pflegeauszubildende unter Druck

Beim zweiten Punkt – den Bedingungen in Ausbildungsbetrieben – gilt es zu differenzieren. Erstens: Die Praxisphasen sind für die Auszubildenden die Lernphasen, die unter Anleitung stattfinden sollen. An dieser Stelle treten oft Probleme auf, denn die Auszubildenden werden als vollwertige Arbeitskräfte eingesetzt. Von ihnen werden Leistungen erwartet, die sie noch gar nicht erbringen können. Das setzt sie enorm unter Druck und bringt viele zur Verzweiflung. Auch die Qualität der Anleitung spielt dabei eine wichtige Rolle. Die Tatsache, dass die Praxisanleiter oft nicht greifbar sind, erschwert die Situation zusätzlich.

Zum Zweiten erzeugt das Schichtsystem einen enormen Druck, vor allem wenn die Rhythmen der Schichten beliebig wechseln. Ein privates Leben mit Freunden, Freizeit und Familie ist bei solchen Arbeitszeiten nur bedingt möglich.

Pflegefachpersonen sind allerdings nicht die einzige Berufsgruppe, die im Schichtsystem arbeitet: Busfahrer etwa, Zug- und Flugpersonal, Polizei und Feuerwehr sind auch betroffen. Wegen des Personalmangels in der Pflege verteilen einzelne Betriebe die Arbeit auf immer weniger Schultern. Dies erhöht die Belastung während der Arbeit und führt zu unregelmäßigen Rhythmen bei der Schichtplanung.

Pflegeausbildung: Alles andere als „Schwarzwaldklinik“

Beim dritten Punkt – den persönlichen Vorstellungen und Erwartungen von Pflegeschülerinnen und -schülern – ist es an den Auszubildenden zu überlegen, ob sie bei der Berufswahl davon geträumt haben, wie in der „Schwarzwaldklinik“ zu arbeiten oder wie in „Code Black“. Die Realität eines Betriebes ist fern von der idealen Welt der Fernsehserien. Da ist die Enttäuschung vorprogrammiert.

Ein Abbruch der Ausbildung hinterlässt seelische Spuren. Er ist mit Unsicherheiten, Zeitverlust und enormem Energieaufwand verbunden. Die Bedingungen in den Betrieben können und müssen sich langfristig ändern. Die Politik hat das Thema erkannt und Veränderungen angeschoben

Autorin: Oksana Baitinger

Einen weiteren Beitrag zur Berufsorientierung lesen Sie hier.

Das könnte Sie auch interessieren...

Schwerpunkt

Fachkräftemangel: Begehrte Pflegekompetenz

Wie der Fachkräftemangel den Arbeitsmarkt der Pflegebranche beflügelt und Bewerbern neue Möglichkeiten eröffnet.

Buch: Die Charité

Pflege in Zeiten der Cholera

Liebe, Politik und soziale Umbrüche - in ihrem Historienroman "Die Charité" nimmt Ulrike Schweikert ihre Leser mit auf Zeitreise.

Fördermöglichkeiten

Auf zu neuen Horizonten – mit finanziellem Rückenwind

Diese finanzielle Unterstützung bietet der Staat, wenn man in der Pflege arbeitet und sich weiterentwickeln möchte. Erfahren Sie alles zu den Fördermöglichkeiten.

Weiterbildung Rheinland-Pfalz

Hier kommen die neuen Praxisanleiter

Die Weiterbildung „Praxisanleiter in den Pflegeberufen“ ist in Rheinland-Pfalz neu geregelt. Jetzt hat der erste Kurs seine Urkunden erhalten.