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Deutscher Pflegepreis

Pflegende aus Trier und Speyer ausgezeichnet

Zwei rheinland-pfälzische Krankenhäuser haben den Deutschen Pflegepreis erhalten: das Krankenhaus der BBT und das Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer.

Dass die Innere Medizin III des Krankenhauses der BBT sich beworben hat, war eher Zufall: Eine Weiterbildungspraktikantin (PDL) hatte es vorgeschlagen. „Sie hatte die Ruhe, sich durch die Bewerbungsformalitäten zu arbeiten“, erzählt Christiane Schmitt, Pflegerische Gesamtleitung der Inneren Medizin III (Pneumologie, Rhythmologie und Kardiologie). Dass das neue Entlassmanagement der Abteilung ausgezeichnet wurde, war dann allerdings kaum Zufall. Elf Mitarbeiter haben sich intensiv mit dem Projekt beschäftigt. Die daraus resultierenden Änderungen sind täglich spürbar. Es gibt ein strukturiertes Aufnahmegespräch, das die ex­tra geschulten Pflegefachpersonen in einem separaten Raum mit den Patienten führen. „Es dauert 15 bis 20, aber manchmal auch bis zu 45 Minuten und zielt bereits auf die Punkte, die für den Patienten bei seiner Entlassung von Interesse sein könnten“, sagt Christiane Schmitt. Das Entlassgespräch selbst ist als Beratungsgespräch konzipiert, in dem sich die Pflegefachperson vom Patienten etwa noch einmal den richtigen Umgang mit dem Dosier-Aerosol demonstrieren lässt. Für dieses Gespräch gibt es einen eigens entwickelten Bogen, den der Patient am Ende unterschreibt. „Das allein hat einen enormen Effekt: Da überlegen viele Patienten noch einmal gründlich, ob jetzt wirklich alle Fragen für sie geklärt sind.“

Hauruckentlassungen vermeiden

Die intensive Patientenberatung wird flankiert von einem täglichen Austausch früh morgens zwischen Pflegefachpersonen und Ärzten, in dem es um anstehende Entlassungen geht und um alles, was dabei zu beachten ist. So ist gesichert, dass die Pflegefachpersonen im Entlassgespräch nichts vergessen. Und: Es werden Hauruckentlassungen vermieden, kein Patient rutscht mehr durch. Dies war schließlich Ausgangspunkt für das Projekt: die große Unzufriedenheit in der Pflege mit den sehr oft überstürzten Entlassungen, bei denen die Patienten völlig unvorbereitet nach Hause gingen.

Vernetzung mit dem nachstationären Bereich

Christiane Schmitt und ihre Mitarbeiter haben für ihr Projekt mit dem offiziellen Titel „Strukturierte Implementierung des Entlassmanagements mit vorhandenen Ressourcen“ den 1. Hartmann Pflegepreis (dotiert mit 3.000 Euro) erhalten. Der 2. Preis, dotiert mit 2.000 Euro, ist an das Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer für das Projekt „Aufbau einer Vernetzung mit dem nachstationären Bereich“ gegangen. Wie gefragt innovatives Entlassmanagement ist, zeigt sich auch daran, dass Christiane Schmitt seit der Preisverleihung viele Anfragen von anderen Krankenhäusern und zwei Einladungen zu großen Kongressen erhalten hat.

Autorin: Kirsten Gaede

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