Moderne Illustration die auf eine Brille mit einer menchlichen Nase und Datenströmen anmuted.
Foto: absurd.design

Augmented Reality

Pflegebrille: Leitlinien immer im Blick

Die Wahrnehmung Pflegender mit personalisierten Informationen ergänzen – das kann die Pflegebrille.

Medizinischer Fortschritt macht’s möglich, schnelle Entlassungen aus Krankenhäusern treiben die Entwicklung voran: Immer mehr intensiv­pflegebedürftige Menschen werden im häuslichen Umfeld oder in Wohngemeinschaften versorgt (siehe Kasten). Dabei ist die ambulante Intensivpflege als fachlich hochkomplexer Bereich prädestiniert für den Einsatz innovativer digitaler Technologien.

Mehr Durchblick mit Augmented Reality

Ein Beispiel: das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt „Pflegebrille – Pflege mit Durchblick“ . Konkret geht es um eine Datenbrille, durch die Pflegende zusätzlich zu ihrer Umwelt digitale Inhalte wahrnehmen können. Augmented Reality – auf deutsch: erweiterte Realität – heißt die Technologie, die in der Brille steckt. Vielen dürfte sie noch ein Begriff sein aus dem Sommer 2016, als sich auf öffentlichen Plätzen zahlreiche Smartphone-­Nutzer tummelten, um virtuelle Fantasiewesen, besser bekannt als Pokémons, zu jagen.

Im pflegerischen Kontext eingesetzt, hat diese Technologie enormes Potenzial. „Pflegefachpersonen können etwa Informationen oder Videos zu Leitlinien oder Expertenstandards abrufen, ohne dabei den Patienten aus den Augen zu lassen“, sagt Heinrich Recken, Leiter des Studienzentrums Essen der Hamburger Fernhochschule (HFH) , der die Entwicklung der Pflegebrille aus pflegewissenschaftlicher Sicht betreut. Ebenfalls beteiligt sind Experten der Ruhr-Universität Bochum, der TU Clausthal , des Zentrums für Telemedizin (ZTM) Bad Kissingen, des Würzburger Softwareunternehmens iTiZZiMO und der Christophorus Intensivpflegedienste .

Steuerung per Kopfbewegung

Praktisch: Anders als ein Smartphone muss die Brille nicht in der Hand gehalten werden, sondern lässt sich bequem per Kopfbewegung und über die Sprache bedienen. „Das ist zum Beispiel sinnvoll, wenn Pflegende eine Anleitung zur Wundversorgung abrufen – und dabei direkt die pflegerische Handlung ausführen können, ohne sich die sterilen Handschuhe auszuziehen“, so Recken.

Die Pflegebrille bringt aber nicht nur professionell Pflegenden mehr Sicherheit. Auch pflegende Angehörige, die in der ambulanten Intensivpflege oftmals wichtige Aufgaben übernehmen, erhalten auf diese Weise Unterstützung bei der Patientenversorgung. Außerdem könnte die Brille künftig die Praxisanleitung in der Pflegeausbildung ergänzen – etwa im Rahmen eines Skills Labs.

Telepflege und digitale Dokumentation

Noch ist die Pflegebrille ein Prototyp, kann es aber Heinrich Recken zufolge in ein bis zwei Jahren bis zur Marktreife schaffen. Um unterschiedliche Zielgruppen zu adressieren, sollen bis dahin auch personalisierte Arbeitsabläufe zur Auswahl stehen. Durch die Auswertung des Kamerabildes soll die Pflegebrille überdies erkennen können, welche Handlungen der Nutzer plant und entsprechende Unterstützung automatisch anbieten.

Auch Telepflege soll mit der Pflegebrille möglich sein. „In Videokonferenzen in Echtzeit können zugeschaltete Experten mit den Augen der Pflegenden am Bett sehen“, sagt Recken. Ebenfalls geplant ist eine Anbindung an digitale Dokumentationsprozesse, sodass alle mit der Pflegebrille ausgeführten Tätigkeiten automatisch in die digitale Dokumentation einfließen.

Autorin: Kati Borngräber

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