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Symposium

Pflege forscht

Studierende aus Mainz stellen ihre Projekte im Masterstudium "Pädagogik in Gesundheit und Pflege" vor.

Was gibt es für Studierende Erfüllenderes als zu forschen? An der Katholischen Hochschule Mainz ist es möglich. Die Landespflegekammer hat zwei Projekte im Masterstudiengang "Pädagogik in Gesundheit und Pflege" unterstützt. Im Symposium "Forschung erleben, Zukunft gestalten" haben die Studierenden die Ergebnisse zu ihren selbstgewählten Forschungsfragen Ende Januar in Mainz vorgestellt. Wir baten diejenigen Teilnehmer (alle Bachelor of Science), die von der Pflegekammer unterstützt wurden, um ein Resümee ihrer Arbeit.

Welche Rolle hat die Pfegefachperson in der Eingliederungshilfe?

In einer qualitativen Studie mit ethnografischem Ansatz (das heißt: teilnehmende Beobachtung aus außenstehender Perspektive) haben sich mit diesem Thema beschäftigt: Laura Elter, (Gesundheits- und Krankenpflegerin), Nathalie Reichert (Gesundheits- und Krankenpflegerin)und Vanessa Fink (Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin). Begleitet wurden sie von Professorin Renate Stemmer.

Resümee:

Den Impuls zu unserem Projekt erhielten wir von der Landespflegekammer: Dort riefen immer wieder Pflegefachpersonen aus der Eingliederungshilfe an und fragten, warum sie Kammermitglied seien. Ihr Tätigkeitsfeld gleiche dem von Erziehern, Sozialpädagogen und Heilerziehungspflegern, argumentierten sie. Doch in der Eingliederungshilfe steigt der Pflegebedarf. Neben der klassischen pädagogischen und therapeutischen Expertise werden auch das Wissen und die Kompetenz von Pflegefachpersonen immer wichtiger. Deshalb stellen die Träger bewusst auch Pflegefachpersonen ein. Leider versäumen dann manche Einrichtungen, die Aufgaben adäquat zuzuteilen. Da wir alle drei im Krankenhaus arbeiten, fanden wir es spannend, uns in einem fremden Setting auf Spurensuche zu begeben. Andreas Ullrich (Mitglied der Vertreterversammlung und AG Öffentlichkeitsarbeit) und Herr Hansi Neubrech (AG Langzeitpflege) arbeiten in einem großen Unternehmen der Eingliederungshilfe und haben als Gatekeeper fungiert. In einer Einrichtung haben wir dann einen Tag in jeweils unterschiedlichen Wohngruppen hospitiert, um das Rollenzusammenspiel der Pflegefachkraft im interdisziplinären Team zu beobachten. Unterscheiden sich ihre Aufgaben von denen der anderen Professionen wie Heilerziehungspfleger oder Ergotherapeut? Diese Frage wollten wir untersuchen. Die Bewohner sind größtenteils körperlich und geistig behindert,
sie leiden etwa unter Multipler Sklerose, Spina Bifida oder den Folgen schwerer Unfälle, viele leben seit Jahrzehnten in der Einrichtung. Wir haben Beobachtungsprotokolle und insgesamt drei leitfaden-orientierte Interviews mit Pflegefachpersonen in der Einrichtung geführt. In der Auswertung haben wir Normen herausgearbeitet, die typisch sind für das Setting der Eingliederungshilfe - dazu zählen beispielsweise die Teamidentität, die Symbiose und die Alltagsorientierung.

Unser Ergebnis:

Die Zielsetzung "Herstellung eines möglichst normalen Alltags" und die hohe Bedeutung der Verbundenheit im Team führen dazu, dass die Tätigkeiten der Pflegefachperson sich im Allgemeinen nicht von denen der anderen Berufe im interdisziplinären Team unterscheiden. Alle Disziplinen übernehmen körpernahe Pflege, Betreuungsaufgaben und Alltagsgestaltung. Nur die Behandlungspflege ist den Pflegefachpersonen vorbehalten.

Unser Fazit:

Um die pflegerische Versorgung in der Eingliederungshilfe zu sichern, ist es wichtig, die Besonderheiten der Eingliederungshilfe in der Ausbildung zu thematisieren. In jedem Fall ist die Eingliederungshilfe ein attraktives Tätigkeitsgebiet für Pflegefachpersonen. Deshalb entschloss sich nach unserem Einsatz auch unser Teammitglied Laura Elter, künftig in der Eingliederungshilfe zu arbeiten.

Bearbeitet von: Kirsten Gaede

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