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Mehr Verantwortung

Pflege als Gatekeeper in der Notaufnahme

Triagierung (Ersteinschätzung) ist jetzt Pflicht für Notaufnahmen. Damit steigen die Ansprüche an die Pflegefachpersonen vor Ort.

Die Weiterbildung Notfallpflege gibt es seit rund zehn Jahren. Aber die Deutsche Krankenhausgesellschaft hat erst 2016 eine Empfehlung ausgesprochen. Hintergrund: Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) als höchstes Gremium der Selbstverwaltung schreibt seit Mai dieses Jahres für die Notfallaufnahmen eine pflegerische Leitung mit Weiterbildung in den Notfallzentren vor, auch muss eine fachweitergebildete Pflegefachperson rund um die Uhr anwesend sein.

Weiterbildung Notfallpflege

Die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz sieht jedoch wegen der wachsenden Anforderungen in der Notfallversorgung dringenden Handlungsbedarf in der Regelung der Notfallpflege in Rheinland-Pfalz. Die Vertreterversammlung der Landespflegekammer, als höchstes Organ der pflegerischen Selbstverwaltung auf Landesebene, hat daher beschlossen, dass die Weiterbildung Notfallpflege als erste neue Weiterbildung in der Weiterbildungsordnung Berücksichtigung findet.

Hohe Anforderungen an die Pflege

Ein wichtiger Schritt, wie Margot Dietz-Wittstock, Notfall-Pflegefachfrau in Flensburg und Vizepräsidentin der DGINA (Deutsche Gesellschaft für Interdisziplinäre Notfall-und Akut-medizin), meint. Denn die Anforderungen an die Pflege sind hoch: Pflegefachpersonen arbeiten an der Schnittstelle, nehmen die Patienten vom Rettungsdienst entgegen, leiten Informationen weiter und bilden das Kontinuum in einem Bereich, in dem Ärzte (selbst im Laufe einer Schicht) oft wechseln. Auch müssen sie jüngere Mediziner oft unterstützen.

Pflegefachpersonen im Vorstand der DGINA

Die gegenseitige Abhängigkeit ist den Notfallmedizinern durchaus bewusst: Die Deutsche Gesellschaft für Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) zählt zu den wenigen Fachgesellschaften, in deren Vorstand laut Satzung immer auch eine Pflegefachperson vertreten sein muss. Dies ist seit zehn Jahren Margot Dietz-Wittstock, sie ist Vizepräsidentin der DGINA. Während ihrer Zeit ist die Zahl der Mitglieder aus der Pflege stetig gestiegen: Von den über 1.000 Mitgliedern der DGINA stammen rund 30 Prozent aus der Pflege.

Hälfte der Kliniken noch ohne Ersteinschätzung

Für viele Notfallpflegefachpersonen ist seit diesem Jahr noch eine weitere verantwortungsvolle Aufgabe festgeklopft: Die Ersteinschätzung, auch Triagierung genannt. Manche Krankenhäuser praktizieren sie schon seit über zehn Jahren – wie die Ev.-Luth. Diakonissenanstalt, in der Margot Dietz-Wittstock arbeitet. Doch jetzt ist die Ersteinschätzung Pflicht. Der G-BA schreibt in seinem Beschluss vor: „Alle Notfallpatienten des Krankenhauses erhalten spätestens zehn Minuten nach Eintreffen in der Notaufnahme eine Einschätzung der Behandlungspriorität.“ Laut G-BA praktiziert die Hälfte aller Krankenhäuser mit Notaufnahme diese Ersteinschätzung, laut DGINA ein Drittel.

Autorin: Kirsten Gaede

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