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Foto: Zeichnungen: Daniel Bergs

Schwerpunkt

Organspende: Was haben Pflegefachpersonen damit zu tun?

Organtransplantationen scheinen etwas ganz Spezifisches zu sein. Sie werden vor allem in Unikliniken durchgeführt. Doch jede Pflegefachperson kann plötzlich mit dem Thema Organspende konfrontiert sein. Dann hilft es ihr, zu wissen, welche Aufgaben sie dabei hat: Spendererkennung etwa, Pflege der Spender und Begleitung der Angehörigen. Unser Schwerpunkt liefert einen ersten Einblick.

Gehört Organspende nicht in die Sphäre der Hochleistungsmedizin? Warum geht sie auch Pflegefachpersonen an, die in einem normalen Krankenhaus arbeiten? Ganz einfach: Weil es auch in einem normalen Krankenhaus passiert, dass Patienten eingeliefert werden, deren Zustand sich so kritisch entwickelt, dass sie einen Hirntod erleiden – etwa in der Notaufnahme, auf der (neurologischen) Intensivstation oder in der Stroke Unit. In solchen Fällen kommen die Patienten unter bestimmten Voraussetzungen als Organspender infrage.

Damit beginnt ein präzise bestimmter Ablauf: Der Kreislauf wird aufrechterhalten, Beatmung, (organprotektive) Behandlung und Pflege laufen weiter, die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) wird informiert, mit den Angehörigen gesprochen, der irreversible Hirnfunktionsausfall (Hirntod) von zwei Ärzten unabhängig voneinander festgestellt, es läuft diverse Diagnostik von Blutuntersuchungen bis CT und, und, und …

Die Pflegefachpersonen sind essenzieller Bestandteil dieses dicht getakteten Ablaufs:

  • Es hängt sehr von ihrer Wachsamkeit ab, ob mögliche Spender überhaupt erkannt werden: Durch ihren nahen Kontakt zum Patienten merken sie Veränderungen – wie fehlende Pupillenreaktion – oft als Erste.
  • Sie begleiten Angehörige in ihrer Trauer, beantworten ihre Fragen zur Organspende, gehen auf Zweifel ein.
  • Und: Sie pflegen und versorgen den Verstorbenen, bei dem das Herz-Kreislauf-System durch intensivmedizinische Maßnahmen aufrechterhalten wird.

Seit einigen Jahren wird der Profession Pflege ihre Rolle bei der Organspende zunehmend bewusster: In immer mehr Regionen Deutschlands werden Fachpflegesymposien zur Organspende veranstaltet: In der Region Mitte etwa – dazu gehören Rheinland-Pfalz, Hessen und das Saarland – hat Ende September das inzwischen fünfte Symposium stattgefunden mit über 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, in der Uniklinik Leipzig kürzlich das erste Symposium der Region Ost mit 80 Teilnehmern.

Unter den Teilnehmern in Frankfurt und Leipzig waren auch viele Transplantationsbeauftragte. Lange Zeit konnten nur Ärzte diese Funktion innehaben, sie mussten das 40-stündige Curriculum „Transplantationsbeauftragter Arzt“ der Ärztekammer absolvieren. Doch allmählich ermöglichen immer mehr Bundesländer auch Pflegefachpersonen, an diesem Curriculum teilzunehmen und Transplantationsbeauftragte zu werden. Auch gibt es inzwischen mehr Pflegefachpersonen, die in der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) als Koordinatoren arbeiten – beispielsweise Stefan Klinck, der in dieser Ausgabe auf dem Titel zu sehen ist.

Fakten und Zahlen

40 Transplantationszentren gibt es in Deutschland, zwei davon in Rheinland-Pfalz (Uniklinik Mainz und Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern). Die (durchschnittliche) Zahl der Entnahmekrankenhäuser: 1.200.

80% der Angehörigen geben keine Zustimmung, wenn sie rein nach eigenen Wertvorstellungen entscheiden müssen, weil ihnen weder der mündlich mitgeteilte noch der vermutete Wille des Verstorbenen bekannt ist.

2.795 Organe wurden 2022 in Deutschland transplantiert. 474 der Organe stammten aus anderen Ländern. 339 Organe aus Deutschland wurden in anderen Ländern transplantiert.

869 Organspender gabe es 2022. Ein Rückgang um 9 Prozent verglichen mit 2018, dem Jahr mit den meisten Spendern in den vergangenen zehn Jahren. In diesem Jahr ist die Zahl zwischen Januar und Oktober gegenüber dem Vorjahreszeitraum wieder gestiegen – um rund 11 Prozent.

8.496 Menschen stehen in Deutschland auf der Warteliste für ein Spenderorgan (Stand: 31. Dezember 2022).

1.431 Nieren wurden 2022 in Deutschland von verstorbenen Spendern transplantiert. Am zweithäufigsten die Leber (706), gefolgt von Herz (358), Lunge (254), Pankreas (44) und Darm (2).

3,1 Organe pro Spender wurden im Jahr 2022 durchschnittlich entnommen und transplantiert.

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