Junge Menschen vollführen vor dem Brandenburger Tor Erste-Hilfe-Übungen
Foto: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Schulungen einfordern

Notfallübungen: Machen Sie Druck!

Viele Pflegefachpersonen haben Angst, bei Notfällen auf Station oder im Wohnumfeld zu versagen. Was dagegen hilft? Regelmäßige Übungen einfordern!

Nachdem der nordrhein-westfälische SPD-Politiker Serdar Yüksel Ende Oktober einem AfD-Mitarbeiter im Gesundheitsausschuss reanimiert hatte, sagte er hinterher im Interview mit der Süddeutschen Zeitung: Er sei 15 Jahre Fachkrankenpfleger auf einer Intensivstation gewesen, er habe viele Menschen reanimiert, wahrscheinlich Hunderte. Viele Kollegen auf den peripheren Stationen und in den Altenpflegeeinrichtungen beneiden ihn vermutlich um seine Erfahrung und fragen sich, ob sie selbst so routiniert reagiert hätten. Immerhin stufen sich in puncto Reanimation viele Pflegefachpersonen als Laien ein: 42,5 Prozent, wie eine Befragung unter 203 examinierten Pflegekräfte an fünf Krankenhäusern aus jeweils unterschiedlichen Bundesländern ergeben hat. Der Titel der Studie – präsentiert 2016 auf der Konferenz der Deutschen Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) – lautet: „Reanimation durch Pflegekräfte: Wissen & Fertigkeiten auf peripheren Stationen“. Sie nimmt die normalen Akutstationen in den Blick.

Notfallversorgung ist in allen Bereichen wichtig

Die meisten Notfälle auf der Inneren und der Geriatrie

Gerade auf den peripheren Stationen passieren viele Notfälle. Weniger auf Intensivstation, weil dort die Überwachung sehr ausgeprägt ist (wenn auch die Mitarbeiter oft zu Einsätzen auf die peripheren Stationen gerufen werden). Auch auf der Notaufnahme sind sie eher selten, weil der Aufenthalt der Patienten kurz ist und Risikopatienten sofort im Schockraum behandelt werden. Es sind die internistischen und geriatrischen Stationen, auf denen die meisten Notfälle passieren, hat Andreas Hildebrandt, Notfall-Fachpflegekraft im Krankenhaus Sachsenhausen (Diakonie) in Frankfurt am Main beobachtet. Kein Wunder, dass Notfälle auch in der stationären Langzeitpflege ein großes Thema sind.

Das Wichtigste im Notfall: prüfen, rufen, drücken

Sicherlich: Im Krankenhaus kommt schnell das Rea-Team, es sind nur wenige Minuten zu überbrücken. Trotzdem müssen die Pflegefachpersonen vor Ort bis dahin handeln. Denn das Gehirn wird ohne Sauerstoff schon nach etwa drei bis fünf Minuten irreversibel geschädigt. Die wichtigsten Wiederbelebungsmaßnahmen müssen die Mitarbeiter vor Ort also beherrschen: einen Kreislaufstillstand erkennen, den Notruf absetzen und die möglichst unterbrechungsfreie Herzdruckmassage nach dem Motto: prüfen, rufen, drücken.

Autorin: Kirsten Gaede

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