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Foto: Illustration: iracosma / stock.adobe.com

Beruf + Praxis

Mentoren für gestresste Azubis

Druck wegen schlechter Noten? Das Gefühl, mit allem  überfordert zu sein? Im Mentorenprogramm VerA (Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen) helfen erfahrene Fachkräfte Auszubildenden, gut in den Beruf zu kommen. Seit Kurzem kooperiert die Landespflegekammer mit VerA.

Ines Kirchner und Sedra Faiad sind ein eingespieltes Team. Die Krankenschwester im Ruhestand unterstützt die Schülerin bereits seit Ende 2019, als Sedra Faiad die Ausbildung zur Altenpflegehelferin machte. Zunächst lief es nicht so gut. Mit Unterstützung ihrer Mentorin gelang es Sedra Faiad, die Ausbildung abzuschließen. Seit August macht die 20-Jährige mit der Ausbildung zur Pflegefachfrau weiter. Jetzt arbeiten beide daran, dass auch die neue Lernphase erfolgreich verläuft.

„Ines ist mir eine große Hilfe“, sagt die Auszubildende aus Kirchen über ihre Expertenhelferin. „Ich spreche nicht so gut Deutsch. In allen Bereichen gibt es Aufgaben, die wirklich schwierig sind, zum Beispiel die Themen Medikation und Thromboseprophylaxe. Die Unterstützung ist perfekt für das Bearbeiten solcher Aufgaben. Ich kann Ines alles fragen.“

Das Mentoring ist kostenlos

Mit Unterstützung die Ausbildung schaffen – das ist ganz im Sinne der vermittelnden Organisation, des Senior Experten Service (SES). Die gemeinnützige Gesellschaft ist eine weltweit tägige Ehrenamtsorganisation für Fach- und Führungskräfte im Ruhestand. Ende 2008 hat der SES die Initiative VerA aufgelegt, ein bundesweites, vom Bundesbildungsministerium gefördertes Mentorenprogramm für junge Menschen.

VerA bringt ehrenamtliche Begleiter mit Jugendlichen in der Ausbildung oder Berufsvorbereitung zusammen. Bei regelmäßigen Treffen unterstützen die Begleiter bei theoretischen oder berufspraktischen Fragen, bei der Prüfungsvorbereitung und bei sprachlichen Pro- blemen. Auch wenn es um die soziale Kompetenz geht, stehen sie den Auszubildenden zur Seite. Die Vermittlung ist für Auszubildende, Schulen und Pflegedienstleister kostenfrei. In Rheinland-Pfalz bietet der SES seit 2009 Vermittlungen in der dualen und schulischen Berufsausbildung an. Seit 2010 hat es allein in der Region Koblenz 590 Begleitungen gegeben, darunter 73 Auszubildende aus dem Gesundheitsbereich.

Neue Ruheständler gesucht!   

Erwin Fries, SES-Regionalkoordinator in Koblenz, möchte noch mehr Pflegefachpersonen, die demnächst in den Ruhestand gehen, als Ausbildungsbegleiter gewinnen. Mit Unterstützung der Landespflegekammer könnte das gelingen. „Durch die Kooperation mit der SES-Initiative VerA wollen wir Auszubildende aller Pflegeberufe in Rheinland-Pfalz unterstützen“, erklärt Vorstandsmitglied Hans-Josef Börsch.

Auch Mentoren lernen dazu    

SES-Ausbildungsbegleiterin Ines Kirchner hat ihre eigene Ausbildung zur Krankenschwester 1997 begonnen. Aus körperlichen Gründen kann die 43-Jährige heute nicht mehr in der Pflege arbeiten und ist im Frühruhestand. „Ich kann auf das Erlernte direkt zugreifen und Zusammenhänge schnell erklären. Die standardisierten Pflegeprozesse wie Waschen oder Prophylaxen verändern sich nicht.“ Dass sich die Ausbildung durch die Generalistik verändert hat, stellt für sie kein Hindernis dar. Im Gegenteil: „Es ist eine schöne Herausforderung für mich, das neue System kennennzulernen“, meint sie. „Ich lerne neue wissenschaftliche Erkenntnisse kennen. Es gefällt mir, dass ich dann wirklich up-to-date bin. Wer aus dem Berufsleben ausgestiegen ist und sich selbst gern mit jungen Menschen fortbildet, hat mit einer Ausbildungsbegleitung die besten Möglichkeiten, fit zu bleiben.“

Info:

Interessierte Schülerinnen und Schüler können sich über das Anmeldeformular der Webseite www.vera.ses-bonn.de registrieren.

Wer sich als Mentor engagieren möchte, erfährt Näheres unter www.ses-bonn.de/ses-expertein-werden

Mehr über die Arbeit der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz lesen Sie in Ausgabe #24 des Kammermagazins.

Mentoringprogramm

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