Sabine Bätzing-Lichtenthäler
Foto: MSAGD

Neues Prüfmodell

Mehr Pflege, weniger TÜV

Qualitätsunterschiede von Altenheimen und ambulanten Diensten sollen sichtbarer werden. Das neue ergebnisorientierte Prüfmodell kommt ganz ohne Noten aus.

Als der Pflege-TÜV 2009 eingeführt wurde, war das eine kleine Revolution. Der Plan: Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) sollte Heime und ambulante Pflegedienstleister nicht nur häufiger, sondern auch stets unangemeldet überprüfen und die Ergebnisse in einer leicht zu vergleichenden Form veröffentlichen.

Doch die Bewertungen fielen insgesamt zu rosig aus, weil es Altenheimen beispielsweise möglich war, schlechte Noten für eine mangelhafte Pflege durch eine vollständige Dokumentation der Behandlung auszugleichen. Ein neues Bewertungssystem sollte her!

Die Regierung beauftragte daher 2016 den Qualitätsausschuss der Pflegeheimbetreiber und der Kassen, ein neues System zu entwickeln. Die verspäteten Gutachten zweier Institute liegen nun vor. Sie sind Grundlage für ein Verfahren, auf das sich Pflegekassen und Prüfer nun einigen müssen.

Neu: keine Noten, keine Gesamtbewertung

„Fest steht: Wir brauchen regelmäßige Prüfungen und Kontrollen – gerade in der Pflege. Und die Menschen brauchen verlässliche Informationen und ein verständliches Bewertungssystem“, erklärte Karl-Josef Laumann, der nordrhein-westfälische Sozialminister, bei der 6. Berliner Runde zur Zukunft der Pflege, zu der er und Sabine Bätzing Lichtenthäler, die rheinland-pfälzische Sozialministerin, eingeladen hatten.

Ministerin Bätzing-Lichtenthäler unterstrich, dass es Zeit für einen Kurswechsel sei. „Wenn man bedenkt, dass bereits im Jahr 2010 die mangelnde Aussagekraft der Pflege­noten wissenschaftlich bestätigt und der Ansatz für ein besser geeignetes Verfahren entwickelt wurde, dann ist dieser Neustart längst überfällig.“

Geprüft werden die Resultate des Pflege-TÜVs

Geht es nach den Entwicklern des Verfahrens, soll der neue Pflege-TÜV mit dem alten wenig gemeinsam haben. Die neue Methodik wird sich an den tatsächlichen Resultaten pflegerischen Handelns anhand von definierten Indikatoren orientieren – etwa der Anzahl von Stürzen mit schwerwiegenden Folgen.

Die Einrichtungen sollen die Resultate regelmäßig erheben und externe Prüfer – der MDK oder der Prüfdienst der Privaten Krankenversicherung – sollen sie stichprobenhaft bewohnerbezogen prüfen. Außenstehende könnten beispielsweise an Symbolen oder Punkten sehen, wie gut die Heime sind – statt wie bisher an Noten (siehe Beispiel im Kasten).

Wie geht es weiter mit dem neuen Pflege-TÜV?

Bevor ausstehende Vereinbarungen getroffen und die erforderlichen (technischen) Voraussetzungen geschaffen werden, steht eine Erprobungsphase an. Dieser Prozess soll Ende 2019 abgeschlossen sein. Bundesweit müssen sowohl die Einrichtungen als auch die Prüfdienste geschult werden.

Autorin: Kerstin Werner

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