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Kommentar Dr. Markus Mai

Jetzt handeln!

In der Gesellschaft wächst das Bewusstsein für die Probleme der Pflege. Doch Bewusstsein allein reicht bei Weitem nicht aus, um die Pflegekatastrophe, auf die wir zusteuern, abzuwenden.

Ein Ende der Corona-Pandemie scheint nicht in Sicht. Nach mehr als einem Jahr verbreitet sich das Virus weiterhin rasant und stellt insbesondere für Pflegefachpersonen in Heimen und Kliniken eine immense Herausforderung dar. Schon vor dieser für unser Gesundheitswesen so verheerenden Krise stießen professionell Pflegende tagtäglich an ihre Belastungsgrenze. Durch die Vielzahl der Corona-Infektionen vergrößerte sich der Personalnotstand weiter und von einem Aufatmen kann noch lange nicht die Rede sein.

Auch wenn das Bewusstsein für die Probleme in der Pflege sowohl in der Medienbranche (etwa in den Nachrichten oder durch siebenstündige Reportagen auf Privatsendern) als auch in der Gesellschaft wächst, werden wir in unserem Kampf für bessere Versorgungsergebnisse, Arbeitsbedingungen und eine gerechtere Vergütung immer wieder nachhaltig zurückgeworfen.

Umso dringender müssen wir uns mit der Frage beschäftigen, wie wir in Zukunft die berufliche Pflege so gestalten können, dass die pflegerische Versorgung zu jedem Zeitpunkt sichergestellt sein kann und zeitgleich der Pflegeberuf vollständig aufgewertet wird. In einer Pressekonferenz hat die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz diesbezüglich mehrere Lösungsansätze präsentiert.

Dabei spielt der Aspekt der Wertschätzung für unseren Berufsstand eine besonders wichtige Rolle. Pflegefachpersonen nehmen ihre Fürsorgepflicht sehr ernst und betrachten ihre Tätigkeit fast schon als Selbstverständlichkeit. Leider ist es nach wie vor nicht selbstverständlich, dass sie auch dementsprechend vergütet werden. Weder Corona-Sonderprämien noch der Mindestlohnansatz bei Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern können zu einer nachhaltigen Verbesserung der Vergütungsstruktur führen.

Als Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz setze ich mich nun schon seit Jahren für ein Mindesteinstiegsgehalt von 4.000 Euro brutto für vollzeitbeschäftigte Pflegefachpersonen ein. Zu dieser Forderung stehen wir weiterhin und hoffen, dass sich dieser Standard bald branchenübergreifend durchsetzen wird.

Im Zentrum der Daseinsvorsorge muss unseres Erachtens der Mensch stehen, nicht der Profit. Daraus resultierend sind Konzepte zur Entökonomisierung der Krankenhausfinanzierung umzusetzen. Dazu gehört eine Übernahme höherer Finanzierungsanteile durch das Land. Andernfalls ist in Kliniken ein Raubbau am Personal zu befürchten. Der Landesanteil an den Investitionskosten sollte mindestens 200 Millionen Euro pro Jahr betragen. Für eine umfassende Reform ist weiterhin elementar, dass DRG-System entweder ganz abzuschaffen oder nachhaltig zu verändern.

Im Zentrum der Daseinsvorsorge muss unseres Erachtens der Mensch stehen, nicht der Profit.

Die Pflegeausbildung und der Zugang ausländischer Pflegefachpersonen in den Pflegeberuf spielen bei der Sicherstellung der pflegerischen Versorgung in Einrichtungen und Krankenhäusern eine große Rolle. Eine Aufstockung der Ausbildungsplätze muss zweifellos zu den wichtigsten Maßnahmen bei einer zukunftsorientierten Neuausrichtung der beruflichen Pflege gehören. Für eine erfolgreiche Ausbildung braucht es Menschen, die in großer Zahl bereit sind, den Pflegeberuf zu erlernen.

Die Anerkennung von Abschlüssen ausländischer Pflegefachpersonen, das Schaffen weiterer Ausbildungsplätze sowie Mentoring- und Integrationsprogramme sind hierfür grundlegend. Bei der Akquise von ausländischen Pflegefachpersonen bedarf es insbesondere der Unterstützung des Landes, die auch bei Kampagnen zur Gewinnung von Auszubildenden hilfreich wäre.

Für die professionelle Pflege, und insbesondere für die existenzielle Weiterentwicklung des Pflegeberufs, ist die Akademisierung wichtig. Durch fachlich und akademisch gut qualifizierte Nachwuchskräfte entsteht eine neue Form der Kommunikation und Zusammenarbeit, mit der es eine Chance gibt, die steigenden Anforderungen in der Pflege gemeinsam besser zu bewältigen.

Umso bedauerlicher für die professionelle Pflege in Rheinland-Pfalz ist die Auflösung der Fakultät für Pflegewissenschaft in Vallendar (PTHV), die im Bereich der Pflegeakademisierung ein echtes Leuchtfeuer in ganz Deutschland darstellt. Schon seit Jahren fordern wir eine wesentlich höhere finanzielle Beteiligung des Landes an den Ausgaben der PTHV und anderen Hochschulen, da ansonsten die Akademisierung der Pflege weiter einbrechen wird.

Die nächsten Jahre werden für die Gestaltung der beruflichen Pflege richtungsweisend sein. Nur gemeinsam schaffen wir es, die notwendigen Reformen umzusetzen.   (LPflK)

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