Portät einer Frau im Foyer
Foto: Merel Visse

Ethik im Pflegealltag

Initiative ergreifen!

Jede Pflegefachperson kann in ihrem Arbeitsalltag die Pflegeethik voranbringen.

Was kann eine Pflegefachperson tun, wenn sie das Gefühl hat, es werden Entscheidungen getroffen, die nicht im Sinne des Patienten sind? "Es ist ganz einfach: Ich würde ihr raten, eine Ethikberatung zu initiieren. Wirklich jede Pflegefachperson ist frei, Einfluss zu nehmen", sagt Professorin Helen Kohlen von der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (Lehrstuhl Care Policy und Ethik) mit freudiger Stimme. Der Enthusiasmus für ihr Fach ist ihr auch übers Telefon anzumerken. "Ich rate, nicht zu warten, bis endlich etwas passiert. Und warum auch sollte eine Pflegefachperson nach der Visite nicht in die Runde fragen: ‚Ich glaube, hier gibt es einige Punkte, die sollten wir in Ruhe diskutieren. Wollen wir uns nicht alle zwei Wochen freitags um 14 Uhr für eine halbe Stunde zusammensetzen?"

Niemand braucht zu fürchten, in der verabredeten halben Stunde nicht recht zu wissen, was zu sagen, wie vorzugehen ist. An den meisten Kliniken gibt es inzwischen Ethikkomitees, die genau dazu da sind: Die Medizin und die Pflege auf Station bei der Ethikberatung zu unterstützen. "Sie warten nur darauf, angesprochen zu werden", meint Helen Kohlen. Diese Komitees sind mit Mitarbeitern aus dem eigenen Haus besetzt - vornehmlich Seelsorger, Pflegefachpersonen und Ärzte mit einer hohen kommunikativen Kompetenz und einer Qualifikation in der Ethikberatung. Auch in Pflegeheimen setzen sich Ethikkomitees immer mehr durch: Viele kooperieren und gründen zusammen ein Komitee.

Für die wöchentlichen oder zweiwöchentlichen Beratungen reichen meistens 20 bis 25 Minuten, wenn einer der Teilnehmer diese vorher mithilfe des Ethikkomitees gut strukturiert. Nach Erfahrung von Helen Kohlen verbessern die Treffen meistens auch die Zusammenarbeit zwischen Medizin und Pflege. Helen Kohlen: "Nun habe er endlich die Perspektive der Pflege verstanden, sagte ein Mediziner nach solch einem Treffen. Daran sieht man auch: Ethische Probleme sind zu 80 Prozent Kommunikationsprobleme."

Autorin: Kirsten Gaede

Den Artikel und das komplette Dossier zum Thema Pflegeethik finden Sie im interaktiven Kammermagazin.

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