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Homosexualität

„In Beziehung gehen statt ignorieren“

Homosexualität ist in der Pflege kein Tabu, doch die Kommunikation mit Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender (LSBT) ist noch verbesserungsfähig.

Immer wieder wird gefragt, inwiefern Sexualität in Pflegeheimen oder Kliniken überhaupt eine Rolle spielt. Die Frage offenbart, dass zuallererst eine Begriffsdefinition notwendig ist: Beim Thema Pflege von LSBT-Menschen geht es um sexuelle Identität, die ein Teil der Gesamtidentität des Menschen ist und deshalb auch der Beachtung bedarf. Der Begriff Sexualität an sich wird häufig verbunden mit dem Ausüben von Sex. Darum geht es in der Diskussion über Gesundheit und Pflege von LSBT-Menschen aber zunächst nicht, weil das im Bereich der privaten Handlungen und Intimität liegt. Das geht Pflegepersonen nichts an, außer es wird vom gepflegten Menschen thematisiert. Sehr wohl geht die Pflegenden aber die sexuelle, geschlechtliche Identität von Patienten und Bewohnern etwas an.

Weggucken? Das geht nur auf der Straße

Leider wird dieser Aspekt der sexuellen Identität häufig stigmatisiert und in der Kommunikation nicht beantwortet. Das sind ganz einfache Mehrheit-Minderheit-Prinzipien: Unsere Gesellschaft ist auf Heterosexualität ausgerichtet. Alles, was davon abweicht, ist potenziell bedrohlich. Häufig reagiert man deshalb nicht auf Menschen, die anders sind als man selbst. Man schaut weg, weil es irritiert. Auf der Straße kann man das tun, Pflegefachpersonen haben hingegen eine andere Verantwortung. Sie sind soziale Bezugsperson, Beziehungspartner für diesen Patienten oder Bewohner.

Trotzdem schauen Pflegekräfte bei der sexuellen Identität oft weg. Wenn auf dem Nachttisch etwa ein Bild steht mit zwei Frauen oder zwei Männern, dann wird nicht über den Lebenspartner oder die -partnerin gesprochen. Man verfällt in unverfängliche Gesprächsmuster, redet aber im Team trotzdem darüber: „Hast du die gesehen? Ob die lesbisch ist?“

Patienten vor Verachtung schützen

Pflegekräfte müssen die Identität des Patienten beachten und ihre Wahrung unterstützen. Notfalls muss diese auch anwaltschaftlich gegenüber Mitpatienten im Krankenzimmer verteidigt werden, wenn deren kulturelles oder religiöses Verständnis von Misstrauen oder sogar Verachtung gegenüber Schwulen und Lesben geprägt ist. Das setzt eine hohe moralische und kommunikative Kompetenz voraus, die erlernt werden muss.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der digitalen Ausgabe des Kammermagazins.

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