Foto: MSAGD

Pflegebedürftigkeit

Im Auftrag der Prävention

Im Rahmen eines Präventionsprojekts beraten Pflegefachpersonen Senioren, bevor Pflegebedürftigkeit eintritt.

Maria di Geraci-Dreier ist Krankenschwester, Familientherapeutin und arbeitet seit zweieinhalb Jahren im rheinland-pfälzischen Landkreis Alzey-Worms als Gemeindeschwesterplus. Sie ist Teil eines dreijährigen Modellprojekts, das die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) zusammen mit Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) auf den Weg gebracht hat. Die Gemeindeschwesterplus ist eine Lotsin durch das System sowie eine kompetente Koordinatorin und Ansprechpartnerin, noch bevor eine Pflegebedürftigkeit eintritt, erklärt Ministerin Bätzing-Lichtenthäler. So ergänzt sie die Arbeit der 135 Pflegestützpunkte in Rheinland-Pfalz. Während des Projektzeitraums (01. Juli 2015 bis 31. Dezember 2018) wird die Gemeindeschwesterplus vom Land Rheinland-Pfalz finanziert.

Zuhören, kümmern, beraten

Erinnerungen an die gute alte „Gemeindeschwester“ werden wach: Die war allerdings damals im Auftrag der Kirche unterwegs. Die „neue“ Gemeindeschwesterplus ist jedoch beim Landkreis angestellt und hat im Gegensatz zu damals ganz andere Aufgaben. Lebensnah vor Ort schauen, was den Menschen guttut: Das ist ihr Job. Könnten die Kontakte mit den Angehörigen verbessert werden? Werden Hilfeleistungen, etwa von einem ambulanten Dienst, benötigt? Oft berät sie die Menschen auch zu Prophylaxen wie Sturz oder der altersgerechten Gestaltung ihrer Wohnung.

Gucken, was der Einzelne braucht

Mehr als 4.000 Senioren über 80 leben allein in den zwei Verbandsgemeinden rund um Wörrstadt, für die Geraci-Dreier zuständig ist. Viele der von ihr besuchten Menschen sind sogar schon über 90 Jahre alt und noch ohne Pflegegrad. „Sie brauchen keine 24-Stunden-Betreuung, aber eben doch Hilfe im Haushalt, beim Duschen oder bei der Fußpflege. Situationsbezogene Unterstützung brauchen ausnahmslos alle“, sagt sie. Dabei gehe es stets um „respektvolle Zuwendung“. Volkswirtschaftlich sei ihr Einsatz zwar nicht messbar, aber mit Sicherheit sei es preiswerter, hinzugehen und zu gucken, was der Einzelne braucht, als abzuwarten, bis etwas passiert.

Das Projekt Gemeindeschwesterplus hat sich in der Modellphase bewährt. Zu diesem Schluss kommt Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt von der Universität zu Köln, der das Angebot evaluiert hat. Sabine Bätzing-Lichtenthäler versicherte, dass das Land sein Engagement in diesem Bereich fortsetzen und weiterentwickeln wird.

Autorin: Birgitta vom Lehn

Den Beitrag in voller Länge lesen Sie im interaktiven Kammermagazin.

Den vollständigen Evaluationsbericht können Sie hier herunterladen.

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