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Als Gerd Hunsinger zehn Jahre alt war, diagnostizierten die Ärzte bei ihm erstmals eine Niereninsuffizienz. Der heute 57-Jährige wartete acht Jahre auf eine Nierentransplantation und lebt schon seit fast 17 Jahren mit einer transplantierten Niere.
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Als Gerd Hunsinger zehn Jahre alt war, diagnostizierten die Ärzte bei ihm erstmals eine Niereninsuffizienz. Der heute 57-Jährige wartete acht Jahre auf eine Nierentransplantation und lebt schon seit fast 17 Jahren mit einer transplantierten Niere.

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„Ich bin jeden Tag dankbar für dieses Geschenk.“

Gerd Hunsinger bekam 2007 eine Niere transplantiert. Sein Erfahrungsbericht zeigt, wie sehr eine Organtransplantation die Lebensqualität verbessern kann.

„Jetzt können Sie in Rente gehen“, sagte der Arzt zu mir an meinem ersten Dialysetag. Das war 1999, ich war gerade 32 Jahre. Zum Glück hat sich der Satz nicht bewahrheitet: Dank der automatisierten Bauchfelldialyse (APD), bei der die Entgiftung nachts durch das Peritoneum stattfindet, konnte ich weiter als Bankkaufmann arbeiten. Trotzdem ist auch die Heimdialyse nie so funktionsfähig wie eine richtige Niere: Bei mir war beispielsweise der Knochenstoffwechsel stark beeinträchtigt und die Epithelkörperchen der Nebenschilddrüse mussten entfernt werden. Es sind nur bestimmte Trinkmengen erlaubt und es gibt eine Reihe diätetischer Vorschriften.

Schlimmer ist aber auch, dass jegliche Spontanität schwindet. Ich musste Treffen mit Freunden und Feste wegen der Dialyse – sie lief nachts acht bis neun Stunden – immer früh verlassen, da schlafen viele Kontakte ein. Auch kurzentschlossen zu verreisen, war nur schwer möglich, weil sich immer gleich Fragen stellten: Gibt’s dort genügend Platz für die Dialyse? Reicht das Material? Das hat sich natürlich auch sehr auf meine damalige Frau und meinen Sohn ausgewirkt.

Ich hatte das Glück, eine Full-House-Niere zu bekommen

Wie so viele Dialysepatienten habe ich jahrelang auf eine Niere gewartet. Vier bis fünf Jahre würde es dauern, sagte man mir, es wurden fast acht Jahre. Dann kam der 3. April 2007. Ich bekam einen Anruf: Ob ich im Moment bei guter Gesundheit sei? Ich wurde sofort auf der Intensivstation aufgenommen, wo man mich vorbereitete, mich unter anderem mit wichtigen Medikamenten einstellte, etwa mit Immunsuppressiva. Ich bekam eine Full-House-Niere, was ein großes Glück war, denn je mehr Spender- und Empfänger-Merkmale übereinstimmen, desto besser die Prognose.

Ein halbes Jahr später entwickelte sich bei mir zwar ein bestimmtes malignes Lymphom, das nur nach Transplantationen auftritt. Doch die Ärzte bekamen es in den Griff, entfernten es und stellten die Immunsuppressiva um. Seither nehme ich wieder ganz anders am gesellschaftlichen Leben teil und habe auch viel mehr Energie – mit einem transplantierten Organ ist man einfach gesünder als mit der Dialyse.

Jetzt bin ich – zumindest statistisch – schon in der „Verlängerung“. Nach circa zwölf bis 15 Jahren wird ein postmortal entnommenes, transplantiertes Organ nämlich häufig abgestoßen. Ich weiß, es kann täglich passieren, ausgelöst durch einen Infekt etwa. Das belastet mich natürlich, ich mache deshalb gerade auch eine psychosomatische Reha. Trotzdem: Ich bin jeden Tag dankbar, dass ich dieses Geschenk bekommen habe.

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