Foto: Staatskanzlei RLP/K.Schäfer

Malu Dreyer im Interview

„Hier will ich alt werden“

Die Ministerpräsidentin lebt in einem generationenübergreifenden Wohnprojekt – so viel ist bekannt. Wir wollten von ihr wissen: Wie lebt es sich dort? Wie sieht ihr Alltag aus?

Sie sind eine viel beschäftigte Politikerin: Seit 2013 sind Sie Ministerpräsidentin, jetzt bekleiden Sie auch noch das Amt der kommissarischen SPD-Vorsitzenden in Berlin. Sie leben mit Ihrem Ehemann in einem inklusiven und generationenübergreifenden Wohnprojekt in Trier. Können Sie dort überhaupt noch Zeit verbringen?

Als Ministerpräsidentin hat man naturgemäß sehr wenig Freizeit. Aber das Schammatdorf ist mein Zuhause, und so versuche ich, jede freie Minute zum Beispiel am Wochenende dort zu verbringen.

Was unterscheidet Ihr Leben im Wohnprojekt vom Leben eines deutschen Durchschnittsbürgers im Reihenhaus?

Im Schammatdorf wird Nachbarschaft großgeschrieben. Es gehört gewissermaßen zum Konzept, dass man auf seine Nachbarinnen und Nachbarn achtet, sich gegenseitig unterstützt und hilft. Gemeinschaft wird ganz bewusst und aktiv gepflegt. Dazu gehört zum Beispiel, dass man bei der älteren Nachbarin klingelt, um zu fragen, ob alles in Ordnung ist, wenn man sieht, dass sie mittags die Zeitung noch nicht hereingeholt hat. Es gibt auch Rückzugsmöglichkeiten, aber niemand muss sich einsam fühlen. All das kann es natürlich in einer Reihenhaussiedlung auch geben, aber für das Schammatdorf gehört es zum Gründungsprogramm.

Zeit für Aktivitäten mit der Gemeinschaft des Projekts Schammatdorf fehlt Ihnen wahrscheinlich aktuell. Dort gibt es viele Möglichkeiten, miteinander aktiv zu sein. So gibt es einen Kochclub, der ein Rezeptbuch herausgebracht hat. Haben Sie reingeschaut und ein Lieblingsrezept?

Ja, Sellerieschnitzel mit Currysoße und Kohlrouladen. Letzteres ist übrigens ein Rezept meines Mannes.

Ihr Credo zu Ihrem Wohnort lautet „Hier will ich alt werden“. Warum?

Natürlich zunächst einmal, weil hier mein Mann und in der Nähe ein Teil meiner Familie lebt. Aber eben auch, weil es genau dem Wohnmodell entspricht, das ich mir immer für mich vorgestellt habe und das ich auch schon als Studentin in der WG bevorzugt habe: Leben in der Gemeinschaft, geben und nehmen, sich unterstützen, aber auch Möglichkeiten des Rückzugs, wenn mir danach ist. Für mich ist dies die natürlichste Form des Wohnens, da es der Vereinsamung und Vereinzelung entgegenwirkt. Viele ältere Menschen benötigen Unterstützung, möchten sich aber auch gerne noch in die Gesellschaft einbringen. Jüngere Menschen, vor allem mit kleinen Kindern, wissen oft nicht, wie sie mit ihrem Pensum über die Runden kommen sollen. Gemeinschaftliches Wohnen kommt beiden Seiten entgegen. Daher fördern wir als Landesregierung die Entstehung gemeinschaftlicher Wohnprojekte nach Kräften.

Das vollständige Interview lesen Sie in der digitalen Ausgabe des Kammermagazins.

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