Image
Foto: starline / freepik.com

30 Jahre DNQP

„Haben wir schon immer so gemacht“ gilt nicht mehr

Seit 30 Jahren gibt es das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP). Ihm ist es zu verdanken, dass wir heute auf wissenschaftlichen und erfahrungsbasierten Nachweisen beharren, wenn es um Pflegemaßnahmen geht.

Es gab eine Zeit, da haben Pflegende zur Dekubitusprophylaxe Eiswürfel und warme Föhn-Luft angewendet. Doch das ist schädlich, so hat sich herausgestellt. Dass das heute jede Pflegefachperson weiß, ist zum großen Teil das Verdienst des DNQP an der Hochschule Osnabrück. Das Netzwerk ist 1992 aus der europäischen Initiative European Quality Assurance Network (Euroquan) hervorgegangen.

Das DNQP hat dann im Jahr 2000 seinen ersten Expertenstandard herausgebracht (Dekubitusprophylaxe). Zehn weitere Jahre sind gefolgt, erst kürzlich ist der Expertenstandard „Förderung der Mundgesundheit in der Pflege“ endgültig zum Abschluss gekommen. „Endgültig“, weil die Expertenstandards einen langen Prozess durchlaufen:

  1.  Der 13-köpfige Lenkungsausschuss legt fest, zu welchem Thema es einen Expertenstandard geben wird. Das Thema sollte für möglichst viele Pflegebereiche relevant sein
  2.  Zu dem ausgewählten Thema (oder der Überarbeitung) bildet sich eine Gruppe von Experten. Sie bewerben sich und kommen zu etwa gleichen Teilen aus Wissenschaft und Praxis. Die Expertengruppe wird organisiert und (methodisch) begleitet vom wissenschaftlichen Team des DNQP.
  3.  Die Expertengruppe wertet Studien und Erfahrungsberichte aus und verfasst den Expertenstandard (mit Kommentaren).
  4.  Die Gruppe präsentiert den Expertenstandard auf einer Konsensus-Konferenz, zu der Hunderte Pflegefachkräfte kommen. Sie geben Rückmeldungen, die zu großen Teilen eingearbeitet werden.
  5.  In einer Erprobungsphase testen rund 25 Einrichtungen den Expertenstandard. Ihre Empfehlungenund Erfahrungen fließen ebenfalls ein. Erst danach wird der Expertenstandard veröffentlicht.

Die vielen Schritte und Feedback-Schleifen sind wichtig, weil die Verantwortung groß ist: Die Expertenstandards gelten als verbindlich. Sie sind Bezugspunkt, wenn im fünften und elften Sozialgesetzbuch eine Versorgung nach dem neuesten Erkenntnisstand vorgegeben ist. Der Medizinische Dienst bezieht sich deshalb bei seinen Prüfungen auf die Expertenstandards. In Rheinland-Pfalz ist die Pflicht, nach „wissenschaftlichen Standards“ zu arbeiten (und somit nach den Expertenstandards), sogar in der Berufsordnung der Landespflegekammer formuliert. Und diese Pflicht muss ernst genommen werden, denn: Die Berufsordnung hat den Charakter eines Gesetzes.

Der Lenkungsausschuss betont in seiner Stellungnahme zum 30-jährigen DNQP-Jubiläum, dass es sich bei den Expertenstandards nicht um extern vorgegebene Normen handelt. Vielmehr sind sie aus der Pflegeprofession selbst heraus entwickelt und betreffen unmittelbar den Pflegeprozess. Diese Auffassung, dass Pflegefachpersonen für den Pflegeprozess verantwortlich sind, hat erst kürzlich Eingang in das neue Pflegeberufegesetz gefunden (Stichwort Vorbehaltsaufgaben). Deshalb dürften Expertenstandards nicht als selbstverständlicher Beitrag der Pflege angesehen werden, „für die es keiner weiteren oder gesonderten Vergütung bedarf“.

Die Expertenstandards in der Pflege

  • Dekubitusprophylaxe
  • Entlassungsmanagement
  • Schmerzmanagement
  • Sturzprophylaxe
  • Förderung der Harnkontinenz
  • Pflege von Menschen mit chronischen Wunden
  • Ernährungsmanagement zur Förderung der oralen Ernährung
  • Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz
  • Förderung der Mundgesundheit
  • Förderung der physiologischen Geburt
  • Erhaltung und Förderung der Mobilität

Wo finde ich die Expertenstandards

Die Expertenstandards erscheinen als gedruckte bestellbare Broschüren, deren Seitenzahlen (68 bis 224 Seiten) und Preise (13 bis 35 Euro) variieren. Es gibt vom DNQP keine kurze Übersicht mit Kernaussagen. Denn: Die Expertenstandards stecken den Rahmen, die Einrichtungen sind gehalten, die allgemein formulierten Standards an ihre konkreten Gegebenheiten anzupassen. Für diese Aufgabe greifen sie oft auch auf Beratungs- und Schulungsanbieter zurück.

Übrigens: Gleich zwei der 15 Mitglieder des Lenkungsausausschusses des DNQP kommen aus Rheinland-Pfalz: Die Vizepräsidentin der Landespflegekammer, Andrea Bergsträßer, und Prof. Dr. Erika Sirsch von der Vinzenz Pallotti University.

Das könnte Sie auch interessieren...