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Schwerpunktthema

Gewalt gegen Pflegende? Null Toleranz!

Immer wieder kommt es zu tätlichen Angriffen gegen Pflegefachpersonen im Dienst. Damit Prävention gelingt, müssen Betroffene das Schweigen brechen.

„Verbale Übergriffe durch Beschimpfungen, gerne auch im Beisein
von Bewohnern und Besuchern, Unterschreiten der sozialen Distanz und sogar ungewolltes Anfassen nehmen zu. Unsere Mitarbeiter finden diese Vorfälle erschreckend“, sagt Pflegedienstleiterin Birgit Hansen vom Mutter-Rosa-Altenzentrum in Trier. Frank Voss, Pflegedienstleiter der Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Barmherzigen Brüder in Saffig, bestätigt diesen Ein- druck: Gewalt gegen Pflegende sei auch in der Psychiatrie und in der

Akutversorgung der somatischen Medizin – und dort häufig in den Notaufnahmen – ein Thema: „Viele Patienten und Angehörige verstehen nicht, dass es um Notfälle geht, wo nicht die Reihenfolge, sondern die Dringlichkeit entscheidet. Das ist für die Kollegen eine Wahnsinnsbelastung. Da wird beispielsweise ein Patient intubiert mit einem Polytrauma in die Notaufnahme gebracht und ein anderer Patient kommt am selben Tag, um seine Erkältungsbeschwerden abklären zu lassen. Dieser beklagt sich dann wie an der Wursttheke, dass er doch eigentlich jetzt ‚dran‘ sei. In solchen oder vergleichbaren Situationen kommt es leider immer häufiger zu verbalen, aber auch tätlichen Übergriffen gegenüber Pflegenden, die nicht nur die Versorgung der Patienten gefährden, sondern auch zu sehr schweren Belastungen bei Pflegenden führen.“

„Wenn Sie von Ihrer Persönlichkeitsstruktur her jemand sind, der harmoniebedürftig ist, dann können Sie 38 Fortbildungsseminare besuchen, das wird immer ein Teil ihrer Persönlichkeit bleiben – was auch

grundsätzlich kein Problem ist“, so Voss. „Das heißt also, man muss für sich selbst reflektieren, wie die eigene innere Kodierung aussieht und eine Haltung entwickeln, wie man im Fall von Entgleisungen und persönlichen Anfeindungen den damit verbundenen Stress bewältigen kann. Und es geht um die Frage, wie man seine innere Ruhe und Autonomie bewahren, aber auch authentisch sein kann. Man muss wissen, wo die persönlichen Grenzen sind, wie ich auf Grenzüberschreitungen professionell reagieren und mich selbst schützen kann. Pflegende werden ja nicht dafür bezahlt, Sparringspartner von Patienten zu sein.“

Lesen Sie weiter und erfahren Sie, wie Pflegende grenzüberschreitende Vorfälle verhindern können.

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