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Ernährung im Pflegeheim

Gepflegt essen und trinken

Beim Ernährungsmanagement im Pflegeheim gilt es, Mangel- und Unterernährung vorzubeugen - und dabei das Recht auf Selbstbestimmung zu wahren.

Im Alter verändert sich der Körper. Die Muskel- und Knochenmasse sowie der Wassergehalt nehmen ab, während der Fettanteil steigt. Alte Menschen sind körperlich oft nicht mehr so aktiv, haben einen geringeren Energie­umsatz. Auch Geruchs- und Geschmackssinn nehmen ab, was den Appetit mindert. Die Folge: Senioren essen in der Regel weniger als junge Menschen. Solange sie ausreichend Vitamine und Nährstoffe zu sich nehmen, ist das kein Grund zur Sorge. Problematisch wird es erst, wenn die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme geringer ist als der Bedarf und sie mangel- oder unterernährt sind.

In Pflegeheimen ist das bei drei bis 48 Prozent der Bewohner der Fall, wie aus einer internationalen Literaturstudie hervorgeht, die 2017 im Zuge der Aktualisierung des Expertenstandards „Ernährungsmanagement zur Sicherung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege“ veröffentlicht wurde. Als Folge von Mangel­ernährung steigt die Häufigkeit von Krankheiten sowie die Sterblichkeit.

Ernährung – Stiefkind der Altenpflege?

„Im Bewusstsein vieler Pflegefachpersonen ist der Stellenwert der Ernährung zu wenig ausgeprägt“, sagt Dorothee Volkert, Professorin für Klinische Ernährung im Alter an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Dabei ist die Pflegeaufgabe „Ernährungsberatung“ im Altenpflegegesetz explizit definiert und somit fester Bestandteil der Pflegeausbildung (§ 3 Abs. 5 AltPflG). Oft fehle jedoch die Zeit, sich näher damit zu beschäftigen, meint Volkert. „Es ist aber auch eine Frage der Organisation – also wie man die Pflegezeit einteilt und wofür man sie verwendet.“

Hilfe zur Selbsthilfe

Aber: Was genau ist eigentlich gemeint mit „Ernährungsberatung“? Laut Sabine Bartholomeyczik, Pflege-Professorin und wissenschaftliche Leiterin der Expertenarbeitsgruppe, die vergangenes Jahr den Expertenstandard „Ernährungsmanagement“ auf den neuesten Stand gebracht hat, geht es in erster Linie darum, die Bewohner bei der Selbsthilfe zu unterstützen. „Machen Sie ihnen klar, was Mangelernährung ist und welche Möglichkeiten und Hilfsmittel diesen zur Verfügung stehen, wenn sie nicht essen wollen oder können“, rät Bartholomeyczik.

Zudem sei der pflegediagnostische Blick während der Mahlzeiten das A und O gelungener Ernährungsberatung. „Dinge wie Pflegeangebote oder Aufräumen sollten während des Essens zurückgestellt werden, damit das gesamte Personal ermuntern und unterstützen kann wo nötig. Vor allem sollte es beobachten, ob oder warum einige Bewohner nicht oder nur wenig essen“, so die Expertin.

Mehr zum Schwerpunkt gesunde Ernährung lesen Sie im interaktiven Kammermagazin.

Einen Fragebogen zum Screening der Ernährungssituation von Bewohnern können Sie hier herunterladen:

PEMU-Fragebogen zum Screening des Risikos für Nahrungsmangel

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