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Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz.
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Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz.

Kommentar von Dr. Markus Mai, Präsident Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

Es ist Zeit für Taten, nicht nur für Worte

Nach dem kraftvollen rheinland-pfälzischen Pflegetag, der mit mehr als 1.300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, 60 Ausstellern und großer politischer Teilnahme ein voller Erfolg war, nehmen wir nun neuen Elan mit, um die Realität unserer Pflegefachpersonen und -einrichtungen klar anzusprechen.

Der Pflegetag war zweifellos ein Highlight, das die Stärke unserer Berufsgruppe im intensiven Austausch und der Diskussion zentraler Themen zeigte, doch trotz dieser Erfolge dürfen wir die wirtschaftliche Realität nicht ignorieren.

Umfragen der Diakonie Deutschland und der Pflegegesellschaft RLP belegen den enormen Druck auf die finanzielle Situation der ambulanten Pflegedienste. Über 72 Prozent dieser Dienste sehen sich in einer angespannten wirtschaftlichen Lage, 54 Prozent schlossen das Jahr 2022 mit einem Defizit ab, und acht Prozent stehen sogar existenziell auf der Kippe.

Reale Kosten anerkennen

Deshalb richte ich einen klaren und fordernden Appell an die Politik und die Pflegekassen: Jetzt sind proaktive Vergütungsverhandlungen nötig! Die Pflegedienste müssen für ihre harte Arbeit fair vergütet werden, und es ist absolut entscheidend, die realen Kosten anzuerkennen. Rechnungen müssen zeitnah beglichen werden und Prüfzeiten müssen drastisch verkürzt werden. Diese Maßnahmen sind unerlässlich, um die Liquidität der Pflegedienste zu sichern. Auf der anderen Seite müssen die Pflegeeinrichtungen aber auch ihren Teil dazu beitragen, dass Verhandlungen nicht verzögert werden. Jede Verzögerung erhöht das Risiko, dass Arbeitsplätze von Pflegefachpersonen gefährdet werden und die Versorgungssicherheit bei unseren Pflegeempfängern beeinträchtigt sein wird.

Finanzierungssystem überdenken

Auch in den Krankenhäusern herrscht eine erhebliche finanzielle Krise, wie Insolvenzen und Schließungen in verschiedenen Städten bezeugen. Es ist höchste Zeit, das Finanzierungssystem grundlegend zu überdenken. Eine bundeseinheitlich gesetzliche Festschreibung einer Mindestinvestitionsquote der Länder könnte der Schlüssel sein, um die Investitionskostenfinanzierung nachhaltig sicherzustellen. Daneben bedarf es zusätzlicher Mittel aus der Bundesebene, um die Finanzierung nachhaltig zu sichern. Krankenhausschließungen nach darwinistischem Muster lehnen wir auf das Schärfste ab. Politik muss mit offenem Visier sagen, welche Krankenhäuser zukünftig wie benötigt werden.

Die professionelle Pflege ist das Rückgrat unseres Gesundheitssystems und es liegt in unserer kollektiven Verantwortung sicherzustellen, dass Pflegedienste, stationäre Langzeitpflegeeinrichtungen und Krankenhäuser weiterhin die Versorgung auf höchstem Niveau bieten können. Es ist Zeit für Taten, nicht nur für Worte. Lassen Sie uns gemeinsam für eine gerechte und nachhaltige Zukunft unserer Berufsgruppe kämpfen! Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

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