Foto: Clemens Hess

Kommentar

„Endlich hat unser Beruf ein klares Profil“

Warum die Errichtung weiterer Pflegekammern dringend notwendig ist, wie die Berufsordnung das Bild der Pflege bestimmt und welche politischen Maßnahmen unbedingt umgesetzt werden müssen

Liebe Leserin, lieber Leser!

Bei gesundheitspolitischen Debatten steht die Pflege als Profession derzeit zu Recht im Mittelpunkt. Daran haben starke Pflegeinstitutionen selbstverständlich einen großen Anteil, da nur durch eine umfassende Organisation der Pflegefachpersonen Änderungen in Gang gesetzt werden können. Die Errichtung weiterer Pflegekammern in diesem Jahr ist dringend erforderlich, da dieser politische Organisationsgrad ausgebaut werden muss, um nicht anderen Lobbygruppen das Feld allein zu überlassen. Nur so lässt sich die fortschreitende Rationierung im Pflegebereich stoppen.

Die Demonstrationen der Pflegefachpersonen zeigen doch deutlich: Bei der Berufsgruppe herrscht eine Unzufriedenheit, die sich nur durch strukturelle Änderungen beseitigen lässt. Eine bessere Entlohnung, eine beschleunigte Entbürokratisierung sowie die Etablierung von Personalbedarfsinstrumenten müssen als Grundlage einer sogenannten „Pflege-Reform“ dienen. Die Politik muss endlich aufwachen und genau diese Maßnahmen umsetzen. Anderenfalls verliert sie ihre Glaubwürdigkeit, und das auf unbestimmte Zeit!

Doch wann kann überhaupt von professioneller Pflege die Rede sein? Bei unserem dritten Pflegetag stand die von uns konzipierte, gesetzlich verankerte Berufsordnung (BO) im Mittelpunkt. Mit ihr legt die Berufsgruppe selbst fest, welche Bereiche durch ihre Profession abgedeckt werden und wo eine Grenze zu ziehen ist. Die BO schafft somit ein Bewusstsein dafür, welchen Radius die Pflege überhaupt abdeckt. Es kann nicht angehen, dass Pflegende teilweise zu Aufgaben gezwungen werden, die mit ihrem Berufsbild absolut nicht kompatibel sind, während andere wichtige Aufgaben auf der Strecke bleiben. Mit der BO reiht sich die berufliche Pflege endgültig in die Riege der selbstverwalteten Heilberufe ein und definiert ein nach außen vertretbares Bild unserer Profession. Ein absolutes Novum!

Das 2019 hergestellte Momentum müssen wir nutzen, um zusammen mit politischen Entscheidungsträgern, Berufsverbänden und den Gewerkschaften bessere Arbeitsverhältnisse durchzusetzen. Auch müssen wir bei der Eigenbeteiligung der Pflegebedürftigen einen fest bezahlbaren Betrag fordern. Es muss ausgeschlossen werden, dass Pflege arm macht! Die Politik ist bei diesen zentralen Fragen mehr als gefordert! Für mich ist klar, dass wir die Talsohle in der Pflege noch nicht erreicht haben und wir damit rechnen müssen, dass sich die Situation der Pflege verschärfen wird. Ein starker Zusammenhalt innerhalb der Berufsgruppe war zu keiner Zeit so wichtig wie heute. Diesen wünsche ich mir für dieses Jahr.

Autor: Markus Mai

Das könnte Sie auch interessieren...

Illustration einer Frau, die in ein Megafon spricht mit blauen und grauen Streifen
Foto: Mathilde Schliebe

Pflegepolitik

Bundespflegekammer am Start

Die Landespflegekammer hat zusammen mit den Kammern in Niedersachsen und Schleswig-Holstein sowie dem Deutschen Pflegerat in Berlin die Pflegekammerkonferenz gegründet.

Foto: Lisa Treusch

Berufsordnung

Berufsordnung - die häufigsten Fragen der Mitglieder

Die Berufsordnung ist in ihrer Deutlichkeit und Konsequenz ungewohnt für Pflegefachpersonen. Sie steht für ein neues Selbstverständnis. Kein Wunder, dass viele Fragen aufkommen. Wir fassen die häufigsten Fragen für Sie zusammen und geben Antworten.

Foto: LPflk

Interview Sandra Postel

Kammern als Impulsgeber auf DPT

Das Programm des Deutschen Pflegetags vom 12. bis 14. März in Berlin wird inhaltlich erstmals von den Pflegekammern mitorganisiert. Vertreter der Pflegekammern Schleswig- Holstein, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz sind im Programmbeirat vertreten.

Foto: Helena Melikov

Programmbeirat

Warum den Pflegetag besuchen?

Wir fragten diejenigen, die es am besten wissen müssen: die fünf Mitglieder des Programmbeirats.