Foto: ©Monkey Business

Ethische Fallbesprechung

Eine Frage der Mentalität

Expertise und Akzeptanz: Ethische Fallbesprechungen bringen in der klinischen Praxis alle an der Versorgung Beteiligten an einen Tisch.

Was ist richtig, was ist falsch? Diese Frage beantworten die meisten Menschen zunächst einmal intuitiv. Orientierung bietet ihnen dabei ihre Lebenserfahrung, Erziehung, Sozialisation, Religion und berufsständische Mentalität. So erstaunt es nicht, dass Pflegefachpersonen, Ärzte, Seelsorger und Therapeuten die Situation eines Patienten oder Bewohners ganz unterschiedlich wahrnehmen und einordnen.

Bei komplexen ethischen Sachverhalten sowie unterschiedlichen Grundhaltungen - zum Beispiel der Frage nach einer Therapiezieländerung bei einem Patienten oder Bewohner - bietet sich die Methode einer ethischen Fallbesprechung an. "Dabei handelt es sich um ein strukturiertes und moderiertes Gespräch, das hilft, Probleme zu analysieren und damit verbundene Fragen zu bearbeiten", sagt Margit Haas, Professorin für Pflegewissenschaft an der Universität Trier. Das in der Organisationsethik entwickelte Instrument kann multiprofessionelle Teams dabei unterstützen, über aktuelle moralische Dilemmata zu beraten (prospektiv), zurückliegende Ereignisse zu reflektieren (retrospektiv) oder mögliche Probleme in der Zukunft zu vermeiden (präventiv).

Die Nimwegener Methode

Professorin Haas hat gute Erfahrungen mit der ethischen Fallbesprechung nach der Nimwegener Methode gemacht, die speziell auf die Bedürfnisse der klinischen Praxis zugeschnitten ist. Diese sieht vier Schritte vor: 1. Bestimmung des ethischen Problems, 2. Interpretation der Situation, 3. ethische Analyse und Bewertung und 4. Beschlussfassung und Entscheidungsfindung.

"Unabhängig davon, für welches Interaktionsmodell ein Team sich entscheidet, gilt: Der Aufwand für die Fallbesprechung sollte möglichst geringgehalten werden", betont die Wissenschaftlerin. Das heißt, die Beteiligten ziehen sich zum verabredeten Zeitpunkt an einen ruhigen Ort im Arbeitsumfeld zurück - zum Beispiel in einen Besprechungsraum. Eine involvierte Person schildert zu Beginn den Fall, dann gehen alle gemeinsam strukturiert die oben genannten Schritte durch. Die Gesprächsleitung übernimmt idealerweise ein erfahrener Moderator.

Autorin: Kati Borngräber

Den Artikel in voller Länge lesen Sie im interaktiven Kammermagazin.

Das könnte Sie auch interessieren...

Ausgabe Nr. 10/2018

Kammermagazin interaktiv – Pflegeethik

Brauchen wir eine Pflegeethik? Unbedingt! In Ausgabe 10 erfahren Sie, was diese ausmacht – und wie Pflegende Einfluss auf ethische Entscheidungen nehmen.

Dossier

Auf die Pflegenden kommt es an

Pflegeethik: Was damit gemeint ist, wem sie nützt und warum es sie gibt. Darum geht es im Dossier der Ausgabe 10 des Kammermagazins.

Ethik in der Pflege

Anwälte der Patienten und Bewohner

Bei ethischen Fragen nehmen Pflegende eine besondere Rolle im therapeutischen Team ein. Denn oft bauen sie eine enge Beziehung zu den zu Pflegenden auf.

Expertentipps

Das müssen Sie lesen!

Welche Bücher oder Filme rund um Ethik in der Pflege lohnen sich? Wir haben drei Experten aus Rheinland-Pfalz gefragt.