Foto: Daniel Kondratiuk

Interview

Eine eigenständige Pflegeethik? Unbedingt!

Wie unterscheiden sich Pflegeethik und Medizinethik? Wir haben Ingo Proft vom Ethik-Institut der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar gefragt.

Pflegeethik und Medizinethik sind eng verwandt - wie lassen sie sich voneinander abgrenzen?

Inhaltlich zeichnen sich Medizinethik und Pflegeethik durch die gemeinsame Sorge für den Patienten, den Bewohner einer Einrichtung und die Angehörigen aus. Sie verbindet die Achtung vor der Person, die Anerkennung der Selbstbestimmung und der grundlegende Schutz des Lebens. Konkret ist die Medizin in der Praxis jedoch vielfach vorrangig von der Wiederherstellung der Gesundheit geleitet - auch wenn neuere Entwicklungen, etwa in der Palliativmedizin, deutlich weiter gehen. Dem zur Seite steht ein von jeher weites Feld der Fürsorge in der Pflege. Diese unterschiedlichen Perspektiven bilden sich auch in der ethischen Bewertung von Entscheidungen und der Wahl konkreter Maßnahmen der jeweiligen Disziplinen ab.

Ist es also richtig und wichtig, dass es eine eigenständige Pflegeethik gibt?

Es ist unbedingt notwendig. Dies ist jedoch weniger im Sinne einer Separation zu verstehen. Ethik, egal welches Bereichs, will kommunikativ, verständlich und anschlussfähig sein. Eine Pflegeethik muss daher die besonderen Perspektiven und Frage­stellungen der Pflege - besonders den Bereich der Fürsorge, der Begegnung und der zwischenmenschlichen Nähe - ins Bewusstsein rücken.

Das heißt, Sie verstehen die beiden Disziplinen nicht als Konkurrenten?

Im Gegenteil: Ethik hat stets auch eine Anwaltsfunktion für die Schwachen und der Hilfe bedürftigen Menschen. Hier verbinden sich Medizin- und Pflegeethik in ihrer jeweils eigenen Sicht auf die Patienten.

Interview: Kati Borngräber

Das komplette Dossier zum Thema Pflegeethik finden Sie im interaktiven Kammermagazin.

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