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VERTRETERVERSAMMLUNG VOM 28. NOVEMBER 2023

Die Zukunft der Pflege fest im Blick

Im Mittelpunkt der jüngsten Vertreterversammlung stand das Projekt „Vision 2030“, das in fünf Handlungsthesen die zukünftige pflegerische Versorgung der Gesellschaft im Jahr 2030 skizziert und die Handlungsfelder der Landespflegekammer für die kommenden Jahre umschreibt.

„Wir haben eine Vorstellung davon, wie Pflege sein muss, damit sie zukunftsfähig ist und wirkt. Wir denken Gesellschaft, Politik und Pflege zusammen und wollen mit starker Stimme selbstbestimmt handeln – auf Landes- und Bundesebene.“ Mit diesen Worten stellte Vizepräsidentin Andrea Bergsträßer bei der jüngsten Vertreterversammlung kurz vor dem Pflegetag Rheinland-Pfalz die erarbeitete „Vision 2030“ vor.

„Grundlage dieser Vision sind die bereits im Jahr 2016 formulierten Ursprungsziele der Landespflegekammer“, so Bergsträßer. Der Vorstand habe sie in fünf Handlungsthesen zusammengefasst, die als eine Art Impuls zu verstehen sind. „Das weitere Ausformulieren und die Konkretisierung der Vision wird eine nächste Aufgabe sein. Heute ist es unser Ziel, einen Orientierungsrahmen zu verabschieden“, erläuterte Vizepräsidentin Andrea Bergsträßer den Vertreterinnen und Vertretern das Projekt.

Keine Entscheidung ohne uns

Integration von Pflegeexpertise in alle gesundheits- und pflegepolitischen Entscheidungen

  • Pflege hat eine starke Stimme – im Land und im Bund
  • Pflege verwaltet und gestaltet sich selbst
  • Pflege handelt unabhängig und eigenverantwortlich
  • Pflege spricht mit, wird gehört und gibt kompetente Antworten

„Insgesamt zielt diese Handlungsthese darauf ab, die Pflege im Jahr 2030 zu einem eigenständigen und gestaltenden Akteur im Gesundheitswesen zu machen“, erklärt Andrea Bergsträßer. Im Jahr 2030 soll die Pflege in der Position sein, sich auf Bundes- und Landesebene selbst zu verwalten. Die Pflege habe damit nicht nur eine starke Stimme, sondern ist aktiv an der Entwicklung und Umsetzung von Lösungen beteiligt, um eine hochqualitative und bedarfsgerechte Versorgung für alle Bürgerinnen und Bürger sicherzustellen. Ein zentraler Aspekt dieser Transformation ist die Einführung der Position einer „Chief Government Nurse“ im Bundeskanzleramt. Diese Schlüsselrolle gewährleiste unter anderem eine maßgebliche Beteiligung von Pflegeexpertise in allen pflege- und gesundheitspolitischen Fragestellungen.

Gesundheit im Fokus

Umsetzung eines präventiv wirksamen öffentlichen Gesundheitswesens

  • Gesundheit ist unabhängig von Bildung und Status
  • Vorsorge und Aufklärung machen Menschen gesünder
  • Prävention führt zu Gesundheit im Alter

Mit dieser These soll die Gesundheitskompetenz der Gesellschaft nachhaltig gestärkt und als Teil einer zukunftsweisenden Pflegepolitik gesehen werden. Andrea Bergsträßer: „Indem Prävention und Aufklärung  im Mittelpunkt stehen und unabhängig vom sozialen Status jedem Bürger zugänglich sind, wird eine ganzheitliche und langfristige Gesundheitsförderung ermöglicht. Unter dem Leitsatz ‚Gesundheit für alle unabhängig von Bildung und Status‘ müssen gezielte Maßnahmen ergriffen werden, um die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung zu fördern.“

Weiterentwicklung statt Stillstand!

Qualitativ hochwertige, evidenzbasierte Weiterentwicklung der Profession Pflege

  • Differenzierte Entwicklung und Umsetzung von Berufsbildern im Gesundheitswesen
  • Pflege auf allen Qualifikationsniveaus: Skill-Mix, generalistische und akademische Ausbildung
  • Umfassende Heilkundeübertragung und mehr Befugnisse für Pflegende
  • Qualitätsstandards werden erfüllt: Beste Pflege wird umgesetzt

„Eine zentrale Säule dieser Handlungsthese ist die Anerkennung der Pflege als evidenzbasierter Heilberuf. Pflegefachpersonen agieren nicht nur als Ausführende, sondern als Experten im Bereich der Heilkunde, basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen“, erläutert die Vizepräsidentin diese Forderung der Vision 2030. Um dies zu erreichen, müsse eine gezielte Förderung von Fortbildung, Weiterbildung und insbesondere akademischer Bildung ermöglicht werden, damit eine breite und hochqualifizierte Pflegebelegschaft die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen im Gesundheitswesen erfolgreich bewältigen kann.

Ran an das Gesundheitssystem!

Grundsätzliche Neuausrichtung des Sozial- und Gesundheitssystems

  • Perspektivwechsel hin zu einem bedarfsorientierten Gesundheits- und Pflegesystem
  • Vergütung und Finanzierung orientiert sich an der Pflegequalität
  • Pflege ist ein „freier Beruf“ und verdient gutes Geld
  • New Work ermöglicht mehr Mitsprache

Das Gesundheits- und Pflegesystem muss 2030 grundlegend neu ausgerichtet werden. Diese Neuausrichtung soll sich sowohl auf die Finanzierung und die Regulierung als auch auf die Arbeitsstrukturen erstrecken. Es gelte, das System bedarfsorientiert zu gestalten und Pflege als „freien Beruf“ zu etablieren, um umfassende Mitsprache aller Akteure im Gesundheits- und Pflegewesen zu ermöglichen, so Andrea Bergsträßer. Beginn der Neuausrichtung sei eine Finanzierung nach Outcome, wodurch die Qualität der Pflege den zentralen Faktor für die Vergütung und Finanzierung bilde.

Kompetent auf den Wandel reagieren!

Ausrichtung des Pflegesystems auf demografische Entwicklungen

  • Laien und professionell Pflegende handeln im Einklang: Einbezug pflegender Angehöriger in den Pflegeprozess
  • Pflege übernimmt die Schlüsselrolle und geht in Führung
  • Versorgungsplanung wird unter Einbindung der Profession sinnvoll gesteuert

Zusammenfassend strebt diese Handlungsthese eine Kooperation zwischen Gesellschaft und professionellen Pflegefachpersonen an. Andrea Bergsträßer: „Eine klare Aufgabenverteilung, gesetzliche Regelungen und die aktive Rolle der Pflege in der Führung der Versorgungsplanung bilden hierbei die Grundlage.“

Die Vertreterversammlung stimmte der Veröffentlichung der „Vision 2030“ der Landespflegekammer zu, sodass die zentralen Inhalte der Vision Pflege 2030 auf insgesamt sechs Roll-ups im Rahmen des Pflegetags präsentiert werden konnten.

Fortbildungsordnung

Das Thema Bildung nahm gleich mehrere Tagungsordnungspunkte in Anspruch: Um das Recht der Pflegefachpersonen auf Bildung zu stärken, eine hohe Qualität der Pflege zu gewährleisten und eine kontinuierliche Weiterentwicklung der beruflich Pflegenden zu ermöglichen, erarbeitet die Pflegekammer derzeit die bundesweit erste Fortbildungsordnung für Pflegefachpersonen. Vorstandsmitglied Christoph Becker unterstrich in seinem Sachstandsbericht abermals die Komplexität des Vorhabens. Die „Arbeitsgruppe Fortbildungsordnung“ erarbeitete in anspruchsvoller Detailarbeit die Grundlagen. Alle Gremien der Kammer entwickeln nun Schritt für Schritt den ersten Entwurf einer ausformulierten Fortbildungsordnung. Voraussichtlich am 6. März 2024 wird sich die Vertreterversammlung in einer ersten Lesung mit diesem Entwurf befassen. „Das ist der nächste große Meilenstein“, so Vorstandsmitglied Christoph Becker.

Weiterbildung

Mit ihrer Weiterbildungsordnung hat die Pflegekammer bereits vor einigen Jahren eine bis dahin bundesweit einmalige Innovation in der beruflichen Bildung von Pflegefachpersonen etabliert. Durch Änderungen im Landesheilberufsgesetz mussten nun formale Anpassungen an der Ordnung vorgenommen werden, denen die Vertreter durchweg zustimmten. Auf Antrag von Christa Keienburg, Ingo Kühn, Matthias Vogel-Heim, Christian Gröschel-Dübon und Birgit Hönig wurde außerdem diskutiert,

  1. ob bei Revision oder Neuerstellung der zweijährigen pflegefachlichen Weiterbildungen in RP auch die Kriterien für das „Niveau 6“ des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) erfüllt werden müssen,
  2. ob zukünftig auch relevante heilkundliche Inhalte und Tätigkeiten (je nach Spezialgebiet) in die Rahmenvorgaben der Weiterbildungen aufgenommen werden und
  3. ob die Landespflegekammer sofort nach Inkrafttreten einer Rahmenvorgabe einer pflegefachlichen Weiterbildung in Rheinland-Pfalz die Zuordnung des jeweiligen DQR-Niveaus beantragt.

Nun soll sich der Bildungsausschuss der Kammer vertieft mit den praktischen und den finanziellen Anforderungen der Umsetzung befassen.

Haushalt 2024

„Die Vertreterversammlung möge beschließen, dass für das Beitragsjahr 2024 die aktuell gültige Beitragstabelle der aktuell gültigen Beitragsordnung bestätigt wird.“ Diesen Antrag präsentierte der Vorsitzende des Finanzausschusses, Raphael Baumann, und die Vertreterversammlung stimmte mehrheitlich zu. Ganz ohne Diskussion verlief der Tagesordnungspunkt „Haushalt 2024“ jedoch nicht. Dass die Mitgliedsbeiträge trotz inflationsbedingt gestiegener Kosten seit Bestehen der Kammer nicht angehoben wurden, sei keine Selbstverständlichkeit, so Baumann. Der Haushaltsplan 2024, der den Abbau von finanziellen Altlasten ebenso wie perspektivische Investitionen berücksichtigt, sei noch schätzgenauer als vorangegangene Haushalte. Abschließend wurde der Haushaltsplan für 2024 erfolgreich verabschiedet.

Fachsprachenprüfung, Nachhaltigkeit, Finanzierungsfragen

Im Rahmen des Anerkennungsverfahrens in Rheinland-Pfalz müssen Pflegefachpersonen, die ihre Prüfung im Ausland abgelegt haben, ihre fachsprachlichen Kenntnisse nachweisen. Die Prüfung dient der Feststellung der für den Gesundheits- und Krankenpflegeberuf erforderlichen Fachsprachkenntnisse auf dem Niveau B2. Die Landespflegekammer übernimmt die Konzeption, Organisation und Durchführung der Fachsprachenprüfung für Gesundheitsfachberufe in Rheinland-Pfalz ab 2024. „Hierzu ist die Kammer mit dem zuständigen Landessozialministerium bereits seit einigen Monaten in Kontakt. Die Vorbereitungen laufen, wie unter anderem all diejenigen von Ihnen wissen, die sich bereits als mögliche Fachsprachprüfende meldeten“, informierte Geschäftsführer David Dietz die Vertreterversammlung.

Beim Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit möchte die Kammer noch mehr leisten, das hatte die Versammlung bereits im Juni 2023 beschlossen. Freiwillige Beiträge des Vorstands, der Vertreterinnen und Vertreter sowie der Geschäftsstelle zum Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz sollen zusätzlich konzeptionell gestützt werden. „Es soll heute noch kein Beschluss über konkrete Maßnahmen gefasst werden“, erörterte Geschäftsführer David Dietz. „Gleichwohl möchten wir Ihnen einen Eindruck davon geben, was weitere konkrete Maßnahmen der Kammer sein können.“ Dazu zählen die weitere Digitalisierung des Kammermagazins, das Abhalten virtueller Sitzungen der Vertreterversammlung anstelle von Präsenzsitzungen sowie ein grundsätzlich digitaler Schriftverkehr der Kammer in allen Fällen, in denen keine Schriftform erforderlich ist.

Die nächste Vertreterversammlung findet am 6. März 2024 statt. Anmeldungen richten Sie bitte an: vorstandsbuero@pflegekammer-rlp.de

Mehr zur Vision 2020 finden Sie hier: https://pflegekammer-rlp.de/vision2030/

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