Eine alte Frau spielt mit einer jüngeren Frau Puzzel
Foto: ©Alexander Raths

Betreuungskräfte

Die wollen doch nur spielen!

Professionelle Betreuung kann Pflegeheimbewohnern ein Stück Lebensqualität schenken – wenn sie sich an ihren Ressourcen und Biografien orientiert.

Nicht nur Burnout, auch Boreout ist eine ernstzunehmende depressive Erkrankung. Gerade alte Menschen sind häufig von Letzterem betroffen - insbesondere, wenn sie pflegebedürftig und auf fremde Hilfe angewiesen sind. Eine passende Beschäftigung zu finden und ihren Tag selbst zu strukturieren, überfordert sie. In einer stationären Pflegeeinrichtung haben sie sehr viel Zeit. Zwar können sie im Regelfall an den dort angebotenen Beschäftigungen teilnehmen – wenn sie körperlich und kognitiv noch in der Lage dazu sind –, doch oft passen die Angebote nicht zu ihren Bedürfnissen.

Fokus: Individualität

Denn während sich einige Bewohner mit Freude an der gemeinsamen Zubereitung des Nudelsalats für den Grillabend beteiligen, gern Sprichwörter ergänzen oder sich schon auf das Vorlesen nach dem Mittagessen freuen, würden andere lieber kegeln gehen, Skat spielen, Fahrräder reparieren oder einfach nur die Tauben im Garten beobachten. Die strukturelle Inflexibilität vieler Einrichtungen zwingt den Bewohnern vielfach Beschäftigungsangebote auf, die sie eher ablehnen und die nichts mit ihrer eigenen Biografie zu tun haben.

Zu wenig Zeit

Prinzipiell sind Pflegefachpersonen dafür ausgebildet, alte Menschen in der Tagesgestaltung und bei selbst­organisierten Aktivitäten zu unterstützen. In der Ausbildung lernen sie, sinnvolle und ressourcenorientierte Beschäftigung in den Alltag der Bewohner zu integrieren. Leider kommt dieses Wissen gar nicht oder immer seltener zum Einsatz, denn in vielen Einrichtungen erreicht das Betreuungsangebot die Mehrzahl der Bewohner emotional nicht: montags Gymnastik, dienstags Spielenachmittag, freitags Basteln, sonntags Gottesdienst. Multimorbide und demenziell erkrankte Bewohner sind sogar häufig komplett außen vor. Grund ist die Arbeitsdichte der Pflegefachpersonen - neben Körper- und Behandlungspflege sowie Dokumentation bleibt wenig Zeit, zusätzlich noch Beschäftigungsangebote detailliert zu planen, vorzubereiten und zu begleiten. Zudem fehlt vielen Pflegenden die notwendige Routine, da Beschäftigungen in den stationären Einrichtungen mittlerweile vor allem von Betreuungskräften i. S. d. § 43b SGB XI (vormals § 87b) übernommen werden - mit Angeboten, die eigentlich zu den Kern­aufgaben der Pflege gehören.

Erfolg messen

Die Einschätzung, ob eine Aktivierungsmaßnahme den gewünschten Effekt mit sich bringt, erfordert einen professionellen Blick und intensiven Austausch im interdisziplinären Team. Ob Betreuungskräfte dies leisten und das Team mit den notwenigen Informationen unterstützen können, ist abhängig von ihrer Vorerfahrung und ihrer Ausbildung. Im Rahmen des Pflegestärkungsgesetzes begleiten und unterstützen Betreuungskräfte in den voll- und teilstationären Pflegeeinrichtungen die Bewohner bei alltäglichen Aktivitäten wie Spaziergängen, Gesellschaftsspielen, Lesen oder Basteln.

Autorin: Katja Ranz

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