Foto: Nadine Steinmetz

Neuer DPR-Präsident im Interview

Die Pflege zwischen Optimismus und Dilemma

Der neue Präsident des Deutschen Pflegerates Franz Wagner (DPR) im Interview .

Herr Wagner, zunächst herzlichen Glückwunsch zur Wahl als Pflegepräsident des deutschen Pflegerates. Wie schätzen Sie es ein, übernehmen Sie ein schweres Erbe?

Ein schweres Erbe? Nein, das würde ich nicht sagen. Wir haben in den letzten vier Jahren ja einiges erreicht. Aber politische Prozesse sind langwierig, es dauert eben geraume Zeit, bis sich tatsächlich eine Veränderung einstellt. Auf dem Weg dorthin muss man sich mit vielen Alternativvorschlägen auseinandersetzen, auch mit der Gegnerschaft streiten, das ist keine einfache Aufgabe. Jetzt aktuell geht es konkret um die Frage, mit welcher Regierung und welchen Personen in den Schlüsselpositionen wir es in den kommenden vier Jahren zu tun haben werden.

Wie bewerten Sie das Ergebnis der Wahl? Wird sich, nachdem die Pflege quasi auf den letzten Metern in den Wahlkampf geschwappt ist, tatsächlich etwas ändern?

Die Koalitionsverhandlungen werden nicht einfach sein, denn wenn man sich, gerade im Bereich Gesundheit und Pflege, die Parteiprogramme anschaut, dann sind die Vorstellungen einigermaßen heterogen. Wie viel von der Rhetorik in der Endphase des Wahlkampfes überbleibt, bleibt abzuwarten. Wir wissen ja, Parteiprogramme sind das eine, was in der Koalition umzusetzen ist, ist das andere. Es ist unser Interesse, dass vernünftige Vereinbarungen im Koalitionsvertrag getroffen, aber dann auch bitte umgesetzt werden. Ich bleibe vorsichtig optimistisch, dass zumindest allen Beteiligten klar ist: Hier brennt gerade etwas an, für die Pflege ist dringend etwas zu tun.

Wird sich der DPR künftig noch stärker politisch einmischen?

Auf jeden Fall! Das ist das starke Mandat, das die Mitgliedsverbände dem Deutschen Pflegerat geben, und auch die Erwartung, die die Mitgliedsverbände an uns haben. Wir haben ja ganz bewusst diese Klammer über die Verbände hinweg gewählt, um durchsetzungsfähiger zu werden. Dazu gehört natürlich auch, politisch Einfluss zu nehmen. Und je schwieriger die Situation in der Pflege wird, desto politischer müssen wir werden.

Worauf wollen Sie Ihre Kraft verwenden? Wo setzen Sie Ihren Schwerpunkt?

Zum neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff haben wir schon jetzt viel beigetragen, aber zum jetzigen Zeitpunkt ist er noch stark auf die Begutachtung fokussiert. Momentan haben wir zwar mehr Gerechtigkeit bei der Beurteilung der Pflegebedürftigen, aber wenn sich in der Leistungserbringung nichts verändert, ist das nur der halbe Schritt dieser Reform. Bei der Ausbildung ist es ähnlich. Wir haben nach zähem Ringen die Generalistik durchgesetzt. Jetzt geht es auf den Weg gebracht, die Veränderung bringen sollen. Da bleiben wir dran, das werden wir pushen. Und egal, mit wem wir es auf der politischen Seite zu tun haben werden: Mit diesen Themen muss sich die nächste Regierung sehr schnell beschäftigen. Für die Pflegenden vor Ort muss sich rasch spürbar etwas verbessern.

Lesen Sie das vollständige Interview von Franz Wagner, auch zum Thema Bundespflegekammer, hier im Magazin.

Autor: Kerstin Werner

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