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Foto: Foto:  MSAGD
Dr. Alexander Wilhelm (SPD) ist seit 2018 Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerium und leitet die „Landeskoordinationsstelle Impfen“, in der alle am Impfprozess beteiligten Akteure vertreten sind.

Landeskoordinator im Interview

„Die Impfbereitschaft unter den Pflegenden ist hoch“

Wie geht es weiter mit der Impfkampagne in Rheinland-Pfalz? Niemand kann diese Frage besser beantworten  als der Staatssekretär im Gesundheitsministerium Rheinland-Pfalz, Dr. Alexander Wilhelm: Er ist Landesimpfkoordinator in Rheinland-Pfalz und vertritt das Ministerium in der Kampagne #IchLassMichImpfenRLP.

Wie ist die Impfkampagne in Rheinland-Pfalz angelaufen?   Die Impfkampagne ist in Rheinland-Pfalz insgesamt gut angelaufen. Wir dürfen dabei nicht vergessen, dass es sich um die größte Impfaktion in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland handelt. Wir impfen seit dem 27. Dezember 2020 in den Alten- und Pflegeheimen, seit dem 30. Dezember 2020 in den Krankenhäusern und seit dem 7. Januar 2021 parallel auch in den 31 Impfzentren. Damit gehen wir sehr in die Breite und erreichen möglichst viele Menschen, die nach der Impfverordnung des Bundes zur Gruppe der höchsten Priorität gehören. 

Gibt es beim Impfstoff Nachschub-Probleme – wenn ja: wie ausgeprägt sind sie? Sind die Impfungen der Pflegekräfte in Gefahr, auf Eis gelegt zu werden so wie in Nordrhein-Westfalen? Zunächst einmal: Alle Menschen, die eine Erstimpfung erhalten haben, können sicher sein, dass sie trotz des Ausbleibens von fest zugesagten Impfstoffdosen, auch die zweite Impfung erhalten. Das ist uns ganz wichtig.

 Darüber hinaus gilt: Der limitierende Faktor für die Anzahl und damit das Tempo der Impfungen ist weiterhin die Verfügbarkeit des Impfstoffs. Durch die aktuellen Lieferengpässe seitens des Bundes, der für die Impfstofflieferung verantwortlich ist, bekommen auch wir in Rheinland-Pfalz leider im Moment nicht so viele Impfdosen, wie avisiert. Das ist bedauerlich, weil die schnelle Impfung unser Weg aus der Krise ist.

 Aufgrund der Lieferengpässe mussten in Rheinland-Pfalz nun etwa 30.000 vereinbarte Termine für Erstimpfungen ab dem 27. Januar um je drei Wochen verschoben werden. In Rheinland-Pfalz gibt es jedoch, und das ist wichtig, keine Terminabsagen. Alle Betroffenen erhalten mit der Nachricht über die Terminverschiebung direkt ihre neuen Termine. In den Impfzentren können zeitweise nur noch Zweitimpfungen durchgeführt werden.

Die Erstimpfungen durch mobile Teams in den Alten- und Pflegeheimen werden fortgeführt, auch für die Pflegekräfte. Leider geht es wegen der geringeren Liefermengen nun insgesamt nicht so schnell voran, wie wir es gerne hätten und leisten könnten. Ich verstehe die Enttäuschung der Menschen, die nun länger auf ihre Impfung warten müssen. Ich kann versichern, dass wir als Land alles daransetzen, dass jede Bürgerin und jeder Bürger, die oder der impfberechtigt ist, auch schnellstmöglich geimpft werden kann.

Bis wann werden voraussichtlich alle Pflegenden ihre Impfungen erhalten haben?  Aufgrund der beschriebenen Lieferengpässe beim Biontech/Pfizer-Impfstoff können wir den Abschluss der Impfungen der Gruppe 1 nicht zeitlich eingrenzen. Fest steht: Den Impfstoff, den wir bekommen, werden wir zeitnah und zuverlässig verimpfen.  

Ein wichtiges Thema ist dabei nach wie vor die Impfbereitschaft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege. Aus Rückmeldungen der mobilen Impfteams wussten wir, dass die Bereitschaft zur Impfung zunächst unterschiedlich stark ausgeprägt war. Das hat sich inzwischen erfreulicherweise geändert, sodass wir heute eine hohe Impfbereitschaft feststellen können. Wir haben dazu sehr früh und erfolgreich mit der Pflegekammer und der PflegeGesellschaft Rheinland-Pfalz eine Kampagne gestartet, die sich gezielt an die Beschäftigten in der Pflege wendet und diese informiert. Es gibt dafür eine Internetseite, eine Kampagne in den sozialen Medien sowie Webinare mit Experten. Die Pflegenden sollen alle relevanten Informationen zur Corona-Schutzimpfung aus erster Hand bekommen und zusätzlich auch als Multiplikatoren agieren können. Das Projekt #IchLassMichImpfenRLP wird federführend von der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz umgesetzt - hierfür ein großer Dank.

Ich möchte mich an dieser Stelle außerdem wirklich herzlich bei allen Pflegekräften bedanken. Sie leisten Enormes für unsere Gesellschaft – erst recht jetzt, während der Pandemie.

Wie ist das Feedback: Haben alle bisher Geimpften das Vakzin gut vertragen? Ja, die Impfung wird im Allgemeinen gut vertragen. Bisher sind uns keine nennenswerten Impfreaktionen bekannt.

Da die Impfung sehr wahrscheinlich regelmäßig aufgefrischt werden muss: Werden Pflegekräfte im Herbst wieder geimpft? Nach derselben Routine (Information über den Arbeitgeber, Impfteams kommen in die Einrichtung)? Wie ein Impfprozess mit möglichen Auffrischungsimpfungen aussehen wird, können wir derzeit leider noch nicht sagen. Dafür fehlen schlicht die wissenschaftlichen Grundlagen. Selbstverständlich werden wir darüber aber zu gegebener Zeit informieren.  

AUF ICHLASSMICHIMPFENRLP.DE SOLLEN DIE PFLEGENDEN ALLE RELEVANTEN INFORMATIONEN ZUR CORONA SCHUTZIMPFUNG AUS ERSTER HAND BEKOMMEN UND ZUSÄTZLICH AUCH ALS MULTIPLIKATOREN AGIEREN KÖNNEN.

Infokasten:

Fast 160.000 Corona-Schutzimpfungen in Rheinland-Pfalz

Bisher gab es insgesamt 159.127 Corona-Schutzimpfungen in Rheinland-Pfalz. Davon 141.500 Erstimpfungen und 17.627 Zweitimpfungen (Stand Mitte Februar 2021)

In den Pflege- und Senioreneinrichtungen in Rheinland-Pfalz haben bisher 32.775 Impfungen bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stattgefunden. Davon waren 29.126 Erstimpfungen und 3.649 Zweitimpfungen.

Die rheinland-pfälzischen Kliniken können seit dem 30. Dezember 2020 eine "Eigenimpfung" ihrer Belegschaft durchführen. Hier gab es bisher bereits 20.029 Impfungen davon 15.936 Erstimpfungen und 4.093 Zweitimpfungen. Alle diese Zahlen geben den Stand vom 31. Januar 2021 wider.

Tagesaktuelle Zahlen zu den gemeldeten Impfungen bundesweit und nach Bundesland finden Sie auf der Webseite des Robert-Koch-Instituts 

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