Junge Krankenpfleger sitzen im Büro an einem Tisch, während eine Person steht und mit dem Stift an eine digitale Anzeigetafel zeigt.
Foto: Patric Dressel

Das perfekte Team

Die Akademisierung tut uns gut

Personalmangel, multimorbide Patienten, anspruchsvolle Angehörige – nie war Teamgeist so gefragt wie heute. Positive Beispiele aus Rheinland-Pfalz.

Die Pflege im Gesundheitszentrum Glantal in Meisenheim (213 Betten und Plätze) treibt die Professionalisierung kraftvoll voran. Der Akademisierungsgrad beträgt durchschnittlich acht Prozent, auf der Station für neurologische Rehabilitation sogar elf Prozent. Zum Vergleich: An den Unikliniken arbeiten durchschnittlich gerade einmal zu einem Prozent akademisierte Pflegefachpersonen.

Ist die Akademisierung in der Pflege erstrebenswert?

Nun gibt es durchaus Stimmen, die halten eine Akademisierung der Pflege gar nicht für erstrebenswert: Die Bachelor oder Master würden sich aus der Patientenversorgung zurückziehen – so ein Vorwurf, den gerade Ärztevertreter und Klinikchefs immer wieder vorbringen. Die neurologische Rehabilitation mit ihrem hohen Akademisierungsgrad ist der beste Beweis dafür, dass ein Studium für die Pflege nicht den Rückzug ins Studierzimmer oder in Managementgefilde bedeutet. „Meine Kollegin Anika Bruch und ich sind Teil des Teams, wir sind fester Teil des Stationsalltags, wir führen die gleichen Tätigkeiten aus wie alle anderen“, sagt Oliver Kallinowski, der auf seinem Namensschild die Bezeichnung „Pflegeexperte“ trägt. Der 38-jährige Vater von zwei Töchtern hat erst Altenpflege gelernt und später ein grundständiges generalistisches Bachelorstudium an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken absolviert.

„Wir können jetzt viel mehr umsetzen“

Wenn aber die Akademisierten genauso arbeiten wie alle anderen, stellt sich die Frage: Wozu braucht man sie? Wozu haben sie studiert? Sie dienen, so lässt es sich vielleicht am besten formulieren, der unmittelbaren Qualitätssicherung. Sie pflegen keine Handbücher in stillen Kämmerchen, nein, sie sind für ihre Kollegen da, die kontinuierlich Fragen an sie herantragen, etwa: Wie ist der neueste Stand beim PEG-Wundverband? Welche Matratzenauflage ist für diesen Patienten die beste? Die beiden Pflegeexperten sorgen dafür, dass immer ein frischer Wind weht, dass das So-haben-wir-das-schon-immer-Gemacht keine Chance hat.

Und das Gute: Auf der neurologischen Reha werden die beiden Pflegeexperten nicht als Besserwisser empfunden. „Die Kollegen sind an der Sache orientiert – oder besser, am Patientenwohl“, sagt Gabriele Weinig, kommissarische Stationsleitung. Diese Sachlichkeit hat auch geholfen, als sich das Team vor einem guten Jahr überhaupt erst bildete. Da wurden die Teams der 2a und 2b zusammengelegt. Gemeinsam sind die Kollegen jetzt für 30 Betten verantwortlich, von denen 18 bis 20 in der Regel mit sehr pflegeaufwendigen Patienten belegt sind.

Höheres Gehalt ist kein Problem für die anderen

Die beiden Pflegeexperten werden aber nicht nur akzeptiert, die Kollegen sehen klar die Vorteile. „Wir können jetzt viel mehr Dinge umsetzen als vorher“, meint Bettina Rick, Pflegekomplexmaßnahmen-(PKMS-)Beauftragte der Station. „Zum Beispiel hatten wir auch früher schon die Idee, wöchentlich kleine halbstündige Updates zu veranstalten, etwa zu Hilfsmitteln oder Blutentnahme am zentralen Venenkatheter. Aber erst durch die Pflegeexperten ließ es sich tatsächlich umsetzen.“ Oliver Kallinowski und seine Kollegen können Anliegen oft noch besser vor der Klinikleitung begründen, auch haben sie eher Gelegenheit, diese strukturiert umzusetzen. Schließlich gibt es für sie einmal in der Woche einen Bürotag. Ein Privileg, das die Kollegen akzeptieren, ebenso wie die Tatsache, dass die akademisierten Pflegefachpersonen so viel verdienen wie eine Stationsleitung.

Autorin: Kirsten Gaede

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