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Der Organspendeausweis bietet viele Möglichkeiten zu differenzieren: Soll es nur um bestimmte Organe gehen? Oder ausschließlich um Gewebe? Auch ein kategorisches „Nein“ zu jeder Art von Spende ist möglich.
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Der Organspendeausweis bietet viele Möglichkeiten zu differenzieren: Soll es nur um bestimmte Organe gehen? Oder ausschließlich um Gewebe? Auch ein kategorisches „Nein“ zu jeder Art von Spende ist möglich.

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Der Schritt zum Organspendeausweis fällt oft schwer

Immer mehr Menschen stehen einer Organspende eher positiv gegenüber. Trotzdem dokumentieren weniger als die Hälfte ihre Haltung in einem Organspendeausweis oder einer Patientenverfügung. Sollte es deshalb auch in Deutschland die Widerspruchslösung geben?

Ein Tabuthema? Nein, das ist die Organspende nicht: In einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) haben 60 Prozent der Teilnehmer angegeben, bereits mit Familienangehörigen oder Freunden über das Thema gesprochen zu haben. Einer Organ- oder Gewebespende positiv gegenüber stehen sogar 84 Prozent der Befragten (2010: 79 Prozent). 61 Prozent sagen, sie hätten bereits eine Entscheidung getroffen. Allerdings: Schriftlich dokumentiert in einem Organspendeausweis oder in einer Patientenverfügung haben nur 44 Prozent der Befragten ihre Entscheidung.

Wenn es um das schriftliche Dokumentieren geht, sind also verhältnismäßig viele zögerlich, von denen, die grundsätzlich eine Entscheidung getroffen haben. Danny Petzoldt, Pflegefachperson und Transplantationsbeauftragter, schätzt, dass der Anteil derjenigen mit Organspendeausweis (oder Hinweis in der Patientenverfügung) auch geringer ist als 44 Prozent: „Nach meiner Erfahrung und anhand der Daten, die wir für unsere Stabsstelle erheben, haben von den Personen, welche aufgrund einer schwersten Schädigung des Gehirns für eine mögliche Organ- und Gewebespende infrage gekommen wären, circa 22 Prozent ihre Entscheidung zur Organ- und Gewebespende in einem Organspendeausweis oder einer Patientenverfügung dokumentiert.“ Laut DSO liegt bei den potenziellen Organspendern sogar nur in 15 Prozent der Fälle eine schriftliche Entscheidung vor.

Bundesrat diskutiert Widerspruchsregelung

Die Entscheidung des Verstorbenen zu Lebzeiten (wenn nicht bekannt: Zustimmung der Angehörigen) als notwendige Voraussetzung für eine Organentnahme, ist nicht überall üblich. Es gibt unterschiedliche gesetzliche Regelungen: In vielen europäischen Ländern gilt statt der Entscheidungslösung die Widerspruchsregelung: Der Verstorbene wird zum Organspender, wenn er einer Organentnahme zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen hat. In einigen Ländern können die Angehörigen dann noch widersprechen, etwa in Griechenland und Italien; aber in Belgien und Luxemburg beispielsweise nicht.

Auch in Deutschland wird die Widerspruchsregelung diskutiert: 2020 ist sie im Bundestag gescheitert, jetzt wollen die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg über den Bundesrat einen Entschließungsantrag für eine erneute Abstimmung im Parlament einbringen. Doch das kann noch dauern: Der Bundesrat lässt den Antrag zunächst in seinen Fachausschüssen diskutieren.

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