Mitarbeiterbindung

Dem Ausstieg entgegenwirken

Mitarbeiter halten ist günstiger als Neue zu gewinnen! Welche konkreten Gestaltungsmöglichkeiten bieten sich Arbeitgebern und Führungskräften in der Pflege?

Es gibt einige Gründe für professionell Pflegende in Deutschland, aus ihrem einst erlernten Beruf auszusteigen, wobei nicht nur psychische und körperliche Belastungen eine

sehr große Rolle spielen. Eine ausbleibende leistungsgerechte Vergütung, fehlende Kollegen (geringe Personalausstattung) und die geringe Wertschätzung des Arbeitsgebers sind nur ein Teil der Faktoren, die zunehmend die Pflegefachpersonen geradewegs aus der Pflege treibt. Um den Ausstieg zu verhindern, ist jedoch nicht nur der Gesetzgeber, sondern insbesondere die Arbeitgeber und Führungskräfte in den Einrichtungen gefordert.

Annemarie Fajardo führt unter anderem die nachfolgende Faktoren an, die die Einrichtungen selbst in der Hand haben und damit die Arbeitsbedingungen unabhängig vom Gesetzgeber gestalten können:

  • Leistungsgerechte Vergütung

  • Reduktion der administrativen Aufgaben

  • Pflegeplanungen inklusive Problem-, Ziel und Maßnahmenbeschreibug

  • Verbesserung der Arbeitsabläufe

  • Ausreichend personelle und kontinuierliche Besetzung der Früh- und Spätversorgung bzw. Planungssicherheit der Dienste

  • ggf. Einsatz von Springerpools oder andere Maßnahmen zum Ausgleich bei Belastungsspitzen

  • und viele mehr.

Die Verantwortung liegt grundsätzlich bei denen, die die Rahmenbedingungen für diese Handlungsfelder schaffen – die professionell Pflegenden sind das ausführende Element, das sich bis dato dem vorgegebenen System angepasst hat. Krankhafte Symptome dieses Systems melden die professionell Pflegenden allerdings unüberhörbar zurück.

Den Dialog führen und einfordern

Die Arbeitsbedingungen führen zu einem immer größer werdenden Druck, insbesondere auch bei Nachwuchskräften. Diesen Druck zu artikulieren, ist die unbedingte Voraussetzung, damit der Dialog gemeinsam mit Arbeitgebern geführt werden kann. Auch Führungskräfte können Gesprächsplattformen in ihren Häusern anbieten, wo Mitarbeitende Verbesserungsvorschläge äußern können und sollen.

Grundsätzlich gilt: Arbeitgeber, die Rückmeldungen ihrer Führungskräfte aufgreifen und ernsthaft darauf eingehen, binden langfristig ihre Führungskräfte an ihr Unternehmen, sodass sie gemeinsam mit ihnen die notwendige Zusammenarbeit in ihrem Unternehmen für angemessene Strukturen herstellen können

Autor: Annemarie Fajardo

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