Foto: Nina Tiefenbach

Gewaltprävention

Deeskalation in der Notaufnahme

Enge, Hektik, lange Wartezeiten. Ein ungesundes Gemisch, das in der Notaufnahme Aggressionen schürt. Präventionskonzepte schützen Pflegefachpersonen.

Zeitung und Fernsehen haben viel über die zunehmende Gewalt in den Notaufnahmen berichtet. Möglicherweise ein wenig übertrieben: Eine Befragung der Berufsgenossenschaft (BGW) unter 1.060 jungen Ärzten und Pflegenden kommt zu dem Ergebnis, dass Gewalt am häufigsten auf der Intensivstation passiert, auf Normalstation und in der Notaufnahme vor allem körperliche Gewalt dagegen seltener.

Vorfälle immer melden!

Eine wirklich umfassende, substanzielle Untersuchung gibt es zu Gewalt in der Notaufnahme allerdings nicht. Das liegt auch daran, dass nicht alle Krankenhäuser die Vorfälle erfassen, und Mitarbeiter auch nicht alle Vorfälle melden. „Je mehr die Mitarbeiter belastet sind, desto weniger dokumentieren sie“, sagt Margot Dietz-Wittstock, Bereichsleitung Zentrale Notaufnahme in der Ev.-Luth. Diakonissenanstalt zu Flensburg.

Doch Vertuschen und Herunterspielen sind für Arbeitgeber wenig ratsam: Kommt es zu einer körperlichen Attacke gegen einen ihrer Mitarbeiter, sind sie verpflichtet, diese der Berufsgenossenschaft (BGW) oder Unfallkasse zu melden und dem Mitarbeiter mit einem Soforthilfeplan zur Seite zu stehen.

Konzept gegen Gewalt in der Notaufnahme

Jede Notaufnahme braucht ein Konzept gegen Gewalt. Auch die Prävention muss der Arbeitgeber im Blick haben: Ein regelmäßiges Deeskalationstraining sollte Standard sein, mahnt die BGW. Ebenso ein Hilfeplan für brenzlige Situation mit Elementen wie Personen-Notsignalgeräte, Fluchtmöglichkeiten, Rückzugsräume oder eine günstige Lage der Notaufnahme. „Bei uns sind körperliche Übergriffe relativ selten – das führe ich vor allem darauf zurück, dass wir ein Konzept haben. Dieses sieht beispielsweise vor, dass wir nahe an der Patientenaufnahme angesiedelt sind, sodass die Mitarbeiter dort schnell zur Stelle sind, wenn sich etwas anbahnt“, sagt Margot Dietz-Wittstock.

Ob eine Klinik auch noch einen Wachschutz engagiert oder gar Videokameras installiert, liegt in ihrem Ermessen. „Aber jede Notaufnahme braucht ein Konzept gegen Gewalt“, so Margot Dietz-Wittstock. „Dabei sollte es auch um Gewalt gegenüber Patienten gehen – die beginnt ja schon dabei, dass ich jemanden daran hindere, etwas zu tun, oder einen lauten, die Notaufnahme häufig frequentierenden Alkoholkranken zu duzen beginne.“

Autorin: Kirsten Gaede

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