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Stefan Klinck ist Koordinator bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), die bundesweit den Ablauf aller Organspenden organisiert.
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Stefan Klinck ist Koordinator bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), die bundesweit den Ablauf aller Organspenden organisiert.

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„Das Leben genießen, den Tod akzeptieren“

Stefan Klinck war Intensivpfleger am Westpfalz-Klinikum, übernahm dort kommissarisch die Bereichsleitung Pflege der Neurochirurgie sowie der Stroke Unit und studierte parallel Pflegemanagement an der Hochschule Osnabrück. Heute bringt er all diese Erfahrungen in einen Job mit Seltenheitswert ein – als Koordinator für Organspenden.

Gerade einmal 80 Menschen in Deutschland haben seinen Job. Stefan Klinck ist Koordinator bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), die bundesweit den Ablauf aller Organspenden organisiert. Zu seinem Einsatzgebiet, der Region Mitte, zählen rund 200 Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz, Hessen und im Saarland: „Wenn uns ein möglicher Spender aus diesen Kliniken gemeldet wird, mache ich mich auf den Weg dorthin. Vor Ort betreue ich die Angehörigen und bin bei den Untersuchungen des Verstorbenen dabei. Ich sende sämtliche Befunde und Laborparameter an Eurotransplant und stehe bei der Organentnahme mit im OP. Meine Aufgabe ist erfüllt, sobald die Spenderorgane an den Zielorten angekommen sind. Dafür disponiere ich die Logistik, unter anderem Charterflüge zu den jeweiligen Transplantationszentren.“

Die Dankesbriefe bewegen ihn

Bevor er Anfang 2023 zur DSO wechselte, hat Klinck mehr als sechs Jahre selbst als Pfleger auf der interdisziplinären Intensivstation des Westpfalz-Klinikums in Kaiserslautern gearbeitet. Er erinnert sich noch an den ersten Organspender, den er damals begleitete, und an den ersten transplantierten Patienten, den er postoperativ versorgte – und an die Erfahrung, wie aus einer schlimmen Situation doch noch etwas Gutes entstehen kann. Auch heute ist es für den 28-Jährigen ein bewegender Moment, wenn die Region Dankesbriefe von Organempfängern erhält. Seit April 2019 dürfen ihre Briefe an die Angehörigenfamilien der Spender weitergeleitet werden. Dafür müssen beide Seiten ihr Einverständnis erteilen, die gegenseitige Anonymität muss gewährleistet sein; die Briefe werden dann über die Transplantationszentren an die zuständige DSO-Region übermittelt.

Mit Zustimmung der Patienten bringt Klinck solche Dankesbriefe auch gern bei den Fortbildungen ein, die er für Intensivpflegefachpersonen, die operationstechnische Assistenz und an Pflegeschulen durchführt. „Ich lese sie dort vor, weil ich das Menschliche bei allem, was wir tun, hervorheben möchte. Hinter jedem Organspender steckt ein Mensch mit einer Lebensgeschichte, die geendet ist. Zugleich kann die Geschichte eines anderen nur durch ihn weitergehen, mit einem Teil des Verstorbenen.“ Diese Seite, den Spender und seine Familie, nie zu vergessen, ist Klinck wichtig. Die Angehörigen werden nach einer Organspende von den Koordinatoren auf Wunsch weiter begleitet. Das Team organisiert regelmäßige Treffen für sie, bei denen auch Empfänger von ihrem Leben nach der Transplantation erzählen. „Darüber hinaus ermöglichen wir Eltern, deren Kinder Spender wurden, den Austausch, und kümmern uns besonders um die Geschwister.“

Und sein eigenes Verhältnis zum Tod? Das habe sich nicht geändert, sagt Klinck – sondern sein Blick auf das Leben. Er wisse sehr genau, dass es eben nicht selbstverständlich sei, morgens aufzustehen und noch einen schönen Tag vor sich zu haben. „Man sollte das Leben wirklich genießen, und den Tod muss man akzeptieren. Wenn man das gelernt hat, lebt man anders.“

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