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RKI-Empfehlungen

Damit uns das Schutzmaterial nicht ausgeht

Der Umgang mit Schutzmaterial ist eine Gratwanderung: Wir wollen uns selbst und Menschen mit Pflegebedarf nicht gefährden, andererseits müssen wir wegen der Lieferengpässe sehr sorgfältig – vor allem mit Atemschutzmasken - umgehen. Das RKI zeigt Wege aus dem Dilemma

FFP-2 beziehungsweise FFP-3-Maske – noch Anfang Februar war dieser Fachausdruck aus dem Arbeitsschutz nur wenigen bekannt. Inzwischen sieht man auf der Straße immer häufiger Menschen diese Masken tragen, auch im Pflegealltag greifen immer mehr Mitarbeiter in unterschiedlichen Situationen zu diesen Masken. Der Verbrauch der Partikel-filtrierenden Halbmasken (filtering facepiece, FFP) ist rasant gestiegen, sodass inzwischen Lieferengpässe bestehen.

Rücksicht nehmen auf jene, die FFP-Masken am nötigsten brauchen

Die Folge: Die FFP-3 beziehungsweise 2-Masken fehlen dort, wo die Ansteckungsgefahr am höchsten ist. Sprich, in Einsatzgebieten, wo Pflegefachpersonen Covid-19-Erkrankte versorgen – oder Menschen mit einem begründeten Verdacht auf eine SARS-CoV-2 - Infektion.

Empfehlungen RKI

Es darf aber nicht passieren, dass die Gefährdetsten unter uns in Situationen geraten, in denen ihnen keine Schutzausrüstung mehr zur Verfügung steht. Deshalb ist es hilfreich, noch einmal ganz genau die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) zu lesen. Es passt seine Empfehlungen fast täglich der neuen Situation an, auch gibt RKI-Präsident Lothar Wieler in einer täglichen Pressekonferenz einen Lagebericht zur Corona-Pandemie.

Schutzausrüstungsset nur bei (Verdacht auf) SARS-CoV-2 - Infektion

Laut RKI ist eine komplette Schutzausrüstung bei positiv getesteten Patienten angezeigt und bei Patienten mit einem begründetem Verdacht auf eine Covid-19-Erkrankung beziehungsweise SARS-CoV-2 - Infektion. Zu dieser persönlichen Schutzausrüstung (PSA) zählen:

  1. Schutzkittel

  2. Einweghandschuhen

  3. dicht anliegende Atemschutzmaske (Mund-Nasen-Schutz)

  4. Schutzbrille

Maske bei Covid-19-Patienten

Eine FFP2- oder FFP3-Maske (oder Respirator) empfiehlt das RKI (Stand: 23. März) als Schutzausrüstung für die Pflege von Covid-19-Patienten: bei ausgeprägter Exposition gegenüber Aerosolen, etwa bei Bronchoskopie oder anderen Tätigkeiten, bei denen Aerosole entstehen können (beispielsweise Absaugen).

Wenn aber FFP-Masken auch bei Bewohnern/Patienten ohne Covid-19 verwendet werden, könnten sich Lieferengpässe verschärfen. Deshalb ist es wichtig, dass Pflegefachpersonen und alle anderen Mitarbeiter in Pflege und Medizin, sorgfältig mit den Schutzmaterialien umgehen – das bedeutet: Sie so zu handhaben, dass sie sich gegebenenfalls mehrmals verwenden lassen und nicht zur Infektionsquelle werden.

Auch zum ressourcenschonenden Einsatz von Mund-Nasen-Schutz (MNS) und FFP-Masken gibt das RKI Orientierungshilfen – und betont, dass sich diese nur beziehen auf „ausgerufene Notfallsituationen, wenn FFP-Masken und/oder MNS nicht in ausreichender Anzahl zur Verfügung stehen.“

So verwenden Sie Masken und Mund-Nasen-Schutz ressourcenschonend

Die Wiederverwendung muss mit großer Vorsicht geschehen, da die Außenseite der benutzen Maske potenziell erregerhaltig ist. Wenn man die Maske erneut aufsetzt, gilt es, eine Kontamination im Gesicht (Nase, Mund, Augen) zu vermeiden. Es ist für Pflegefachpersonen, die noch keine Erfahrung mit der Wiederverwendung haben, deshalb wichtig, sich den Vorgang genau zeigen zu lassen.

10 Tipps für die Wiederverwendung von Masken und MNS

Was zu beachten ist:

  1. Beim Absetzen der Maske (oder MNS) darf die Innenseite, beziehungsweise das Gesicht nicht kontaminiert werden. Durch eine vorherige Handschuhdesinfektion oder ein entsprechendes Handschuhmanagement (zum Beispiel Mehrfachhandschuhe) können sie dies verhindern.

  2. Bewahren Sie die Maske (oder den MNS) nach dem Absetzen trocken an der Luft auf, legen Sie sie auf keinen Fall in einen geschlossenen Behälter. Es darf nicht zu einer Kontamination der Innenseite kommen, aber auch nicht zu einer Verschleppung auf andere Oberflächen. Markieren Sie den Mund-Nasen-Schutz (etwa am Halteband) mit ihrem Namen!

  3. Am besten legt das Team für die Ablage der Masken einen abgegrenzten Bereich fest, der für den Publikumsverkehr nicht zugänglich ist.

  4. Nach dem Aufbewahren der Maske heißt es: Handschuhe fachgerecht entsorgen und Hände desinfizieren!

  5. Berühren sie beim erneuten Anziehen des MNS/der Maske nicht die Innenseite des Filtervlieses. So vermeiden Sie eine Verschleppung möglicher Erreger von der kontaminierten Außenfläche auf die Innenfläche.

  6. Tragen Sie beim erneuten Aufsetzen hygienisch einwandfreie, unbenutzte Handschuhe und entsorgen sie diese vor einem erneuten Patientenkontakt.

  7. Benutzte Einweg-FFP Masken oder MNS dürfen nicht gereinigt oder desinfiziert werden, da dies die Funktionalität der Maske negativ beeinflussen kann

  8. Desinfizieren Sie den Ort der Zwischenlagerung unmittelbar nach Entnahme der Maske oder des Mund-Nasen-Schutzes sachgerecht.

  9. Wenn Sie wiederverwendbare Atemschutzmasken mit austauschbaren Partikelfiltern verwenden, ist dies eine weitere Alternative zum Ressourcenschutz.

  10. Wenn Ihre Maske oder ihr Mundschutz dennoch trotz aller Vorsichtsmaßnahmen möglicherweise an der Innenseite kontaminiert wurde, dürfen Sie ihn nicht mehr verwenden.

Das RKI betont, dass die Masken nur von derselben Person patientenbezogen innerhalb einer Schicht wiederverwendet werden sollen.

In diesen zwei Fällen Masken und MNS bitte nicht wiederverwenden!

Nicht wiederverwendet werden dürfen die Masken, wenn

  1. sie durchfeuchtet sind oder eine Kontamination wahrscheinlich scheint

  2. Sie bei Tätigkeiten an infektiösen Patienten intensiv Aerosolen ausgesetzt waren, etwa bei einer Bronchoskopie

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der Pflegekammer Rheinland-Pfalz

Autorin: Kirsten Gaede

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