Corona

Corona-Screening in der Langzeitpflege? Ja, das gibt es ...

... in den beiden städtischen Pflegeheimen in Ludwigshafen. Dort werden wöchentlich alle Mitarbeiter getestet.

Die Zahl der Covid-19-Erkrankungen steigt in Pflegeheimen dramatisch. Das ARD-Magazin FAKT berichtet von Fällen in mindestens 520 Einrichtungen, nach Informationen der Stiftung Patientenschutz sind deutschlandweit schon über 500 Heimbewohner (Stand 3. April) gestorben. Eine Forschergruppe der London School of Economics ist zusätzlich zu dem Ergebnis gekommen, dass in fünf europäischen Ländern jeder zweite Todesfall in einem Pflegeheim gemeldet wird. Zwischen 42 und 57 Prozent aller Todesfälle in Heimen sollen demnach in Verbindung mit dem neuartigen Erreger stehen. Auch Deutschland ist hiervon betroffen. Bundesweit kam es in vielen Einrichtungen bereits zu mehreren Todesfällen. Selbst wenn die Bewohner an den Infektionen nicht versterben, so führt sie in der Regel doch häufig zu weiteren Einschränkung der Lebensqualität und der Selbstständigkeit.

Markus Mai fordert: Screenings und Schulungen öffentlich finanzieren!

Der Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz fordert von Bund und Ländern diesen Negativtrend mit entsprechenden Maßnahmen zu stoppen. Finanzielle Aspekte sollten keine Rolle spielen. Dr. Markus Mai fordert vor allem eine großzügige Finanzierung von:

  • umfassenden Schulungen, um Pflegefachpersonen noch besser auf die Pflege von Infizierten oder an Covid-19-Erkrankten vorzubereiten. Allein das richtige An- und Ablegen von Schutzausrüstung sei zentral, um die Krise zu bewältigen

  • regelmäßige Tests auf das neue Coronavirus für alle Mitarbeiter von stationären und ambulanten Langzeitpflegestrukturen und deren Bewohner/Patienten - sprich ein Screening

„Eine aufwendige, aber sehr sinnvolle präventive Maßnahme“

Screenings ganzer Belegschaften in Kliniken und stationären und ambulanten Langzeitpflegeeinrichtungen gibt es bisher nur vereinzelt: An der Charité in Berlin, wo der Virologe und Corona-Experte Christian Drosten tätig ist, werden zur Zeit alle Mitarbeiter getestet. Einen weiteren Vorstoß gibt es in Rheinland-Pfalz: In Ludwigshafen werden seit Kurzem alle Mitarbeiter in den städtischen Pflegeheimen Haus Friesenheim und das Dr. Hans Bardens Haus in der Gartenstadt wöchentlich auf eine Corona-Infektion getestet. „Das ist eine aufwendige, aber sehr sinnvolle präventive Maßnahme“, sagt der Leiter der Krankenhaushygiene im Klinikum Ludwigshafen. Das städtische Klinikum ist Träger der Pflegeheime; so kommt es, dass der Mediziner und Krankenhaushygieniker Dr. med. Sebastian Kevekordes die die beiden Häuser durch die Corona-Pandemie begleiten kann. „Wir haben den Vorteil, dass wir die Diagnostik selbst durchführen können. Wir testen außerdem Bewohner mit Erkältungssymptomen sofort, auch warten wir bei Mitarbeitern mit Atemwegssymptomatik nicht das nächste Screening ab, sondern machen sofort einen Abstrich."

Neu umfangreiche RKI-Empfehlungen für Pflegeheime (Stand 15. April)

Mit dem wöchentlichen Corona-Screening geht das Klinikum Ludwigshafen über die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts hinaus. Die Infektionsschutz-Behörde hat gerade am 15. April seine Covid-19-Empfehlungen für Alten- und Pflegeeinrichtungen von wenigen auf 21 Seiten erweitert. Auf Seite 19 heißt es nun, wöchentliches Testen sollte „in besonderen Situationen wie Hoch-Risiko-Einrichtungen (z.B. sehr große Einrichtungen mit einer sehr dichten Belegung oder Einrichtungen in Regionen mit einer hohen Inzidenz von Covid-19-Erkrankten) auf Umsetzbarkeit geprüft werden."

Auch Patientenschützer und Versorgungsexperten plädieren für Screenings

Für ein „gepooltes Testen“ hat Anfang April auch eine Expertengruppe plädiert, zu der unter anderem die ehemalige Vorstandsvorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit Hedwig François-Kettner (ehemalige Pflegedirektorin der Charité) sowie Versorgungsexperten und ehemalige Mitglieder des Sachverständigenrates Gesundheit gehören. Eine Konkretisierung, wie häufig ein Screening stattfinden sollte, gibt es in dem Thesenpapier zur Pandemie durch SARS-CoV-2/Covid-19 jedoch nicht.

https://epaper.pflegemagazin-rlp.de/20_PFL_Juni_2020_Rheinland_Pfalz_epaper.pdf

Autoren: LPflK/Kirsten Gaede

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