Foto: Klinikum Mutterhaus

Blitzlicht-Interview

Corona-Gemeinschaftskrankenhaus in Trier

In Trier gibt es eine außergewöhnliche Zusammenarbeit der örtlichen Kliniken: ein Corona-Gemeinschaftskrankenhaus. Das Klinikum Mutterhaus und das Brüderkrankenhaus Trier betreiben die Klink gemeinsam. Was heißt das für die Pflege? Nachfrage bei zwei Pflegefachpersonen.

Binnen weniger Tage wurde das Fachkrankenhaus für Innere Medizin mit Schwerpunkt Altersmedizin geräumt und zum Schwerpunktkrankenhaus für Corona-Patienten hergerichtet. Seit dem 18. März stehen dort 24 Intensivbetten sowie eine Normalstation mit 125 Plätzen bereit. Ärzte und Pfleger beider Häuser behandeln hier COVID 19-Patienten. Die Idee dahinter: Infizierte werden von spezialisierten Teams betreut. Und durch die räumliche Distanz bleibt der Betrieb in den anderen Häusern so weit wie möglich geschützt. Die Umstrukturierung bringt in allen beteiligten Häusern neue Anforderungen für die Pflegekräfte mit sich.

„Eigentlich hat sich alles verändert, komplett“, sagt Caroline Borne. Bis vor kurzem arbeitete sie in einer anderen Abteilung. Jetzt leitet die Gesundheits- und Krankenpflegerin eine Schicht der Corona-Normalstation im Gemeinschaftskrankenhaus. „Neue Strukturen, neues Arbeitsmaterial, neue Räumlichkeiten – nichts ist wie vorher.“ Die 24-Jährige ist erst seit drei Tagen auf der Corona-Normalstation. Aber den Kollegen geht es vermutlich ähnlich. Alle im Team müssen sich auf eine rundum neue Situation einstellen. Die Bereiche, aus denen sie kommen, sind weit gefächert: Pflegefachpersonen aus der vormaligen Geriatrie arbeiten hier, chirurgische, internistische und psychosomatische Fachkräfte. Personal aus dem Brüderhaus kommt dazu. Auch die Ärzte sind aus beiden Häusern. Ein bunt gemischtes Team.

Hygienefachkraft täglich anwesend

Insgesamt schätzt Caroline Borne die Lage als recht gut ein. Es gebe viele Aufnahmen und viele Entlassungen, also sei viel zu tun, berichtet sie. „Die Zusammenarbeit klappt erstaunlich gut“, sagt die 24-jährige. „Ich bin positiv überrascht.“

Es sei beachtlich, dass sich neue Abläufe in so kurzer Zeit neu entwickeln und einüben. „Es läuft gut, weil sich jeder engagiert, und zum Beispiel einspringt. Das ist toll.“ Hilfreich ist Borne zufolge, dass der täglich tagende Krisenstab neue Absprachen auf kurzen Wegen an die Stationen weitergibt. Ein weiterer Vorteil ist, dass eine Hygienefachkraft jetzt täglich anwesend ist und alles mit den Pflegefachpersonen bespricht.

„Die Bilder aus Italien belasten“

Unter ihren Patienten sind keine Beatmungsfälle, weil Patienten mit schwerwiegendem Verlauf auf der extra dafür hergerichteten Intensivstation versorgt werden. Diese liegt auf einer anderen Ebene des Gemeinschaftskrankenhauses. Dennoch nimmt die Schichtleiterin etwas mit nach Hause. „Die Bilder aus Italien belasten“, erzählt sie. „Derzeit haben wir so etwas gottseidank nicht. Aber wir sehen, wie sich bei Patienten von jetzt auf gleich die Sauerstoffsättigung verschlechtert und wie schnell manche auf die Intensivstation verlegt werden müssen. Dann überlege ich schon, ob ich es selbst bekommen kann.“ Aber tröstlich sei der Gedanke, dass sie auf der Station mit den besten Schutzmöglichkeiten ausgestattet sind, sowohl beim Material als auch bei der Hygiene. Das sei beruhigend, auch für ihre Familie.

Es tue gut, dass die Leitung immer ein offenes Ohr für die Sorgen der Pflegefachpersonen habe, berichtet Caroline Borne weiter, zumal es bereits zwei Krankheitsfälle im Team gibt. Eine psychologische Begleitung werde ebenfalls angeboten. Bisher musste sie noch niemand in Anspruch nehmen, aber man wisse, dass es sie gibt. Das erhöht das Sicherheitsgefühl. Auch untereinander achte man mehr aufeinander als sonst und suche das Gespräch, wenn jemand psychisch belastet ist oder hustet. Abstriche seien jederzeit möglich.

Caroline Borne hat sich schnell und gut eingefunden auf der Corona-Infektionsstation, mit allen damit verbundenen neuen Anforderungen. Einen Tipp für anderen Pflegefachpersonen, die vielleicht ebenfalls in nächster Zeit auf eine Corona-Station wechseln, hat sie auch: „Immer offen bleiben, dann klappt das schon.“

Wie geht es den anderen?

Auch im Klinikum Mutterhaus Mitte, wo es möglichst normal weiterlaufen soll, hat sich viel verändert. Andrea Maximini arbeitet auf der Station B3. Allgemein pädiatrische Fälle, die Kinderchirurgie und die Kinder-HNO-Station wurden hier zusammengelegt. Jetzt steht das Personal von drei Stationen auf einem einzigen Dienstplan. Den Andrea Maximini als Stationsleitung verantwortet. Insgesamt hat sie die Schichten von weit über 60 Beschäftigten im Blick. Eine große Herausforderung, wie die 54-jährige Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin berichtet. Ihre Lösung: Dienstpläne, die jeden Tag überarbeitet werden. „Ich sitze ziemlich viel vor dem Computer und denke über den Personaleinsatz nach.“ Aber es funktioniere ganz gut, meint sie.

Minusstunden auf neuer Station "pädiatrische Fälle"

„Wir haben weniger pädiatrische Patienten als vor der Corona-Pandemie“, sagt die langjährige Fachkraft. „Eine Zeitlang haben wir elektive Einsätze abgesagt. Jetzt könnten wir langsam wieder dazu übergehen und zum Beispiel Kinder mit EEG-Bedarf behandeln. Aber die Eltern haben Angst.“

Deshalb gebe es einen kleinen Personalüberhang. „Wir helfen aus, in Rücksprache mit der Pflegedirektion. Gerade sind zwei Kolleginnen auf der Wochenstation“, berichtet Andrea Maximini. Das Haus trage mit, dass Mitarbeitende ins Minus gehen.

Bisher keine Kinder mit Covid-19

Auch im Alltag auf ihrer Station spielt Corona ein große Rolle. Die Hygienemaßnahmen wurden verstärkt und nach aktuellen Erkenntnissen überarbeitet. Kinder, die bei der Aufnahme typische Symptome zeigen, kommen in einen baulich getrennten und geschlossenen Covid-Infektionsbereich mit fünf Betten. Dort wird zuerst ein Abstrich gemacht. Für die Dauer der Auswertung, im Moment drei Tage, bleiben die Kinder dort. Sobald klar ist, dass keine Infektion vorliegt, wird das Kind in den offenen Bereich verlegt. Manche können dann auch schon wieder nach Hause. Erfreulich: Bisher waren alle Abstriche negativ. Auch die Pflegefachpersonen sind bisher nicht betroffen.

Wir profitieren auch

Die Schichten im Covid-Bereich werden mit je einer pädiatrischen und einer chirurgischen Pflegefachperson besetzt. Anfangs war es herausfordernd, dass sich verschiedene Fachdisziplinen zusammentun mussten. Inzwischen hat sich die Kombination als großer Gewinn herausgestellt. So war zum Beispiel das fachgerechte Lagern eines Kindes mit Oberschenkelfraktur für die pädiatrische Pflegefachperson schwierig. Hier konnte die chirurgisch kompetente Kollegin anleiten. Die Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin der Chirurgie lernte hingegen, wie die pädiatrischen Fachkräfte eine Lungenentzündung versorgen. „Wir profitieren voneinander und legen die Scheuklappen ab“, beobachtet die Stationsleitung. „Wir lernen von den Kolleginnen. Das ist ein großer Vorteil, auch für die Zukunft.“

Autor: Heike Wehrbein

Das könnte Sie auch interessieren...

Sankt Vincentius Krankenhaus

Bei uns ist Pflege Teamarbeit

Personalmangel, multimorbide Patienten, anspruchsvolle Angehörige – nie war Teamgeist so gefragt wie heute. Positive Beispiele aus Rheinland-Pfalz.

Blitzlicht-Interview

„Hätt da datt Geld schu` kreijt?“

Zu Beginn der Corona-Krise waren Pflegeeinrichtungen sehr gefragt in den Medien. So war es auch bei „Pflege Benz“. Der ambulante Dienst aus Veldenz war bundesweit im „Morgenmagazin“ der ARD zu sehen. Wie ist die Lage jetzt?

Pflege ist Teamarbeit

„Wir weinen auch miteinander“

Nie war Teamgeist so gefragt wie heute. Wir zeigen positive Beispiele aus Rheinland-Pfalz. Dieses Mal: Die Gefäßchirurgie des Klinikums Ludwigshafen.

Serie: Das perfekte Team

Die Großfamilie vom Ingweilerhof

Die Mitarbeiter des Seniorenzentrums in Reipoltskirchen bezeichnen ihre Arbeit als "Wellness" und ihr Team als "zweite Familie".