ALbertus- Stift
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Corona Blitzlicht-Interview

Caritas-Altenzentrum Albertus-Stift: Zeit der Einschränkung:

Krankenhäuser, Senioren- und Pflegeeinrichtungen, ambulante Dienste, Reha-Kliniken – sie alle kämpfen gerade mit den Auswirkungen der Corona-Krise. Wie sieht es konkret aus bei unseren Mitgliedern, wie bei Ihnen und in Ihrer Region? Das möchten wir wissen und Probleme, Sorgen, aber auch Tipps mit Ihnen teilen. In kurzen "Blitzlicht-Interviews" fragen wir nach. Den Anfang macht das Caritas-Altenzentrum Albertus-Stift im Landkreis Mainz-Bingen.

„Im Albertus-Stift geht es uns gut!“ So steht es auf der Homepage des Caritas-Altenzentrums in Gau-Algesheim. Im Gegensatz zur vorherrschenden Mangelsituation verfügt das Albertus-Stift zurzeit über Schutzbekleidung, inklusive Mundschutz. Dieses Wissen beruhigt alle im Haus, auch wenn niemand weiß, wie lange der Vorrat reicht – in der Worst-Case-Situation. Die Mitarbeiter/innen versuchen gemeinsam mit den Bewohnern, den Alltag an die veränderte Situation anzupassen und damit ein Stück Sicherheit zu geben. „Die Anspannung bleibt jedoch bei allen, was kommen wird und wie lange die Zeit der Einschränkungen und des großen Risikos dauern wird“, sagt die Einrichtungsleiterin Constanze Peil.

Fenstergespräche statt Besuch

Auftrieb gibt das große Verständnis und die enorme Unterstützung, die die Einrichtung aktuell erfährt. Das betrifft sogar das seit dem 19. März geltende generelle Besuchsverbot. „Der Bewohnerbeirat wurde in die Entscheidung mit einbezogen und spiegelt uns, dass sie den Entschluss mit uns tragen.“ Auch die Angehörigen reagieren positiv. Viele suchen Besuchsalternativen. Es werden Geschenke und Briefe abgegeben, Verwandte skypen (manche zum ersten Mal), Fenstergespräche werden abgehalten, damit man sich zumindest aus der Entfernung sieht. „Die Mitarbeitenden sind sehr engagiert, um das alles für unsere Bewohner zu organisieren“, so Constanze Peil.

Auch aus der Gemeinde kommen Gesten der Solidarität: Örtliche "Näherinnen" haben dem Heim ihre Unterstützung angeboten. Einige selbstgenähte Mundmasken wurden schon abgegeben. Die Grundschule sowie der städtische Kindergarten in Gau-Algesheim haben den Bewohnern Briefe und Bilder zukommen lassen. In der Post findet man Grüße und Aufmerksamkeiten für die Mitarbeiter der Einrichtung.

Beschaffung von Nachschub stockt

Schlecht läuft es dagegen mit der Nachschubbeschaffung. „Das ist ein enormer Zeitaufwand. Die Pflegedienstleitungen in unserer Einrichtung sind mit nichts anderem beschäftigt, als Hilfsmittel-Anbieter zu finden, sie auf Seriosität zu prüfen und Material zu bestellen. Das kann doch nicht sein“, sagt die Einrichtungsleiterin. „Obwohl wir als großer Träger gemeinsam aufgestellt sind und auch von anderen Stellen unterstützt werden, also vergleichsweise gut dastehen, – all das nützt nur wenig.“ Und wenn es doch bei einem Händler etwas zu bestellen gibt, spricht sich das schnell herum und die Händler sind genervt, weil sie mit Anrufen überrannt werden.

Mehr Tests für Pflegefachpersonen

Auch das Testen von Pflegefachpersonen müsste aus ihrer Sicht schnellstens verbessert werden. Um Risiken für das Altenheim mit seinen stark gefährdeten Bewohnern zu minimieren, wünscht sie sich regelmäßige Tests ihrer Mitarbeiter auf Covid-19. Im Moment bewerten Personen der Fieberambulanz oder ein Hausarzt Verdachtsfälle völlig unterschiedlich. „Die Folge ist, dass bei dem einen zügig ein Covid-19-Test erfolgt, beim anderen ein Test als nicht notwendig erachtet wird“, berichtet Constanze Peil. „Die Unsicherheit bleibt – für den Mitarbeiter und für mich als Einrichtungsleitung. Bei einem dritten Fall wird der Mitarbeiter – ohne Test – in Quarantäne geschickt.“

Autor: Heike Wehrbein

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