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An der Empfehlung zur Sauerstoffgabe wird deutlich, wie wichtig es ist, gewohnte Vorgehensweisen regelmäßig zu reflektieren und sich in Fortbildungen über neue Standards zu informieren.
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An der Empfehlung zur Sauerstoffgabe wird deutlich, wie wichtig es ist, gewohnte Vorgehensweisen regelmäßig zu reflektieren und sich in Fortbildungen über neue Standards zu informieren.

S3-Leitlinie

Bitte keine regelhafte Befeuchtung von Sauerstoff!

Befeuchteter Sauerstoff beugt dem Austrocknen der Atemwege vor – davon waren Ärzte und Pflegende Jahrzehnte überzeugt. Doch die Befeuchtung ist nicht immer nützlich, sie kann sogar schädlich sein. Darauf weisen die Verfasser der S3-Leitlinie „Sauerstoff in der Akuttherapie beim Erwachsenen“ hin.

In Medizin und Pflege wird in der Regel nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, doch gelegentlich kommt es vor, dass sich etabliertes Wissen als überholt herausstellt. Das gilt in jedem Fall für die Befeuchtung von Sauerstoff in der Akuttherapie von Erwachsenen: Dazu ist 2021 erstmals eine S3-Leitlinie erschienen, weil Experten diese Therapie endlich genauer beleuchtet sehen wollten. Es geht in der Leitlinie in weiten Teilen um die Indikation von Sauerstoff in der Akuttherapie, aber auch um Fragen der praktischen Anwendung. Und hier ist ein Aspekt für Pflegefachpersonen in sämtlichen Settings – ob stationär, akutstationär oder ambulant – besonders relevant: die Befeuchtung des Sauerstoffs (mit sterilem oder sterilem destillierten Wasser).

Lange war es üblich, den Sauerstoff zu befeuchten, um Beschwerden wie trockener Nase, trockenem Rachen, Husten, Nasenbluten oder thorakaler Missempfindung vorzubeugen. Eine Auswertung mehrerer, zuvor auf Aussagekraft geprüfter Studien hat jedoch ergeben, dass die Befeuchtung darauf keinen Einfluss hat. Vielmehr hat sich gezeigt, dass befeuchteter Sauerstoff verglichen mit nicht befeuchtetem Sauerstoff

  • häufiger zu einer Kontamination mit Bakterien führt
  • die Sauerstoffzufuhr 36 Stunden länger anhält
  • die Patienten anschließend häufiger unter Atemwegsinfektionen leiden.

In der S3-Leitlinie heißt es deshalb:

Bei der Verabreichung von Sauerstoff mit geringem Durchfluss (Maske oder Nasenkanülen) oder kurzfristiger Verabreichung von Sauerstoff mit hohem Durchfluss soll keine Befeuchtung verwendet werden.

Die Experten weisen darauf hin, dass die Empfehlung nicht für tracheotomierte Patienten gilt. Bei ihnen sei es ratsam, das T-Stück anzuwärmen, da hier die natürlichen Mechanismen der Befeuchtung und Erwärmung nicht wirken. Die Befeuchtung kann bei diesen Patienten „dazu beitragen die Bildung von borkigen Sekreten zu reduzieren, die Durchgängigkeit der Trachealkanüle aufrecht zu erhalten und die subjektiven Beschwerden von Patienten zu mindern“.

Wichtig ist nun im Sinne der Patientensicherheit, dass alle Einrichtungen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die Empfehlung informieren – oder noch besser, wie in einigen Krankenhäusern schon geschehen, eine Verfahrensanweisung dazu formulieren.

Leitlinien der AWMF

Die S3-Leitlinie „Sauerstoff in der Akuttherapie beim Erwachsenen“ (und alle übrigen Leitlinien) findet sich auf der Website der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): www.awmf.org/leitlinien

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