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Pflege und Medizin

Beziehungsstatus? Kompliziert!

Im interdisziplinären Miteinander hakt es seit Jahrzehnten. Doch das könnte sich ändern: Weil die neue Berufsordnung Pflegenden den Rücken stärkt und es inzwischen Best-Practice-Beispiele gibt, die zeigen, dass ein Arbeiten auf Augenhöhe möglich ist.

Fachkräftemangel, Corona-Pandemie, Kostendruck, Behandlungsqualität – darüber ist täglich zu lesen. Aber Interdisziplinarität? Sie ist kaum ein Thema für Akteure im deutschen Gesundheitswesen. Für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) aber schon: Interdisziplinarität sei zentral, so hieß es bei der WHO schon 2010, um den weltweiten Fachkräftemangel zu lindern. Denn sie fördert die Mitarbeiterzufriedenheit und auch die Qualität der Patientenbehandlung. Die beiden Initiatorinnen eines Modellprojekts zur Interdisziplinarität an der Universitätsklinik Regensburg können dies sogar anhand von Zahlen belegen. Doch in Deutschland sind Pflegende oft unzufrieden mit dem Pflege-Medizin-Verhältnis. Das belegen auch zwei aktuelle Befragungen: So haben in der großen Mitgliederbefragung der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz von 2019 einige der rund 2.660 Teilnehmenden in den Freitextfeldern beklagt, dass sie sich von ärztlichen Kollegen und Kolleginnen zu wenig anerkannt fühlen. In einer Befragung des Personalvermittlers Medwing von Ende 2020 geben fast 80 Prozent der über 8.500 Teilnehmenden an, dass sie sich mit ihrer Arbeit von den Ärzten nicht wertgeschätzt fühlen.

Die Arztzentriertheit ist die Crux

Warum aber hakt es immer wieder in der Zusammenarbeit zwischen Medizin und Pflege? Ein Grund sind die ungeklärten Kompetenzen. Das geht aus der Medwing-Befragung hervor, das berichtet aber auch Tilmann Müller-Wolff, Sprecher der Sektion Pflegeforschung und Pflegequalität bei der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi): „Ja, es stimmt, die Zusammenarbeit klappt auf den Intensivstationen vergleichsweise gut, Intensivpflegekräfte können mehr oder weniger selbstständig arbeiten. Aber wenn es drauf ankommt, werden ihnen ihre Kompetenzen gerne auch mal wieder weggenommen. Denn die Arztzentriertheit und das Delegationsprinzip bleiben erhalten.“

Ökonomisierung tut ihr Übriges

Das oft holprige Miteinander der Professionen stört nicht nur die Pflegefachpersonen. Es ist auch für Ärzte ein Thema. In einem Doppelinterview mit der Präsidentin der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein Patricia Drube kommt der Präsident der Ärztekammer Schleswig- Holstein darauf zu sprechen: „Das früher entspannte Miteinander der beiden Berufsgruppen hat sich im Zuge Ökonomisierung aufgelöst, beide Gruppen haben ihre eigenen Probleme“, sagt er im Ärzteblatt der Kammer.

Jetzt ist es für die beiden Berufsgruppen wichtig, eng miteinander zu interagieren. Auf Augenhöhe, ohne, dass sich die eine Gruppe der anderen unterordnet. Wie das gelingen kann – lesen Sie im Schwerpunktthema der Ausgabe #23 des Kammermagazin.

80% der Pflegenden fühlen sich laut einer Umfrage von Ärzten nicht wertgeschätzt. Allerdings beobachten auch 50% eine mangelnde Wertschätzung für den Beitrag der Ärzte*

*Quelle Medwing-Umfrag (8.568 Teilnehmer)

Mehr über die Arbeit der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz lesen Sie in Ausgabe #23 des Kammermagazins:

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